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„Wir haben genug von dreckigen Geschäften“

Fridays for Future lässt sich von der Corona-Krise nicht klein kriegen und nimmt jetzt die großen Banken unter Feuer. Welche Forderungen stellen Klimaschützer*innen und welche alternativen Banken gibt es überhaupt?

Wie viele befürchtet hatten, hält die Corona-Krise mit Beginn der kalten Jahreszeit die Welt wieder fest im Griff. Trotzdem darf im Kampf gegen das Virus die noch größere Bedrohung – die Klimakrise –  nicht aus den Augen verloren werden. Auf Fridays for Future ist zum Glück Verlass. Zum Weltspartag am 30. Oktober haben die Klimaschützer*innen mit einer Aktion vor der Deutschen Bank in Erfurt für Aufsehen gesorgt.   

 

„Banken reden von Klimaschutz und und finanzieren das Gegenteil“

 

„Der Weltspartag wurde von Banken ins Leben gerufen, um vor allem Kinder zu ermuntern, ihr Erspartes zur Bank zu bringen. Meistens gibt es dazu ein kleines Geschenk in Form eines Kuscheltiers. Aktuell wäre es allerdings ein wirklich notwendiges Geschenk der Banken an die Kinder, zuzusichern, dass sie alles dafür tun, das Pariser Klimaziel nicht zu verfehlen und die hemmungslose Aufrüstung zu stoppen“, fordert Marla Flaig, Sprecherin der Fridays for Future Ortsgruppe. 

Aber wie soll das konkret gehen?  „Ganz einfach, indem die Bank kein Geld mehr an die Kohleindustrie gibt und auch Rüstungsunternehmen, die an menschenrechtsverletzende und kriegführende Staaten liefern, aus ihrem Kundenkreis streicht. Fast alle großen deutschen Banken reden von Klimaschutz und sozialer Verantwortung und finanzieren das Gegenteil“, kritisiert Flaig. 

 

Wer Rüstungsunternehmen unterstützt sollte kein Vermögen verwalten dürfen

 

„Wer – wie die Deutsche Bank – den größten Kohlekraftwerksbetreiber Europas in Milliardenhöhe finanziert, verdient kein Vertrauen. Wer Rüstungsunternehmen unterstützt, die Kriegs- und Krisengebiete beliefern, sollte kein Vermögen verwalten dürfen“, so Pressesprecher Dirk Boos weiter. „Wir haben genug von den dreckigen Geschäften der Banken, mit denen sie soziale Ungerechtigkeit verschärfen und die Klimakrise befeuern. Ihr Handeln ist verantwortungslos und trägt dazu bei, die     Zukunft der nachfolgenden Generationen zu verbauen“, ergänzt Marla Flaig.

 

Alternative Banken 

 

Bank ist aber nicht gleich Bank. Es gibt Institute wie die Ethikbank mit Sitz in Eisenberg oder die Umweltbank in Nürnberg, die andere Geschäftsmodelle verfolgen. Was ist bei der Umweltbank anders als bei der Deutschen Bank? 

 

Erneuerbare Energien, ökologisches Bauen, bezahlbares Wohnen, Kitas und Schulen

 

„Wir betreiben klassisches Bankengeschäft. Über Sparkonten, wie Tages- und Festgeld, kommt Geld rein und damit vergeben wir Kredite. Aber nur an nachhaltige, ökologische und sozial sinnvolle Projekte,“ versichert der Umweltbank-Sprecher Oliver Patzsch. Konkret heißt das, es wird in erneuerbare Energien, ökologisches Bauen, bezahlbares Wohnen, Kitas und Schulen investiert. Dafür gibt es auch in Thüringen Belege. 1,8 Millionen Euro für ein Mehrfamilienhaus in Weimar, das Musterbeispiel für Nachhaltigkeit und Ökologie im innerstädtischen Wohnen. Dafür gab es 2017 auch den Thüringer Staatspreis „Sonderbau Holz.“ 

 

Frisches Geld für Thüringer Öko-Bauern

 

In Menteroda (Unstrut-Hainich-Kreis) hat die Umweltbank für die ASG Engineering GmbH einen Solarpark finanziert, der jährlich rund 6,8 Millionen Kilowattstunden Solarstrom in das öffentliche Netz einspeist und so den Bedarf von fast 1.900 Haushalten deckt. Das wiederum spart fast 3.000 Tonnen CO2 ein. Dem jungen Ökobauern Heinrich Meusel aus Friedrichshöhe im Thüringer Wald hat die Umweltbank eine neue Lager- und Logistikhalle sowie eine Heusiebmaschine finanziert. Durch die neuen Lagerkapazitäten spart sich der Bio-Landwirt Transportwege und kann das Kräuterheu vor Ort weiterverarbeiten.  Gründungsidee von Bauer Meusel: Bergwiesen im Naturpark Thüringer Wald zu bewirtschaften und Kräuterheu zu vermarkten. Weil dort Heilkräuter wie Arnika oder Bärwurz gedeihen, sind die besonders gut für das, was heute als „Wellness“ bezeichnet wird, geeignet. Mit heißem Wasser aufgegossenes Kräuterheu pflegt die Haut und hilft auch bei Gelenkbeschwerden. 

 

Volle Kraft voraus zum „grünen Kapitalismus“?

 

Also mit neuen Banken volle Kraft voraus zum „grünen Kapitalismus“? „Unser Vorstand hat mal sehr schön gesagt: Mit Kapitalismus ist das wie mit Beton – es kommt darauf an, was man daraus macht“, sagt Oliver Patzsch. „Kapitalismus oder freie Marktwirtschaft ist bei allen Schwächen, das effizienteste System, um Probleme zu lösen, so seine Einschätzung. „Wir als Umweltbank sind der Auffassung, wir müssen auf nichts verzichten, wenn wir nachhaltig sind. Und es ist auch möglich, so Geld zu verdienen“. 

 

Der Druck zeigt Wirkung

 

Und wie sieht die Umweltbank die Fridays-for-Future-Bewegung? Immerhin hat die Ethikbank ihren Azubis für die Klimastreiks freitags stets frei gegeben und sie sogar in ihren Räumlichkeiten Plakate malen lassen. „Wir haben unseren Mitarbeitern auch immer ermöglicht, daran teilzunehmen. Wir finden es großartig, dass sich junge Menschen politisch engagieren. Und vor allem: Der Druck zeigt Wirkung. Ich wünsche mir aber, dass der Protest nicht allein auf der Straße statt findet, sondern sich die Leute auch in Vereinen, Verbänden oder Parlamenten engagieren, meint Patzsch. 

 

 

 

Bei so vielen guten Ansätzen liegt es natürlich auf der Hand nach Maßnahmen zu fragen, die gleichsam gegen die Corona-Wirtschafts- und die Klimakrise helfen. „Konjunkturprogramme für den Klimaschutz und Investitionen in die öffentliche Infrastruktur und Zukunftsbranchen wären gut für Wirtschaft und Umwelt“, ist sich Patzsch sicher. Kurz gesagt: So schlimm die Coronakrise ist, sie bietet doch auch die Chance, nachhaltige Innovationen kräftig voranzubringen

 

Thomas Holzmann