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Mit 60 im zweiten Frühling

Wie die „Blumenstadt“ mit der BUGA eine zweite Chance bekommt. Durch die Pandemie wird es zwar Einschränkungen geben, aber ein Besuch der 87.000 Quadratmeter großen Außenflächen auf der ega und dem Petersberg, wie auch die 25 über ganz Thüringen verteilten Außenstandorte, sind mehr als nur einen Besuch Wert.

Am besten, sie legen auf und stellen mir die Frage in drei Wochen noch mal, stöhnt der Pressemensch der Erfurter Bundesgartenschau, als UNZ wissen will, ob die BUGA trotz der nach wie vor schlimmen Corona-Lage in Thüringen am 23. April eröffnet werden könne. 

 

 

Die Anspannung ist verständlich. Selbst ohne Pandemie wäre die alle zwei Jahre an einem anderen Ort stattfindende BUGA mit ihrem 200 Millionen-Euro-Etat für die Landeshauptstadt kein kleiner Happen. 

 

 

Die diversen Probleme und Debatten, wie bei allen Großprojekten, machen natürlich auch um die Blumenstadt keinen Bogen. Erfurt wird vor allem im Osten Deutschlands  so genannt, weil die IGA seit 1961 eine echte Kultur- und Freizeitattraktion war. Und in Sachen Gartenbau macht den Puffbohnen so schnell keiner was vor. Ob Gartenbau-Begründer Christian Reichart, die älteste Kakteenzucht der Welt oder „Blumenkohl auf Weltniveau“: Kann es überhaupt einen besseren Standort für eine Leistungsschau der Gartenbaubranche als Erfurt geben? UNZ konnte vorab eintauchen, in die  vielen Gesichter des Gartenbaus, die immer für Vielfalt stehen, wie es Kakteenzüchter Ulrich Haage sehr treffend formulierte. 

 

 

Die BUGA in Erfurt wird auf jeden Fall eröffnet, darin waren sich Bodo Ramelow und Andreas Bausewein bei einer Pressekonferenz am 16. April sehr einig. Auf die putzigen Erdmännchen in der Danakil müssen die Besucher*innen aber leider vorerst noch verzichten, so wie auch auf alles andere, was drinnen zu bestaunen wäre. Und auch auf die 87.000 Quadratmeter blühende Außenfläche, ob ega oder Petersberg, geht es vorerst nur mit vorheriger Anmeldung per Internet. 

 

Außerdem ist die Besuchskapazität zunächst auf 15.000 begrenzt. Bestaunt werden können dafür die 25 Außenstandorte. Vom Bad Liebensteiner Schlosspark, dem „Edelstein der Thüringer Waldnatur“, bis zum  „Launchen und Chillen“ mit den Weimarer Klassikern“. Sogar über die Landesgrenzen nach Sangerhausen erstreckt sich die BUGA.

 

Ega, statt wie früher IGA, darf die Gartenschau übrigens nicht mehr heißen, weil die Bundesgartenschau dieses Label für sich beansprucht. Gefühlt scheinen aber alle, die aus dem „Osten“ kommen, Erfurt immer noch mit IGA und Blumen in Verbindung zu bringen. Aber so wie auf der Fläche an der früheren Zitadelle Cyriaksburg über die Jahrzehnte vieles verfiel, so bröckelt der gute Ruf der Blumenstadt, so bald die Leute eher aus westlichen Gefilden nach Erfurt reisen. Die ega ist im Vergleich zu früher deutlich geschrumpft. Wo früher Blumen blühten, stehen heute Luxusvillen. Trotzdem war die ega immer die größte Kulturattraktion in Thüringen, wie Andreas Bausewein (SPD), betonte. Leider, so der Erfurter Oberbürgermeister, werde die wohl ein Zuschussgeschäft bleiben.

 

Kräftige Zuschüsse waren auch auf dem  Petersberg nötig, den viele als „Fremdkörper“ empfinden. Das sieht Bodo Ramelow ganz anders. Er entdeckte den Petersberg schon 1990 für sich und sah auf einem Blick alle Facetten Thüringens – auch die dunklen: Man kann Buchenwald sehen und dann ist da ja noch das Denkmal für den unbekannten Wehrmachtsdeserteur, für das Ramelow wie ein Löwe gekämpft hat. 

Neben der Restauration von Defensionskaserne und Peterskirche, soll es  an allen Ecken und Enden blühen. Ein 150 Meter langes blaues Band wird durch die Epochen des Gartenbaus führen. Auch die Sozio-Kultur ist am Start: Im Garten der Verbände stellen sich Umweltorganisationen wieder BUND oder der urbane Garten „Lagune“ vor. 

Die großen Investitionen auf dem Petersberg lohnen sich auch deshalb, weil nächstes Jahr dort der Tag der Deutschen Einheit gefeiert werden soll und Erfurt 2024 Gastgeber des Katholikentages sein wird.

 

Wo so viel Geld investiert wird, ist natürlich Kritik nicht weit. Manche hätten die Millionen lieber in Schulen und Kindergärten investiert. Und als auf dem Petersberg und in der nördlichen Geraaue (gehört wie der Nordpark zur BUGA) viele Bäume weichen mussten, fanden das nicht alle toll. Auch, wenn wohl ein Großteil der Fällungen tatsächlich unvermeidlich war, so scheint in Sachen Nachhaltigkeit noch Luft nach oben zu sein. 

 

Immerhin gibt es den Klimawald und auch in Punkto Bildung wurde viel getan. Projekte wie das „Grüne Klassenzimmer“ werden ebenfalls auf der BUGA fortgesetzt. 

Überhaupt war und ist das ega-Gelände mit seinen ausgedehnten Spielplätzen und Mitmachangeboten gerade für Kinder ein echtes Erlebnis. In Anbetracht der drei monströsen Rutschen auf dem Petersberg dürfte wohl jedes Kind das Smartphone für längere Zeit aus der Hand legen. Für Kinder unter 8 Jahren ist der Eintritt sogar frei, bis 16 Jahre kostest es nur 2,50 Euro. Für die Tageskarte für Erwachsene werden allerdings stolze 25 Euro fällig. Besonders für die Erfurt*innen wäre da ein speziell ermäßigtes Ticket, das z. B. nur in der letzten Stunde vor der Schließung gilt, hilfreich.

 

Manchmal müssen in Erfurt Blumen vor Füße geworfen werden, aber meistens werden sie nur gehegt, gepflegt und bestaunt. Auch, wenn bei der BUGA nicht alles Gold ist was glänzt, ist sie doch eine große Chance für die Blumenstadt Erfurt, sich touristisch breiter aufzustellen. Sodass am Ende alle wissen: Erfurt ist mehr als nur Dom, Krämerbrücke und alte Synagoge. Oder mit dem Worten Bodo Ramelows: Seien sie neugierig! 

Thomas Holzmann