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Rette Karl Marx!

Ein verschollen geglaubtes Marx-Gemälde von Otto Knöpfer taucht in Eisenach wieder auf. Der Stadtverband der LINKEN sammelt jetzt Spenden für die Restaurierung.

Es mutet an als wären wir in einen ZDF-Fernsehfilm geraten“, scherzt die Eisenacher Landtagsabgeordnete, Kati Engel. Denn die Geschichte, die das von Otto Knöpfer gezeichnet Karl-Marx-Porträt hinter sich hat, böte wirklich genug Stoff, wenn nicht für einen Fernsehfilm, so doch für eine 90-minütige Dokumentation. 

Alles beginnt mit Otto Knöpfer. Der wohl bekannteste Thüringer Maler, 1911 in Arnstadt geboren, wuchs im beschaulichen Holzhausen auf, einem kleinen Dorf unterhalb der Veste Wachsenburg. Er streifte durch die heimatliche Landschaft, zeichnete, malte die umliegenden Hügel mit ihren Feldern und Wiesen, die Burgen, die Dörfer mit Menschen und Tieren. Otto Knöpfer arbeitete zeit seines Lebens an seinem Formen- und Farbenreichtum, an seiner für ihn typischen Ausdrucksfähigkeit. Dabei blieb er seiner Landschaft um die Drei Gleichen treu. Auch als er 1951 mit seiner Familie nach Erfurt zog, kehrte er immer wieder zurück und wanderte auf den gleichen Wegen, die ihm seit seiner Kindheit vertraut waren. Er sah die Landschaft, ihre Felder und Wiesen, ihre Menschen und Tiere mit jedem Jahr, mit jeder Jahreszeit neu. Es entstanden beeindruckende Blumen- und Wiesenstücke, Stillleben und Porträts. Das anscheinend Unscheinbare in nächster Nähe faszinierte Knöpfer. Die genaue Beobachtung, die fast kontemplative Betrachtung der Natur prägte seine Art zu malen. Sie war wirklichkeitsbezogen, detailtreu, unsentimental. In seiner Kunst zeigt sich seine menschliche Wesensart und seine Achtung vor jedem, auch vor dem Kleinsten. Sein Auge erforschte, wie die Natur funktioniert, nicht sezierend, sondern liebevoll bewundernd.

Das nun wieder gefundene Marx-Bildnis passt da so gar nicht zu den bekannten Werken von Otto Knöpfer. „Das ist auch nicht verwunderlich“, erläutert Kati Engel. „Es handelt es sich bei diesem Gemälde um eine, im Jahr 1962 durch die SED-Kreisleitung bestellte, Auftragsarbeit. Knöpfer war zu dieser Zeit Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler im Bezirk Erfurt. Ich finde es verständlich, dass die Kreisleitung einen solch bedeutenden Auftrag ihm gegeben hat.“

Jahrzehntelang zierte das Marx-Porträt die Räume des SED-Kreisleitung im ehemaligen Reichsbankgebäude an der Ecke Clemdastraße/Wörthstraße (heute: Karl-Marx-Straße) im Norden des Stadtzentrums von Eisenach - bis zum gesellschaftlichen Umbruch. „Im Herbst 1989 haben vorausschauende Genossen das Bild vor der Zerstörung bewahrt. Ohne Dr. Manfred Günther, H. Töpfer und D. Schmidt wäre Knöpfers Marx-Gemälde auch ein Opfer der überschäumenden Zerstörungswut geworden“, fasst Engel die geschichtlichen Ereignisse zusammen. „Durch ihre Rettung konnte das Bild weiterhin den Beratungsraum der, nun in PDS umbenannten, Partei schmücken.“ Als Katja Wolf 1999 für die PDS in den Thüringer Landtag einzog, eröffnete sie ihr Wahlkreisbüro in der Georgenstr. 25 in Eisenach. Mit ihr zog auch der Stadtverband der Partei dorthin. Während dieses Umzuges ging das Bild, zunächst unbemerkt, „verloren“.

Manfred Günther hat diesen Verlust nie ganz überwunden. Unermüdlich folgte er Hinweisen, Ideen und Spekulationen über den Verbleib des Knöpfer-Werkes. Und tatsächlich, nach über 20 Jahren Suche, wurde er in der Weststadt von Eisenach fündig. Der damalige „Umzugshelfer“ war da schon seit geraumer Zeit verstorben. Angehörige führten Günther auf den Dachboden, wo das Gemälde seitdem aufbewahrt wurde und übergaben es ihm. Da Dr. Manfred Günther überzeugt ist, dass das Marx-Porträt immer noch Eigentum der Partei sei, überreichte er es wenige Tage später dem Eisenacher Stadtverband der LINKEN und dem Wahlkreisbüro RosaLuxx.

Doch die vielen Jahre der unsachgemäßen Lagerung haben ihre Spuren hinterlassen. Eine falsche Bespannung und ein fehlender Firnis haben der Ölfarbe zusätzlich stark zugesetzt, so dass sie nun Risse zeigt und nun droht sich von der Leinwand zu lösen.

„Das können und wollen wir nicht zulassen“, zeigt sich Kati Engel motiviert. „Wir haben bereits Fachexpertise eingeholt und uns beraten lassen.“ Die gute Nachricht: Das Knöpfer-Gemälde ist zu reparieren, bestehende Schäden können noch behoben und ein weiterer Verfall aufgehalten werden. Die schlechte Nachricht: Dies alles ist mit großem Aufwand verbunden. Die Leinwand muss von hinten mit Leim getränkt werden, um die Ölfarbe am Tuch zu halten. Bestehende Schadstellen müssen komplett neu aufgebaut werden. Außerdem bedarf das gesamte Bild einer Reinigung und muss neu gespannt werden. Der Kostenvoranschlag beläuft sich auf 1.725,50 Euro. „Das übersteigt unsere Kaffeekasse um das Hundertfache“, so die Abgeordnete. „Da wir nicht in der Lage sind, das allein zu stemmen, haben wir ein Crowdfunding, also einen Spendenaufruf, gestartet.“  Freundinnen und Freunde von Karl Marx, Kunstliebhaber*innen und Fans von Otto Knöpfer sind also jetzt aufgefordert durch eine Spende zu helfen und die Geschichte dieses so außergewöhnlichen Knöpfer-Werkes zu einem Happy End zu führen. „Ich bin zuversichtlich, dass es uns gemeinsam gelingt dieses Marx-Porträt zu retten, denn schließlich gehen ZDF-Film immer gut aus“, lacht die Abgeordnete Engel. „Wenn wir es schaffen, genug Geld für die Restaurierung des Gemäldes zu sammeln, dann versprechen wir im Gegenzug dafür, dass dieses Bild nie wieder im Privatbesitz verschwindet, sondern einen würdigen Ort erhält, wo es auch für die Öffentlichkeit zugänglich ist, denn so hätten es Knöpfer und Marx auch gewollt.“

Spenden können bis zum 15. November digital über https://www.startnext.com/rettet-karl-marx eingezahlt werden oder in bar im offenen Jugend- und Wahlkreisbüro „RosaLuxx.“ in der Georgenstr. 48 in Eisenach abgegeben werden.