Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Ein Klassiker des 20. Jahrhunderts

Peter Hacks (1965 ) Foto: Bundesarchiv, 183-D0213-0049-003/CC-BY-SA 3.0

Spannende Lektüre: Peter Hacks’ „Marxistische Hinsichten“ ist im Eulenspiegel Verlag Berlin erscheinen. Es handelt sich um eine Auswahl politischer Schriften aus dem Jahre 1955 bis 2003, herausgegeben von Heinz Hamm im Auftrag der Peter-Hacks-Gesellschaft. Der Dramatiker starb vor 15 Jahren am 28. August 2003.

 

Von Werner Voigt

 

Vor 15 Jahren hat UNZ zum 75. Geburtstag des Dichters Peter Hacks (1928-2003) gratuliert mit „Ein lebender Klassiker“. Am Goethe-Geburtstag des selben Jahres verstarb Hacks. Seitdem ist viel Neues an Hacks Literatur herausgegeben worden. Jüngstes Buch aus dem Eulenspiegel Verlag Berlin  verhalf mir zu einem Lesevergnügen besonderer Art: „Marxistische Hinsichten.“ Es handelt sich um eine Auswahl politischer Schriften aus dem Jahre 1955 bis 2003, herausgegeben von Heinz Hamm im Auftrag der Peter-Hacks-Gesellschaft. Hamm weist von vornherein auf die fundamentale politische Grundfrage des 20. Jahrhunderts, auf den sich verschärfenden Kampf zwischen den weltweit agierenden Imperialismus und dem Sozialismus/Kommunismus. Man entdeckt: Hacks hat nicht nur die Klassiker des Kommunismus gründlich studiert, sondern auch die abscheulichsten Taten des deutschen Imperialismus am eigenen Leibe erlebt. Das macht ihn zum konsequenten Aufklärer und Kämpfer gegen alle Illusionen in Politik, Kultur und Medien. Er hat 1955, also 27 Jahre alt, endgültig die Nase voll von der Adenauer-Politik, von der Remilitarisierung und dem Neofaschismus dieser westdeutschen Nachkriegsgesellschaft und der heuchlerischen Begründung, den Osten „befreien“ zu wollen. Er weiß als gescheiter Dramatiker, was gespielt wird auf Europas Bühne. Er verlässt München und zieht nach Berlin. Er erobert sich schnell ein begeistertes Publikum unter anderem mit den Stücken „Columbus oder die Eröffnung des indischen Zeitalters“, „Die Schlacht bei Lobositz“ und „Der Müller von Sanssouci“. Schon 1956 erhält er den Lessing-Preis der DDR und wird ein würdiger, herausragender Dramatiker in der Nachfolge von Brecht und Wolf. Witz und sprachliche Brillanz, auch in seiner Lyrik, finden großen Anklang.

Es gab auch harte Auseinandersetzungen, bis ins Politbüro der SED, besonders bei zeitgenössischer Problematik, doch der Dichter hat nie aus den Augen gelassen, was man die große Grundfrage der Gegenwart nannte. Was die Geschichte der Menschheit und ihre Zukunft angeht.

Die etwa 600 Seiten enthalten vieles bisher Unbekannte aus Hacks-Nachlass. Sie geben recht klar ein differenziertes Bild von der Suche nach der ihm eigenen Ästhetik in seinem Schaffen. Das Buch gibt Einblicke in interne und halb öffentliche Diskussionen um den weiteren Weg der DDR in den Jahren nach der Konferenz von Helsinki 1975. Die Krisenjahre der siebziger und achtziger Jahre analysiert Hacks unnachsichtig als häufig illusionär und verhängnisvoll. Er lässt sich nicht einnebeln. In einem Brief nach Paris an eine Dame (1989): „Was mir zu Deutschland einfällt? Ich wundere mich und sage: Goethe und die DDR ...“ und: „Der gesellschaftliche Raum meiner ästhetischen Entwürfe ist die DDR. Als Schriftsteller danke ich der DDR mein Dasein.“ Höchst aufschlussreich sind auch die ca. 200 Seiten Texte von Hacks aus dem Nachlass, die ein Material für eine geplante Dokumentation über die Konterrevolution 1989/90 darstellen.