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Kunst, die nicht stirbt

Nicht nur Bücher haben ihre Schicksale, auch Filme. Viele Jahre nach dem Tod des Schriftstellers bemerkte sein langjähriger Freund Wolfgang Held im Schloss Kromsdorf anlässlich der Wiederaufführung von „der Magdalenenbaum“, Armin Müller sei damals, bei der Uraufführung in Berlin (7.12.1989!), nicht so recht zufrieden gewesen. Für ihn sei das Thema der globalen Umweltbedrohung, der Naturzerstörung weltweit, wesentlich wichtiger als das Schicksal des Malers Ramboll, der sich auf ein kleines Dorf im Thüringischen zurückgezogen hatte, um zu malen. Aus Protest.

Von Werner Voigt

 

Die stürmischen Tage der End-DDR verdrängten harsch dieses Filmereignis ins Vergessen. Zu Unrecht. Es ist ein sehr poetischer, leiser Film, sparsam mit Worten, stark in der Bildsprache. Armin Müllers zweite Leidenschaft galt dem Malen. Es gewann in den siebziger und achtziger Jahren immer stärker an Bedeutung. Viele Thüringer können sich daran noch gut erinnern. An Dutzende Ausstellungen. So gab es zum 70. Geburtstag 1998 in Bad Berka eine große Ausstellung, einen Bogen spannend von der Kindheit im schlesischen Schweidnitz (Swidnica) bis in die jüngste Zeit.

Der Mitte der Achtzigerjahre erschienene Roman „Der Puppenkönig und ich“ gibt Aufschlüsse über einige der Quellen und Motive seiner Dichtungen, sei es auf Papier oder Leinwand. Millionen Menschen ist Armin aber schon bekannt geworden zu Beginn der fünfziger Jahre durch seine Verse, unter anderem „Laßt heiße Tage im Sommer sein, im August, im August blüh’n die Rosen ...“, das aus Anlass der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten entstand (Musik: Günter Fredrich). Armin Müller war in Weimar Mitbegründer der Freien Deutschen Jugend in Thüringen. Wer die wahrhaftige, unverfälschte Aufbruchsstimmung der Jugend im Osten nach 1945 verstehen möchte, der braucht nur sein „Poem 59“ zu lesen, dass der Dichter erneut 2003 im Druck, mit ausgezeichneten Bild-Reproduktionen begleitet, in das Gedächtnis der Gegenwart holte. Viel wäre noch zu sagen über Müllers künstlerische Vielseitigkeit. Jahre am Sender Weimar tätig, schrieb er etliche Hörspiele, Stücke fürs Theater (unter anderem „Framziska Lesser“), Erzählungen, Fernsehspiele. Er war nicht selten Gast in Jugendforen, wo leidenschaftlich und konkret gestritten wurde.

Sein malerisches Werk, scheint mir, ist dem literarischen ebenbürtig. Poetisch. „Auf weißen Pferden“ heißt eines seiner heiteren wie hintersinnigen Bilder. Sie reizen zum Nachdenken, zur Entschlüsselung der Bilderwelt, heiter und doch ernst. Das Ende der DDR bereitete ihm, wie vielen Zeitgenossen, Enttäuschungen, Schmerzen, Verluste. „Sollte nun alles Geleistete sinnlos geworden seien? Nein, so konnte man nicht mit erlebter Geschichte umspringen. Wir alle sind in den letzten Jahren daran gewöhnt worden, das untergegangene Land von seinem Ende her zu beurteilen, von den Verwerfungen, die seinen Sturz beschleunigt haben. Gibt uns das Wissen um diese Erfahrung aber das Recht, in den Chor des Zeitgeistes einzustimmen und den Traum, den alten wie eine Peinlichkeit von uns selber, den Kindern und Enkeln zu verschweigen?“ (2003) Armin Müller bestand darauf, dass die menschliche Geschichte nicht alternativlos ist. Am 25. Oktober wäre der Maler-Poet 90 Jahre alt geworden.