Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Rotkäppchen lügt!

Silvester Tamás, Wolfexperte vom NABU Thüringen über das Märchen vom „bösen Wolf“

1848 wurde der letzte Thüringer Wolf bei Greiz geschossen. Regelmäßig für Schlagzeilen sorgt seit 2014 die Wölfin von Ohrdruf. „Bis 1992 wurden Wölfe konsequent in Ost und West abgeschossen“, sagt Silvester Tamás. Seit den 90er Jahren wird der Wolf europaweit streng geschützt. Trotzdem droht der Thüringer Wölfin der Abschuss. Bis jetzt hatte sie es auf dem Truppenübungsplatz leicht. „Denn dort wacht der Staat“, meint der NABU-Experte. Auf der Freifläche dagegen „herrscht das Regime der Hobbyjagd“. 

Weil die Wölfin von einem wilden Hund geschwängert wurde, der sich nicht um den Mischlingsnachwuchs kümmerte, kam es zu den Rissen an Schafen, erklärt Tamás. Entgegen der Panikmache ist das für die Schäfer kein Problem, denn sie werden bis zu 100 Prozent entschädigt. Gleiches gilt für die Anschaffung von Herdenschutzhunden. „Der Wolf ist deshalb so ein Politikum, weil die Weidetierhaltung in der Agrarpolitik sträflich vernachlässigt wurde. Es gab nichts vom großen Kuchen der Agrarsubvention“. Zum Vergleich: 1990 waren in Thüringen 400.000 Schafe gemeldet, heute nur noch 80.000. „Das hat aber nichts mit dem Wolf zu tun“, sagt Tamás, sondern damit, dass die Gesellschaft alles billig aus Massentierhaltung will.

Während der Abschuss der Mischlinge aus Naturschutzsicht nicht problematisch ist, wehren sich sowohl NABU als auch BUND gegen den Abschuss der Wölfin und eines echten Wolfsrüden vor Gericht.  

Neben Schäfern und Jägern wird vor allem von rechtsaußen Stimmung gegen die Wölfin gemacht. „Rotkäppchen lügt“, sagt der NABU und verweist das Fressen von Kindern in das Reich der Märchen. „Wir stehen für Versachlichung und wissenschaftliche Erkenntnisse“. Dazu gehört z.B. die Analyse von 10.000 Kotproben. Ergebnis: Der Wolf frisst hauptsächlich Rehwild und Wildschweine, nur etwa ein Prozent Nutztiere. Wer bewusst Angst vor dem Wolf schürt, ist für Tamás nicht konservativ, sondern reaktionär. Schließlich gehört der Wolf genauso zur Thüringer Heimat wie Klöße und Wald.

th