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Bunt, laut, friedlich

2.000 Menschen beim CSD in Erfurt. Foto:th

Erfurt ist nicht unbedingt die Stadt, die zuvorderst mit Amsterdam oder San Francisco genannt wird, wenn es um Freizügigkeit oder die Rechte von Minderheiten geht. Schwul als Schimpfwort oder Homophobie im Fußballstadion sind, nicht nur in der Landeshauptstadt, noch längst nicht verschwunden.

Umso erfreulicher war das bunte Treiben beim diesjährigen Christoper Street Day am 25. August. Etwa 2.000 Menschen – und damit soviele wie noch nie in der Landeshauptstadt – gingen für mehr gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber sexueller, romantischer und geschlechtlicher Vielfalt auf die Straße. Denn: „Auch nach der Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare im vergangenen Jahr, gibt es noch viel zu tun“, sagten die Organisatoren.

Bunt, lautstark und friedlich zog die Massen durch die Straßen. Neben zahlreichen politischen Botschaften wurden free Hugs (kostenlose Umarmungen) verteilt. Der phantastischen Stimmung tat auch ein Häuflein Nazis vom „III. Weg“, um den mehrfach vorbestraften Gewalttäter Enrico Biczysko keinen Abbruch, die auf dem Anger für ihr steinzeitliches Familienbild herum standen. Mit Sprechchören machten die Teil-    nehmenden deutlich, was sie vom braunen Hass halten. Auf vielen Plakaten wurde außerdem die Homophobie schürende AfD scharf angegriffen. Auch wenn der diesjährige

CSD, der von zahlreichen LINKEN wie Susanne Hennig-Wellsow, Martina Renner oder dem Gewerkschafter Sandro Witt  unterstützt wurden, ein großartiger Erfolg war: „Erfurt ist kein Leuchtturm der Vielfältigkeit, sagte CSD-Sprecher Fabian Gabriel. Da hat er wohl leider Recht. Denn, was würde wohl passieren, wenn Menschen in Outfits wie beim CSD zu sehen waren, bunt und glitzernd an einem grauen Alltagsabend in ein Plattenbauviertel gehen? Oder wie würde das Steigerwaldstadion reagieren, wenn sich ein Fußballer von Rot-Weiss als schwul outen würde?

Marcus Urban, hätte in den Neunzigern beim RWE eine große Profikarriere beginnen können, doch aus Angst als Homosexueller entdeckt zu werden, hängte er die Fußballschuhe lieber an den Nagel.   J

enseits der Heteronormativität gibt es aber nicht nur den homosexuellen Mann, sondern weit mehr Vielfalt, die unter der aus dem englischen Sprachraum kommenden Abkürzung LGBT (Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender) subsumiert wird. Bis zur Akzeptanz aller Formen von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung ist es noch ein sehr weiter Weg. Dabei ist es doch ganz einfach: Was im Schafzimmer einvernehmlich passiert, geht weder den Staat noch den Rest der Gesellschaft etwas an.                                                            

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