Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

5 Gründe, warum nicht alles im Eimer ist

Aktivist*innen hatten im April ein Boot auf den Erfurter Fischmarkt gestellt. Die Flutkatastrophe in Westdeutschland mit über 100 Todesopfern, zeigt auf sehr bittere Art, wie recht sie haben.
Einige der Erfurter Omas gegen Rechts bei einer Kundgebung auf dem Domplatz.

Während die Thüringer Berufspolitik zwischen Tragödie und Farce durch

die Landschaft stolpert, geht es an anderen Stellen umso kräftiger voran.

 

 

1. Das Klimacamp ist wieder da

 

Schon vom 21. April bis 22. Mai war der bunte Zusammenschluss klimabewusster Bündnisse und Einzelpersonen vor dem Erfurter Rathaus präsent. Viele Leute konnten so aufgeklärt werden. Aber: „Die Stadtverwaltung ist während und nach dem ersten Klimacamp in keiner Weise auf uns eingegangen und hat nichts Nennenswertes für den Klimaschutz oder mehr Transparenz getan. Im Gegenteil:  Auf dem verwaltungsrechtlichen Weg wurde gegen unsere demokratische Meinungsäußerung vorgegangen. Zeitgleich wurde der Verweis auf das Klimaschutzgesetz von der Webseite der Stadt entfernt. Die Gründe kann man erahnen“, muckiert das Klimacamp-Team. 

„Aus diesem Grund werden wir das Klimacamp ab dem 30.7. wieder aufbauen, um weiter auf die Missstände der Erfurter Klimapolitik aufmerksam zu machen und ein konsequentes Handeln einzufordern“, so die klare Ansage der Aktivist*innen. 

Dazu braucht das Team Unterstützung. Wer mitmachen will kann sich über die Webseite (www.klimacamp-erfurt.de), per Email (mitmachen@klimacamp-erfurt.de) oder per Telefon (0176-74352868) melden. 

Und natürlich ist Fridays for Future in Thüringen weiter flächendeckend aktiv. Viele der dort Engagierten sind auch in anderen Bereichen und anderen Bündnissen aktiv. Anders als viele glauben, haben vor allem die Thüringer Klimaschutzaktivist*innen sehr wohl die soziale Frage im Blick.  Die nächste große Klimademo ist für den 24.9. geplant.

 

2. Nazis hetzen, Omas fetzen

 

2017 in Österreich als Verein gegründet, sind die Omas (und auch einige Opas)  in Thüringen seit 2019 als parteiunabhängige Bürgerinitiative aktiv. Von A wie Antifaschismus bis Z wie Zukunft durch Klimagerechtigkeit, sind die Omas im Dauer-Unruhestand. Und sie kämpfen nicht alleine. Über die Bündnisse von Omas gegen Rechts und Fridays for Future hat UNZ schon mehr berichtet. Den Ballstädt-Prozess (siehe Seite 4/5) haben die Omas gemeinsam mit antifaschistischen Gruppen kritisch begleitet. Motto: „Die jungen Leute sagen immer, wenn die Omas kommen, sind wir auch dabei“, sagt auch Renate Wanner-Hopp, Omas gegen Rechts der ersten Stunde in Erfurt.

 

3. Kampf dem Mietwucher

 

Auch in Thüringen steigen die Mieten teilweise exorbitant. Vor allem in Jena, Weimar und Erfurt. Versuche der Politik der Profitgier kleiner und großer Miethaie per Mietpreisbremse einen Riegel vorzuschieben sind krachend gescheitert. Aber es geht anders!

2019 erhielt der Erfurter Verein Wohnopia den Zuschlag für zwei Häuser in der Erfurter Talstraße. 

