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Früchte des Zorns: Nach 20 Jahren immer noch alternativ

Foto: von Jan Schenck /picturex.net

Träume, Sehnsüchte und Wünsche - davon handeln die Texte der Band Früchte des Zorns, die sich als politisches Ausdrucksmedium von und für linke Subkultur versteht. Im Rahmen ihrer Jubiläumstour statteten sie der Jungen Gemeinde Jena am 3. Mai einen Besuch ab.

 

 

Von Christine Schirmer 

 

Auch für die JG Jena war es nicht das erste Mal, dass Mogli, Hannah und Anke ein Konzert gaben. Im Gegensatz zu dem beinahe auf den Tag genau zwei Jahre zurückliegenden letzten Auftritt im Hof der Räumlichkeiten der JG herrschten dieses Mal winterliche Temperaturen, die das Team um den Stadtjugendpfarrer Lothar König dazu zwangen, das Konzert nach drinnen zu verlegen. Der Raum platzte aus allen Nähten und hielt der Besuchermenge kaum stand. So wurde wieder einmal deutlich, dass die Früchte des Zorns sich bereits seit Langem großer Beliebtheit erfreuen. Dass sie dennoch weiterhin ausschließlich im alternativen Rahmen auftreten und einen allgemeinen Kunstbegriff ablehnen, ist daher umso begrüßenswerter. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands blieben sie seit ihrer Gründung im Jahr 1999 ihren musikalischen Wurzeln treu.

 

Die große Zahl ihrer Fans lässt sich jedoch auch noch damit begründen, dass die poetischen, tiefgründigen Texte von Früchte des Zorns nahezu jeden, der sich für politische, gesellschaftliche und soziale Aspekte interessiert, ansprechen dürften und die Band zudem ihre innersten Emotionen mit den Zuhörern teilt. Dabei geht es nicht nur um die „großen Themen“ der Politik, sondern auch um ganz persönliche Gedanken und Gefühle: „Sag mir, warum macht mich das so ängstlich, wenn mir jemand sagt, dass er mich liebt? Da ist irgendetwas in mir, das glaubt ganz fest, dass es das für mich nicht gibt. Ich hätt‘ so gerne wieder die Kontrolle! Schlag mich mit Worten, tu mir weh, liefer‘ mir tausend gute Gründe, damit ich noch heute von dir geh!“ Die drei Musiker präsentieren sich nicht als solche, sondern in erster Linie als Menschen. Selbst im linken musikalischen Underground ist diese Haltung leider nicht die Regel.

 

Der Auftritt begeisterte wie immer das Publikum, das insbesondere den Anekdoten und philosophischen Überlegungen der Bandmitglieder zustimmte. Themen wie Arbeit, die Gestaltung eines sinnvollen Lebens, Kapitalismus, der Umgang mit den Mitmenschen oder auch das Leben zwischen Widersprüchen wurden besprochen, besungen und in ihrer komplexen Vielfalt dargestellt. Am Ende des Abends gab es die Möglichkeit, sich mit den Musikern zu unterhalten oder auch ihre beiden neuen CDs zu erwerben: „Kaleidoskop“, eine Best Of oder „Poesiealbum“, ein Tribute-Album mit neu interpretierten Songs ihrer 20-jährigen Bandgeschichte. Darauf sind unter anderem Künstler wie Lena Stoehrfaktor, Wonach wir suchen, Guts Pie Earshot oder auch einige Mitglieder des Kollektivs RAK vertreten. Die Alben sind online sowohl zum kostenlosen Download als auch auf Streamingportalen wie Spotify abrufbar.

 

Auch wenn die Zukunft der JG Jena anscheinend ungewiss ist, ist davon auszugehen, dass die kreative Atmosphäre in Jena die Früchte des Zorns irgendwann einmal wieder locken wird. Wer nicht so lange warten will, hat dieses Jahr die Möglichkeit, in vielen weiteren Städten in Deutschland ein Konzert der Band zu besuchen und sich anstecken zu lassen.