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Castorstrecken-Aktionstag: Das war erst der Auftakt

Durch die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke steigt auch die Menge des Atommülls. Dagegen formiert sich Widerstand, selbst im kernkraftwerksfreien Thüringen

Am 23. Oktober machten bundesweit mehrere tausend Menschen entlang der Castorstrecke mobil gegen den unnötigen Transport von Atommüll durch Deutschland. Die Menge des radioaktiven Abfalls wird sich in den nächsten Jahren auf Grund, der von der schwarz-gelben Bundestagsmehrheit am 28. Oktober endgültig beschlossenen Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke um bis zu 12 Jahre noch deutlich erhöhen. Auch deshalb wird das nicht die letzte Aktion der Kernkraftgegner gewesen sein. Am 6. November, wenn ein weiterer Castortransport nach Gorleben rollen soll, sind die nächsten größeren Aktionen geplant. Dabei werden vor allem kreative Protestformen gefragt sein.


Wie das aussehen kann, zeigte eine kleine Gruppe der „NaturFreundeJugend“ Erfurt, die am 23. Oktober, untertstützt vom RedRoXX, um 12:00 Uhr auf dem Anger der Landeshauptstadt einen „Flash-Mob“ organisierte. Unter Nutzung von moderner Kommunikationsformen, können via Handy, Internet und sozialer Netzwerke kurzfristig Aktionen geplant und durchgeführt werden. So zogen zehn, in Strahlenschutzanzüge gehüllte Aktivisten in einer Kette über den belebten Anger, um die konsumwilligen Samstagsshopper auf die Problematik des Castor-Transportes aufmerksam zu machen. Unter dem Motto: „Atomkraft schön putzen“, blieben sie schließlich tot gestellt liegen, ehe sie per Schwamm von der Atomkraft gereinigt wurden und wieder aufstehen konnten. Offenbar ein satirischer Seitenhieb auf die Verharmlosung der Gefahren der Atomkraft durch ihre Befürworter.    

Am Nachmittag demonstrierten in Wutha-Farnroda etwa 40 und in Erfurt rund 80 Menschen vor den Bahnhöfen friedlich gegen den Castortransport. Unterstützt wurden sie dabei vor allem von der Linkspartei, insbesondere durch die Thüringer Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert und Jens Petermann sowie die Landtagsabgeordnete Heidrun Sedlacik. Lenkert, der Obmann im Umweltausschuss des Bundestages ist, wies in einer kurzen Rede darauf hin, dass die Züge nicht nur in die deutschen Endlager über Erfurt rollen können, sondern auch jene, die Atommüll bis nach Russland transportieren. Die Absurdität der Kernenergie zeige sich nicht nur an den Unmengen von Atommüll, sondern auch an ihrer Gefährlichkeit, denn ein Super-Gau im Reaktor Biblis A, könnte ganz Thüringen unbewohnbar machen, so Lenkert. Außerdem sei es nicht hinnehmbar, dass die Regierung die Kosten für Endlagerung einfach nicht einkalkuliert, weil sie nicht weiß, wie hoch sie sind. So würden jährlich bis zu drei Milliarden Euro auf den den Steuerzahler abgewälzt. Käme noch eine Haftpflicht für Stromkonzerne dazu, würde die Kilowattstunde Atomstrom 2,70 Euro mehr kosten, sagte Lenkert abschließend.


Sein Fraktionskollege Jens Petermann fügte hinzu, dass die Verlängerung der Laufzeiten nur einen Effekt habe: mehr Geld für die Energiekonzerne. „Die Atomkraft ist am Ende. Sie ist nicht sicher, tötet, macht krank und verschwendet Steuergeld“, erklärte Petermann. Außerdem könne es nicht sein, dass der Ausbau erneuerbarer Energien durch die Laufzeitverlängerung auf den Sanktnimmerleinstag verschoben werden. Petermann rief dazu auf, sich auch weiterhin an einem friedlichen Protest gegen Castortransporte und die Laufzeitverlängerung zu beteiligen.