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Kulturkarawane

Manch Kulturschaffende fühlen sich in Erfurt an die Entbehrungen der Karawanen auf der alten Seidenstraße erinnert. Deswegen zogen sie am 19. Mai mit einer Kulturkarawane durch die Stadt, um ihren Forderungen – u.a. nach einer frei nutzbaren Veranstaltungsfläche oder der allgemeine Entdämonisierung ihres Handwerkes – mit Tanz und Musik Nachdruck zu verleihen.

Erfurt und die Kultur, das ist weit mehr als nur Theater, Oper und Domstufenfestspiele. Leicht hat es die freie Szene und die Soziokultur aber oft nicht. Zum einem mangelt es an finanzieller Untersetzung durch die Stadt, auch wenn die unlängst vom Stadtrat auf 250.000 Euro aufgestockt wurde. Allerdings war die zwischenzeitlich mal auf null zusammengestrichen worden. Symbolisch wurde damals die Kultur von Kreativszene bereits zu Grabe getragen. 

Viel schlimmer als der Mangel an schnödem Mammon ist aber ohnehin die Verweigerungshaltung der Verwaltung. Wer eine Kulturveranstaltung organisieren will, dem dröhnen meist die drei Lieblingsworte von Verwaltungsmenschen entgegen: verboten, verboten, verboten. 

Eine besonders absurde Stilblüte der Verwaltungstyrannei ist die Vergnügungssteuer. Die wurde einst eingeführt mit Blick auf Spielautomaten und Prostitution. In der heutigen Realität trifft es vor allem kleine Läden. Kultur an sich fällt zwar nicht darunter, nur wenn sie Spaß macht. Das kling total absurd, und das ist es auch.

Die vielen Kulturakteure sind nicht nur in Erfurt gut vernetzt und sie organisieren sich. So auch am 19. Mai bei der Kulturkarawane – ein Zusammenschluss aus Botschaftern der freien Kulturszene. Der Titel Karawane wurde deshalb gewählt, weil so manche Kulturschaffende sich augenzwinkernd an die Entbehrungen der Karawanen auf der alten Seidenstraße erinnert fühlen.  „Etablierung einer frei nutzbaren Veranstaltungsfläche im Stadtgebiet, Erweiterung des Veranstaltungszeitraumes und der Veranstaltungssubventionierung, die Weiterbespielung von kulturellen Orten in der Stadt, das Ende der Immobilien-Vetternwirtschaft mit solchen Locations und die allgemeine Entdämonisierung unseres Handwerkes“, lauteten einige Forderungen. 

Die Thüringer Zeitungen TA und TLZ interessiert das offenbar nicht die Bohne. Sie bringen lieber monströse Beiträge über Opern und den trashigen Megakommerz-Event „Euro Vision Song Contest“, inklusive nationalistischem Geheul, über das schlechte Abschneiden Deutschlands. 

Zur Kultur gehört ganz besonders in Erfurt auch die Gartenkultur. Nein nicht nur die BUGA, sondern die vielen kleinen Projekte wie die Lagune, der Paradiesgarten oder die Fuchsfarm im Steigerwald. Letztere feierte gerade ihren 25. Geburtstag. 

 

th