Früher residierten dort das Wächterhaus, der Verein Spirit of Football und ganz früher die Auenthal-Gaststätte. Anders als im Fall Grollmannstraße, Wohnopias ursprünglich favorisiertes Hausprojekt, hatte sich der Stadtrat beim Verkauf nicht für das höchste Gebot, sondern für das beste Konzept entschieden. Projekte wie Wohnopia, die im Mietshäuser-Syndikat organisiert sind, wollen schließlich nicht nur Miethaien den Kampf ansagen, sie stehen auch für barrierefreies Wohnen, mehr Gemeinsinn oder die Energiewende. Das Prinzip: Der Verein gründet eine GmbH in dem er und das Syndikat Gesellschafter sind. Die GmbH kann so einen Kredit aufnehmen, der über die Miete abbezahlt wird. Durch das Syndikat ist jede Spekulation ausgeschlossen und die Mieten bleiben dauerhaft günstig. 

Mehr als 160 solcher Projekte gibt es in Deutschland, vier davon in Thüringen. Neben Wohnopia sind Wohnopolis in der L50 in Erfurt, das Baumhaus Weimar, die Alte Feuerwache Weimar e.V. und der Bahnhof in Eisenberg „entprivatisiert“.

 

4. Mit Öko-Strom gegen Energieriesen

 

Wo kann heute sauberer Strom herkommen und das aus Quellen, die nicht raffgierigen Großkonzernen wie RWE oder Vattenfall gehören? Aus Bürgerkraftwerken Thüringer Energiegenossenschaften. Über 30 davon sind in Thüringen schon entstanden. Es wird aber nicht nur sauberer Strom produziert. Für Genossenschaftsanteile (ab 500 Euro) gibt es sogar bis zu 3 Prozent Rendite. „Wir hantieren mit dem Geld unserer Nachbarn, da wird kein Schmuh betrieben“, verspricht Marcel Schwalbach, Erneuerbare-Energien-Manager, der für den  „Thüringer Landstrom“, die Zusammenarbeit der Genossenschaften koordiniert. Eines der Projekte ist übrigens das Wohnprojekt Alte Feuerwache in Weimar. Und auch bei Wohnopia könnten sich einige vorstellen mit einer Energiegenossenschaft zusammen zu arbeiten. Die haben das nötige Kleingeld und Wohnopia ein großes Dach, das nach einer Photovoltaik-Anlage schreit. Da bahnt sich das nächste neue Bündnis an, das die Konzerne womöglich schon sehr bald verfluchen werden. Alle die darauf Bock haben, können jederzeit mit einsteigen. 

 

 5. Flüchtlingspaten Syrien

 

Ohne den unermüdlichen Einsatz von Menschen wie Michael Gerner würde es vielen Geflüchteten in Thüringen noch sehr viel schlechter gehen. Der Polizist, ein echter Macher und Menschenfreund, hilft mit viel Liebe und Herzblut vor allem unbegleiteten Minderjährigen Geflüchteten aus dem „Failed State“ Somalia. 

Sehr viele Menschen mussten wegen des Krieges auch aus Syrien fliehen und sind jetzt in großer Sorge, um ihre zurückgelassenen Familienangehörigen. Das macht die Integration und den Neubeginn in Thüringen besonders schwer. Hier kommt der Verein Thüringer Flüchtlingspaten Syrien e.V. ins Spiel:  Um das finanzielle Risiko für Verpflichtungsgeber*innen zu minimieren, suchen sie Patinnen und Paten, die mit einem festen monatlichen Betrag ab 5 Euro unterstützen.  Damit wird das finanzielle Risiko einer Verpflichtungserklärung auf viele Schultern verteilt. Je mehr Patinnen und Paten, desto mehr Verpflichtungserklärungen können abgegeben und desto mehr Menschen nach Deutschland nachgeholt werden.

Mit dem Geld aus den Patenschaften wir den nachkommenden Angehörigen der  sicheren Flug nach Deutschland, Unterkunft, Lebens- unterhalt  und die Teilnahme an Sprach- und Integrationskursen finanziert.