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Faire Weihnachten

Toni Mehnert präsentierte T-Shirts auch Buchenholz.
Beim Foodprojekt gab es kostenlose Lebensmittel, die sonst im Müll gelandet wären.
Basteln, statt shoppen waren an vielen Ständen angesagt.

Die Adventszeit besteht für viele nicht nur am "Black Friday" aus einem reinen Kaufrausch. Wie die Produkte, die oft schnell im Müll landen, hergestellt werden, interessiert kaum. Dass es auch anders geht, zeigte der 5. faire Adventsmarkt in der Erfurter Barfüßerkirche.

 

Fast auf den Tag genau vor 75 Jahren wurde die Barfüßerkirche bei einem Luftangriff zerstört. Ihre Ruine steht bis heute symbolisch für  den von Hitlerdeutschland entfesselten 2. Weltkrieg. 

Am 30. November fand an diesem Ort der fünfte faire Adventsmarkt statt. Riesengroß war das Gedränge an den Ständen. Eigentlich ist die Fläche in der Barfüßerruine längst zu klein, bemängeln Organisatoren wie Frank Mittelstädt. Dem bunten Treiben tat das keinerlei Abbruch. Neben einem Kulturprogramm für Klein und Groß konnten an zahlreichen Ständen faire und allem nachhaltige Weihnachtsgeschenke erworben werden. 

 

T-Shirt aus Buchenholz, gefärbt mit schwarzem Tee

 

In der Nähe großer Textilfabriken in China tragen die Flüsse meist schon jetzt die Farbe der nächsten Saison. Wer bei Primark und Co. Klamotten zu Schleuderpreisen erwirbt, macht sich  kaum Gedanken über die Frage, wie sie hergestellt werden. Nicht so Toni Mehnert. Für das Färben seiner T-Shirts, die aus Buchenholz hergestellt werden, wird z.B. schwarzer Tee verwendet. Das macht die Kleidung komplett kompostierbar. In Läden gibt es seine Produkte noch nicht zu kaufen. Interessierte werden auf www.if-urbansports.de fündig. Dort gibt es auch detaillierte Infos über den Herstellungsprozess.

 

Biobratwurst und Thüringer Wildgut

 

Auf der Suche nach etwas für das leibliche Wohl, ist der Erfurter Landmarkt die erste Adresse. Der genossenschaftlich organisierte Bioladen in der Magdeburger Allee hat nicht nur Thüringer Bio-Bratwürste im Angebot, sondern ein riesiges Sortiment veganer Alternativen. Wer auf tierische Produkte verzichten will, findet sogar vegane Mayonnaise und Remoulade. Feinschmeckern sei vor allem der schwarze Knoblauch an Herz gelegt. 

 

Wer zum Fest einen zünftigen Braten nicht missen möchte, sei der „Wildgut“-Wildladen am Forsthaus Willrode empfohlen. Die unter der Marke „Wildgut“ angebotenen Produkte stammen ausschließlich aus den Thüringer Wäldern. So bleibt vom Wald bis zum Verkauf alles in einer Hand.

 

Birnenlikör von Streubostwiesen 

 

Bei gutem Essen darf natürlich etwas Leckeres zu trinken nicht fehlen. Warum nicht ein Bio-Birnenlikör von Thüringer Streuobstwiesen? Bestellbar unter: www.obstnatur.de. Da wird noch jede Birne einzeln und von Hand geputzt. Außerdem hilft das dem Erhalt der Streuobstwiesen, die ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche geschützte Tier- und Pflanzenarten sind. 

 

Kampf gegen Lebensmittelverschwendung

 

Oft wird für die Festtage viel zu viel eingekauft. Anschließend landen zahlreiche durchaus noch genießbare Lebensmittel im Abfall. Das muss nicht sein, finden die Aktiven vom Foodsharing-Projekt. Sie retten Lebensmittel vor der Tonne. Auf dem Adventsmarkt konnte sich jeder kostenlos bedienen. Das Sortiment reichte von Eiskonfekt bis zur Chilischote. In Erfurt gibt es derzeit drei sogenannte Fairteiler: Magdeburger Allee 11, Lassallestraße 50 und Altonaer Straße 25. Dort können nicht mehr benötigte Lebensmittel abgeben werden. Es darf aber auch jeder zugreifen. Mehr darüber und die Öffnungszeiten unter: https://foodsharing.de. 

 

Verpackungsreduzierung 

 

Schon häufiger gab es in Erfurt Versuche, dem etwas gegen den die Müllschwemme zu tun. Projekte wie der Unverpacktladen „Louise genießt“ in der Paulstraße oder das Zero-Waste-Bistro in der Marktstraße konnten sich aber nicht halten. Das „Clärchen“, ein Bioladen in der  Meienbergstraße, praktiziert zumindest eine verpackungsreduzierte Strategie. Direkt daneben befindet sich der „Kein-Müll-Laden“, ein unkommerzielles Fachgeschäft für Müllvermeidung und Wiederverwendung. Manchen ist im Stadtbild vielleicht schon der dazu gehörende „Kein-Müll-Kiosk“ aufgefallen. Auf dem Adventsmarkt konnte man sich dort über Möglichkeiten der Abfallvermeidung sowie über Recycling und Upcycling schlau machen. 

 

Basteln statt shoppen

 

Das gut alte Basteln, nicht nur für Kinder, stand auch an anderen Ständen hoch im Kurs. Holz- statt Airhockey,  Mützen aus Wolle und Papprollen oder Kerzen selber machen am Stand der Fuchsfarm, die Kreativität kannte keine Grenzen.

 

Nachdenken über Kaufentscheidungen 

 

Jenseits des üblichen Konsumterrors von „Black-Fridays“ und „Cyber Mondays“ war der faire Adventsmarkt eine schöne Abwechslung – amüsant, informativ, aber ohne Moralkeule und erhoben Zeigefinger. So gelingt es Menschen zum nachdenken zu bringen und die eine oder andere Kaufentscheidung zumindest zu überdenken. In diesem Sinne: Faire Weihachten. 

 

Thomas Holzmann