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Gedanken zum Weltfriedenstag

Wenn in den 50er Jahren auf dem Markt in Eisenach besonders gute Ware angeboten wurde, hieß es: „Friedensware.“ Und damals als kleines Mädchen wurde klar, Frieden ist etwas Besonderes.  Heute, als Thüringer Friedenskoordinatorin, mache ich mir Gedanken zu diesem Thema!

 

Von Ute Hinkldein  

 

Bereits ab 1947 wird in Osteuropa der Weltfriedenstag gefeiert. In den 60er Jahren prägte der DGB für Westdeutschland den Begriff „Antikriegs-tag.“ Beide Begriffe bedeuten: „Nie wieder Krieg!“ Es gibt keine gerechten oder heiligen Kriege. Kriege werden geführt zur Erweiterung der eigenen Macht, der Aneignung fremder Bodenschätze und Ländereien. So offen kann man das den Bürgern nicht sagen. Deshalb gibt es am Beginn des Krieges die Kriegslügen. 

 

Der 1. Weltkrieg wurde am 1.8.1914 begonnen, weil man die Habsburger unterstützen wollte. Schließlich wurde deren Thronfolger erschossen. Der 2. Weltkrieg  wurde vorangetrieben, weil angeblich am 1.9.1939 Polen Deutschland beschossen hätte und man nun zurückschießen müsse. Zum Beginn des Jugoslawienkrieges 1999 hieß es, die Serben hätten die Albaner im Kosovo in Konzentrationslager getrieben. Der Irakkrieg begann 1993, weil dieses Land angeblich Chemiewaffen besäße. In Afghanistan wollte man die Frauen von der Burka befreien. 

 

Es gab aber auch immer jene Helden, die sich den Kriegstreibern entgegenstellten. Graf Schenk von Stauffenberg wollte am 20.7.1944 Hitler töten, was ihm leider nicht gelang. Das französische Mädchen Raimonde Dien legte sich 1951 auf die Schienen, um zu verhindern, dass die Züge voller Waffen nach Korea gelangten. Es waren immer auch Künstler, die sich des Themas „Krieg und Frieden“ annahmen. 

Friedrich Schiller schrieb an verschiedenen Freiheitsthemen, z.B. „Die Räuber.“ Dann war ihm „Wallenstein“, die Feldherrengestalt des Dreißigjährigen Krieges, wichtig. 1648 endete der Dreißigjährige Krieg mit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück. 

 

Als 1998 der 350. Jahrestag dieses Friedensjubiläums gewürdigt wurde, war ich in Münster dabei.  Wie viel katholisches und protestantisches Blut war bis dahin geflossen?  In „Kabale und Liebe“ gibt es die Szene, wo die Mätresse des Herzogs vor dem Spiegel ihr Geschmeide anlegt. Erkauft wurde es damit, dass die Söhne des Landes in den englisch-amerikanischen Krieg ziehen müssen. Der Diener prangerte das an, schließlich ist sein Sohn auch dabei. 

 

Der Film eröffnete neue Möglichkeiten. 1956 wurde der Film „Die Abenteuer des Till Ulenspiegel“ gedreht. Es war eine Coproduktion DDR mit Frankreich. Der große Schauspieler Gérard Philipe spielte die Hauptrolle und führte Regie. Sein Land führte Krieg in Korea. Er will seiner Heimat den Spiegel vorhalten. Im Film hat Spanien Flandern besetzt (16. Jh.). Die Flandern kämpfen tapfer für ihre Freiheit. Um das Volk ruhig zu halten, soll der Prinz von Oranien von spanischer Seite ermordet werden. Doch Till Ulenspiegel mobilisiert alle Kräfte zur Befreiung des Landes. Gérard Philipe drückte damit aus, dass der Sieg auf Seiten der Freiheitskämpfer ist. Als der Film am 26.08.2019 im MDR erneut gezeigt wurde, saß ich mit roten Ohren vor der Mattscheibe. Wir damaligen 10-jährigen Mädchen verehrten alle Gérard Philipe. Dieses Gefühl war plötzlich wieder da. Unbeschreiblich, wie viele Tränen flossen, als er 1958 starb. 

 

Egal welcher Krieg, er ist ungerecht und keine Lösung. In Büchel stehen jedes Jahr hunderte von Menschen, um zu zeigen, dass die dort gelagerten Atomwaffen weg müssen. Denn wir stehen kurz vor einem atomaren Krieg, der die Menschheit komplett vernichten wird. Da gibt es keine Sieger! Daran muss ich an diesem 1.9.2019 denken. 

 

Ich sehe immer noch die alte Frau auf dem Eisenacher Markt, die laut ruft:   „Friedensware feil.“