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Von wegen unpolitische Jugend

Bei der ersten Aktion im Dezember 2018 waren es nur wenige, die sich zum Klimastreik in Erfurt einfanden. Im Laufe des Winters 2019 wurden es Woche für Woche immer mehr, die sich in Erfurt und in immer mehr Thüringer Städten zu den Fridays for Future aufrafften. Unpolitische Jugend? Von wegen!

Besonders auffällig ist stets der hohe Anteil von Mädchen und jungen Frauen. Der häufig gebrauchte Slogan „the future is female“ (die Zukunft ist weiblich)  manifestiert sich endlich auch außerhalb von Plakaten am Frauen*kampftag. 

 

Bei aller Euphorie über das Entstehen einer offensichtlich globalen Jugendbewegung für eine bessere Welt werden die Fridays for Future nicht automatisch zur sozialistischen Weltrepublik führen, sondern eher zum grünen Kapitalismus. Aber ein grüner Kapitalismus wäre immer noch besser als ein brauner und könnte wiederum neue, jetzt noch ungeahnte, Möglichkeiten eröffnen. 

 

Während die meisten konservativen und neoliberalen Politiker die Streiks als bloßes Schulschwänzen diffamieren, hat vor allem DIE LINKE eine solidarische Haltung eingenommen. Das wurde auf dem Geraer Parteitag deutlich, wo die Aktiven eingeladen waren, aber auch durch den Ministerpräsidenten Bodo Ramelow, der bei der Aktion am 29. März mit und zu den Streikenden sprach. Besonders bedankte er sich bei jenen Lehrkräften, die ihren Schülerinnen und Schülern freigegeben hatten, um mit dem MP gemeinsamen Unterricht auf der Straße zu machen. 

 

Neben zahlreichen Redebeiträgen von jungen Menschen sprach auch der LINKE-Stadtrat Hans-Jürgen Czentarra. Er betonte besonders, dass es kein Aufhetzen von jung gegen alt in der Klimafrage geben dürfe und man dieses globale Problem nur gemeinsam lösen könne. Dafür erntete der Orsteilbürgermeister vom Herrenberg besonders lautstarken Beifall. Bei der Frage des Schulschwänzens verwies er auf den ohnehin in Thüringen massiven Unterrichtsausfall, den aber in erster Linie die CDU zu verantworten habe. Die Menge johlte und rief laut-stark „Scheiß CDU“. 

 

Neben vielen bunten und kreativen Plakaten fanden sich auch einige radikalere politische Botschaften. Ein Schüler mit Iro-Frisur hatte auf sein Plakat geschrieben: Die, die unsere Zukunft klauen, haben Namen und Adressen. Dazu hatte er eine Kalaschnikow gemalt. Solche Botschaften lassen bei konservativen Politikern sicher alle Alarmglocken schrillen. Angesichts des Hasses, der vor allem von rechts auf die Streikenden und im besonderen auf die Person, die alles ins Rollen gebracht hat – die schwedische Aktivistin Greta Thunberg – ausgekübelt wird, erscheint das aber geradezu harmlos. 

 

Wozu der gnadenlose Hass auf Menschen, die für eine bessere Welt kämpfen führt, zeigte sich an diesem Tag auch in Jena. Dort wurde eine Rednerin körperlich attackiert, von einem Mann, der sich durch die Veranstaltung, wie er selbst zugab, gestört fühlte. Gestört sind jedoch allein diejenigen, die nicht begreifen wollen, dass der Klimawandel und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen durch unsere ultra-konsumistische Wegwerflebensweise das Hauptproblem aller Menschen ist. 

 

Doch bevor das auch bei den letzten rechten Trollen und reaktionären Hohlköpfen ankommt, wird es wohl erst gigantische Naturkatastrophen geben müssen, damit auch sie endlich aufwachen. Wollen wir hoffen, dass es bis dahin noch nicht endgültig zu spät sein wird.  

 

th