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Trüffel im Steigerwald

Förstern des Jahres: Uta Krispin
Blick auf den Thüringer Wald vom Kamm des Steigers.
Sonnenuntergang an der Fuchsfarm

Die Försterin des Jahres kommt aus Thüringen: Mit dem Preisgeld will sie ab Herbst

Trüffel züchten. UNZ war mit Uta Krispin in ihrem Revier im Erfurter Steigerwald unterwegs und sprach über die Klimakatastrophe und den stadtnahen Wald als Erholungsort für alle.

 

Katastrophenmodus? Nicht im Steiger!

 

Es gibt Termine im Journalisten-Leben, die könnten angenehmer kaum sein. Blauer Himmel, grüne Höhen und viel gute Laune, verströmt von der Revierförsterin Uta Krispin. Schnell wird klar, warum sie Ende Juli den Preis Försterin des Jahres gewonnen hat. Für sie ist die Arbeit nicht nur ein Beruf. Sie liebt was sie tut. Man spürt das Feuer, das in ihr brennt, wenn das Fachwissen über alte Eichen oder die Unterschiede zwischen Hoch-, Mittel- und Niederwald  wie Funken aus ihr heraussprühen.

Mögen sich Teile des Waldes in Thüringen seit zwei Jahren im „ständigen Katastrophenmodus“ befinden, Krispins Revier, der Steigerwald, steht trotz Dauerdürre noch relativ gut da. „Wo es mehr Nadelholz gibt, ist es schlimmer. Dort kann man es Katastrophe nennen, hier nicht“.  Vor allem, weil nicht Fichten und andere schnellwachsende Monokulturen vor den südlichen Toren der Landeshauptstadt gedeihen. Stattdessen: „eine geniale, nicht zu übertreffende Vielfalt an Laubbäumen“, schildert Krispin begeistert. Besonders freut sich die Revierleiterin über Ungewöhnliche wie das Wildobst Elsbeere. Gerne würde sie einen Thüringer Elsbeerenbrand herstellen lassen, aber dafür gibt es noch zu wenig. 

 

„Wir pflanzen nicht einen Baum“

 

Bäume und Erfurt, das ist ein heikles Thema. Weil für die BUGA, aber auch für andere Projekte, viele Bäume weichen mussten, dürfte die Zahl der Stadtbäume erheblich abgenommen haben. Anders im Steiger: Uta Krispin zeigt strahlend auf junge Eichen und Ahorne: „Wir pflanzen nicht einen Baum, das ist alles Naturverjüngung.“ 

Auch, wenn der Steigerwald besser auf die Klimakatastrophe vorbereitet ist, zeigen sich erste Anzeichen von Trockenstress. Die Böden sind ausgedörrt wenn dieser Sommer bisher nicht so extrem war wie die letzten beiden.

 

Der schönste Park Erfurts?

 

Manch alteingesessenen Puffbohnen, aber auch viele Touristen, wissen gar nicht, was der Steigerwald zu bieten hat. Für andere ist das über 1.000 Hektar große Landschaftsschutzgebiet dagegen der schönste Park in Erfurt. „Die beschweren sich dann gerne mal, wann endlich aufgeräumt wird. Die wollen am liebsten durch den Wald durchgucken“, erzählt Krispin. Aber ein Wald ist nunmal kein Park. Was aber nicht zwangsläufig bedeutet, dass Ökologie und Freizeitnutzung nicht in Einklang zu bringen sind. Dazu gehört dann aber auch, dass nicht im großen Stile Wegesränder gemäht werden. Das sieht vielleicht weniger gepflegt aus, schafft aber dringend notwendigen Lebensraum für Insekten. 

 

Aufgeforstet haben die Preußen

 

Nicht immer stand der Steigerwald so gut da wie heute. In manchen Geschichtsbüchern ist sogar zu lesen, dass er im 19. Jahrhundert fast kahl gewesen sein soll und erst mit Napoleon und den Franzosen wieder aufgeforstet wurde. Krispin widerspricht: „Aufgeforstet haben die Preußen und eine Wüste war er nicht, aber übernutzt durch Holzeinschlag und Viehhaltung.“ Weil Ziegen und Schweine Bucheckern und Eicheln wegfressen, gab es damals keine natürliche Reproduktion. 

 

Waldbaden

 

Als Ort für Freizeit und Lebensqualität wurde der Wald früher ohnehin nicht gesehen. Heute ist das ganz anders. Waldbaden ist eine anerkannte Therapieform. In Berlin hat ein Fitnessstudio seine Räumlichkeiten geschlossen und „pumpt“ nur noch in der sauerstoffreichen Luft des Grunewalds. In Erfurt ist das nicht möglich. Der Trimm-Dich-Pfad, zu DDR-Zeiten bei einem Subbotnik errichtet, ist vergammelt und längst abgebaut. An einen Neubau arbeitet Krispin schon länger. Das scheiterte bislang an rechtlichen und versicherungstechnischen Gründen.

 

Ein Rückzugs-Bereich wäre cool

 

Nur eines von vielen Beispielen für ungenutzte Potentiale. Das gilt auch für die BUGA: „Auf der Sängerwiese, damals Augustapark, gab es eine der ersten Gartenausstellungen in Erfurt, mit Pavillons und einer Grotte. Heute würde ich das nicht machen, aber den Rand des Steigers hätte man in die BUGA mit einbeziehen können. Es wäre cool gewesen, ein oder zwei Orte als Rückzugsbereich vom BUGA-Trubel zu schaffen.“ Vom Süd-Ausgang der ega durch den Luisenpark wären es nur wenige Fußminuten zur Sängerwiese. Aber der Zug ist leider abgefahren.

 

Von Erfurt aus Schneekopf und Inselberg sehen 

 

Ein Besuch im Steiger lohnt sich aber auch so. Es gibt zahlreiche Einkehrmöglichkeiten. Auf dem Kamm wartet ein herrlicher Blick auf fast den ganzen Rennsteig, inklusive Schneekopf und Inselsberg. Für Kinder gibt es auf der Fuchsfarm zahlreiche Veranstaltungen.

 

Trüffel, Gästebücher und andere charmante Ecken 

 

Und dann sind da die vielen kleinen charmanten Ecken, die es nur einmal gibt. So ein Schreibtisch mit Schublade für ein Gästebuch an einer lichten Stelle mit Blick auf den Dom: gebaute vom Trägerwerk Soziale Dienste. Im Herbst kommt noch ein weiterer einzigartiger Ort dazu: Für die 2.000 Euro Preisgeld schafft die Försterin des Jahres nämlich Trüffelbäumchen an. Die jungen Eichen sollen im Herbst gepflanzt werden. Für die Pilzkenner in der Redaktion ein Pflichttermin.             

 

Thomas Holzmann