Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

ICH WAR, ICH BIN, ICH WERDE SEIN

Bild: Kate Evans: Rosa. Die Graphic Novel über Rosa Luxemburg, Karl Dietz Verlag.

Rosa Luxemburg war eine der brillantesten Köpfe der politischen Linken aller Zeiten. Aber sie war nicht die Einzige, die während der Revolution von 1918/19 durch die Reaktion ermordet wurde. Neben Karl Liebknecht, der 1916 als erster Politiker überhaupt im Reichstag Nein zum Krieg sagte, waren es Tausende, die der Gewalt der neuen Herrscher, im festen Bunde mit den alten Eliten, zum Opfer fielen.

Viel gäbe es über die Revolution von 1918/1919 zu sagen. Und zu wenig wird noch immer darüber geredet. Aber: Schon im letzten Herbst wurde deutlich, dass die Erinnerungskultur mit  Blick auf den Kieler Matrosenaufstand, der Zündfunke der Revolution, sich verändert hat. Während in der DDR alles rund um Liebknecht und Luxemburg maßlos überhöht wurde, galten sie in der BRD als Verbrecher und Verräter. Heute müssen selbst Konservative, wenn auch meist zähneknirschend zugeben, dass es Kommunisten und Anarchisten waren, die den Kaiser und seine Vasallen verjagten, die Republik erkämpften und Freistaaten wie in Bayern ausriefen.

Ausgerechnet in Bayern, wo später Hitlers Karriere begann, hielt sich die Revolution am längsten. Ehe auch sie scheiterte und mit mörderischer Gewalt zerschlagen wurde. Im Gegensatz zu den Gewaltexzessen der Reaktion verlief die Revolution aber relativ friedlich.

1920, als die Konterrevolution mit dem Kapp-Putsch versuchte, auch noch die Weimarer Freiheiten und Rechte zu beseitigen, kam es zum Generalstreik. SPD, KPD und Gewerkschaften zogen hier an einem Strang und sogar die Beamten verweigerten den putschenden Militärs den Gehorsam. Keine fünf Tage später mussten sie aufgeben.

Rosa Luxemburg, die wie kaum eine andere für die Idee des Massenstreiks kämpfte, wenn auch für politische Ziele und nicht zur bloßen Gefahrenabwehr, wäre sicher begeistert gewesen.

Leider blieb 1920 der letzte erfolgreiche Massenstreik in Deutschland. Lediglich der vergessene Generalstreik vom Herbst 1948 in der Bizone wäre noch zu nennen. Hinzu kommt, dass die Gewerkschaften massiv an Einfluss verloren haben und mehrheitlich gegen politische Streiks sind. Außerdem sind Streiks jenseits von Tarifauseinandersetzungen in der Bundesrepublik rechtswidrig.

Und dennoch: Ob Bahnstreiks oder Gelbwesten, die Ideen Rosa Luxemburgs sind aktueller denn je. Auch ,wenn sie sich nicht einfach so auf  Heute übertragen lassen, so können sie doch die Basis für neue revolutionäre Ideen werden. Wie groß das Interesse nicht nur an ihren Ideen, sondern an ihrem ganzen Leben wieder ist, zeigt das Comic von Kate Evans. Letztes Jahr auf deutsch erschienen, war die erste Auflage schnell vergriffen.      

 

Merhr zu Revolution von 1918/19 im Interview mit Historiker Mario Hesselbarth

th