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Hinsehen, Hinhören, Mitmachen

Fotos: Anja Zimmermann

Zwei Tage vor dem alljährlichen Martinsfest auf dem Domplatz erhellten zahlreiche Lichter nicht nur diesen, sondern die gesamte Innenstadt aus einem anderen Grund: Am Abend des 8. November versammelten sich hunderte engagierte Menschen auf dem Willy-Brandt-Platz, um an der Demonstration „Erfurt leuchtet“ teilzunehmen

Von Christine Schirmer

 

Von den Veranstaltern formuliertes Ziel der Veranstaltung war es, sich für ein offenes, solidarisches und engagiertes Erfurt einzusetzen. Mit Taschenlampen, Knicklichtern, Lichterketten, Luftballons und Konfetti verlief der Demozug quer durch die Innenstadt und schließlich bis in den Erfurter Norden. Betrachtet man den Verlauf ähnlicher Veranstaltungen, fällt auf, dass die Route bereits ein politisches Statement für sich ist: Die Menschen, die in weiter entfernten Stadtteilen leben, werden zumeist nicht erreicht, weder gedanklich noch durch die Präsenz von derartigen Veranstaltungen, die zumeist um die Altstadt zirkulieren. Dass gerade die Menschen, für die das Stadtzentrum weit weg ist, von Forderungen nach Solidarität und respektvollem Miteinander betroffen sind, wurde von den Rednern mehrfach betont.

So verstand sich die Demo auch nicht als ausschließlich auf ein Thema ausgerichtete Veranstaltung, sondern schloss bewusst eine große Vielfalt von Aspekten ein, denen sicherlich jeder Teilnehmer noch weitere individuelle hinzufügen könnte. Auch zahlreiche Redebeiträge verdeutlichten das breitgefächerte Spektrum der für die Demonstranten relevanten Diskurse. Angesprochen wurden hierbei verschiedenste Initiativen und Organisationen, beispielsweise „Spirit of Football“, „Fremde werden Freunde“ und „Kontakt in Krisen“. Auch Veranstaltungsorte und andere Treffpunkte für Menschen aus aller Welt wurden thematisiert, um potentielle Interessenten auf die bestehenden Möglichkeiten aufmerksam zu machen.

Eine Aussage dürfte bei so manchem Teilnehmer oder auch Passanten hängengeblieben sein: „Traue nur der Weltanschauung derjenigen Menschen, die sich die Welt anschauen.“ In Zeiten von Hass-Postings und Hetze in den sozialen Netzwerken ist es umso wichtiger, sich selber ein Bild von den Dingen zu machen, über die gesprochen wird. Wer in muslimisch geprägten Ländern einen friedlichen Umgang der Menschen untereinander antrifft und christliche Gotteshäuser sieht, wird weniger Angst vor vermeintlichen Veränderungen haben, die mit dem Bau der Moschee in Marbach einhergehen könnten. Neben den Forderungen nach Solidarität, Engagement und einem respektvollen Umgang aller Menschen miteinander stand daher der Aufruf zum Hinsehen, Hinhören, Mitmachen und Informieren im Vordergrund.

Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von verschiedenen DJs sowie von den Rappern MBP & Magma, die nicht nur für Stimmung, sondern mit ihren politischen Texten auch für Denkanstöße sorgten. So leuchteten am Donnerstagabend nicht nur diverse Lichtquellen in Erfurt, sondern auch Interesse, Neugier und Gastfreundschaft – eine gute Basis, um Hass und Gewalt entgegenzutreten.