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Gegen das Vergessen engagieren

Vom 5. bis 12. November fand in Erfurt die Woche gegen Rechtsextremismus mit zahlreichen Veranstaltungen statt. Dazu gehörte ein Zeitzeugengespräch mit Avital Ben-Chorin, die 1936 aus ihrer Heimat Eisenach fliehen musste, ein Filmabend, ein Klezmer-Konzert und Diskussionen zum Umgang mit Rechtsextremismus.

Bereits am 31. Oktober hatten außerdem die 18. jüdisch-israelischen Kulturtage in Thüringen begonnen, die nach einem reichhaltigen Programm am 17. November endeten.  

Zum traditionellen Gedenken an den Pogrom 1938 am 9. November kamen mehr als 50 Menschen auf den neuen jüdischen Friedhof in Erfurt. Neben Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) und Landtagspräsidentin Birgit Diezel (CDU) waren auch der Vorsitzende der Linksfraktion im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, sowie der parlamentarische Geschäftsführer, André Blechschmidt, gekommen. Der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde Thüringen, Wolfgang M. Nossen (Foto unten), nutzte das Gedenken, um vor der immer mehr um sich greifenden Gleichsetzung von links und rechts zu warnen. So etwas ließe sich durch die Geschichtswissenschaft nicht belegen. Die Ursachen für jede Form von Antisemitismus sei in den sozialen Verhältnissen zu suchen und keineswegs in den Genen. „Es ist eine Schande, dass es die politische Elite in Deutschland nicht fertig bringt, die NPD zu verbieten“, so Nossen. 

Vor dem Hintergrund zunehmender Neonazi-Aktivitäten erklärte Andreas Bausewein: „Der 9.11.1938 ist geschehen und er kann wieder geschehen.“ Deswegen sei es so wichtig, an Menschen zu erinnern und sich gegen das Vergessen zu engagieren. 

Passend dazu wurde am Abend eine weitere „Denknadel“ eingeweiht. Sie befindet sich in der Bahnhofstraße 40 und erinnert an den jüdischen Arzt Dr. Ernst Ehrlich, der dort seine Praxis hatte und am 9. November 1938 von den Nazis nach Buchenwald deportiert wurde. Mit der mittlerweile fünften Denknadel in der Landeshauptstadt will der Arbeitskreis „Erfurter GeDenken 1933 – 1945“, denen einen Namen geben, denen er genommen wurde und so an deren Lebens- und Leidensweg erinnern, sagte Vorstandsmitglied Dr. Martin Borowsky. Ermöglicht wurde diese Denknadel durch eine Spende der Deutschen Bank. Auch der Direktor der Erfurter Filiale richtete Worte des Gedenkens an die zahlreichen interessierten Bürger, ohne jedoch dabei zu erwähnen, dass gerade die Deutsche Bank massiv in die Verbrechen der Nazis verstrickt war. Das gehört  auch zur Geschichtsaufarbeitung gegen das Vergessen. Ein Freikaufen früherer Nazi-Kollaborateure darf es nicht geben.

Thomas Holzmann         

Fotos: Thomas Holzmann/Reiner von Zglinicki