Lehre aus dem Super GAU: Atomkraft abschalten!

Politik im Land

Die Naturkatastrophe in Japan hat erneut die Unbeherrschbarkeit der Kernkraft verdeutlicht, die energiepolitische Debatte in Deutschland beginnt, begleitet von Protesten, aufs Neue. Selbst Schwarz-Gelb rudert in Sachten Atomkraft, wenn auch wenig glaubhaft, zurück.

Nach dem das Erdbeben und der Tsunami in Japan erneut die Unbeherrschbarkeit der Atomenergie auf erschreckende Art und Weise verdeutlicht haben, setzt auch in Deutschland eine neue Debatte über die Laufzeiten der Kernkraftwerke ein. In der ganzen Bundesrepublik gingen am 14. März und auch an den folgenden Tagen tausende Menschen auf die Straße, um den Opfern der Katastrophe in Japan zu gedenken, aber auch um deutlich zu machen: Schluss mit der Atomkraft! In allen Städten Thüringens fanden ebenfalls solche Mahnwachen statt. In Erfurt versammelten sich über 300 Menschen auf  dem Anger, unter ihnen Vertreter von LINKEN, SPD, Grünen, Kirchen und zahlreichen Organisationen wie der BUND und die Naturfreunde Jugend. Der Moderatorin Renate Lützkendorf von der offenen Arbeit Erfurt fiel es verständlicherweise sichtlich schwer, die richtigen Worte zu finden, um ihre Empathie  für die tausenden von Toten auszudrücken. Die Anwesenden Politiker, unter ihnen der Landesvorsitzende der Thüringer LINKEN, Knut Korschewsky, stellte die Atomkatastrophe in eine Linie mit Hiroshima, Nagasaki und Tschernobyl. Der Super GAU von Fukushima zeige, dass Kernenergie, ganz im Gegensatz zu den Beteuerungen der schwarz-gelben Bundesregierung und der Atomlobby nicht kontrollierbar sind. Er erinnerte auch daran, dass schon im Dezember und Januar hunderte Menschen auf dem Anger standen, um gegen den Castortransport zu demonstrieren. Ebenso wie Dirk Adams, Landtagsabgeordneter von den Grünen wünschte sich Korschewsky, dass die Diskussion über den Atomausstieg nun sachlich über alle Parteigrenzen hinweg geführt wird. Frank Weber, Sprecher für Umwelt und Energie der Thüringer SPD-Fraktion nannte es eine Schande, dass die Bundesregierung per Ausstiegsmoratorium bis nach den Landtagswahlen warten will, ehe sie eine klare Entscheidung trifft. Unter den Anwesenden mischten sich aber auch leise kritische Stimmen. So warnte ein Redner am „offenen Mikro“ davor, die Debatte zu „instrumentalisieren“. Ähnliches war schon aus der Ecke konservativer Medien sowie von Union und FDP zu hören. Angesichts der Tatsache, dass LINKE, SPD, Grüne und viele andere diese Forderung bereits seit Jahrzehnten stellen, ist dieser Vorwurf aber kaum haltbar. Berechtigt dagegen die Forderung einer jungen Frau, die sich wünschte, dass auch die Leute, die nur auf ihre Straßenbahn warteten oder einfach so über den Anger schlenderten, direkt angesprochen werden. Dafür wird sicherlich beim nächsten mal Gelegenheit sein. Der BUND hat bereits angekündigt, weitere Aktionen zu organisieren. 

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe in Japan dürfte es weder Parteien noch Organisationen schwer  fallen, in den nächsten Wochen und Monaten genügend Leute auf die Straße zu bringen, um auch Merkel und Westerwelle klar zu machen: Die Menschen wollen keine Atomkraft!      

T. H. 

Foto: Peter Lahn