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Dem Schwur von Buchenwald verpflichtet

Am 14.12.2018 verstarb hochbetagt unser langjähriger Kamerad Ottomar Rothmann. Schon als Kind erfuhr er was Armut bedeutet, er musste als Laufbursche zum Familienunterhalt beitragen. Statt seines Traumberufes – Autoschlosser – musste er aus prekären Erwägungen heraus einen kaufmännischen Beruf erlernen. In seiner Familie wurden die gesellschaftlichen Verhältnisse anders beurteilt als in den damals propagierten Sichtweisen und so war für ihn tätige Solidarität gegenüber Juden und Zwangsarbeitern selbstverständlich.

Als zwei seiner Brüder wegen kommunistischer Umtriebe angeklagt und eingesperrt wurden, steigerte das nur seinen Hass auf die Nazis und er fertigte Handzettel gegen das verbrecherische Hitlerregime an. Am 30. Januar 1943 in Magdeburg verhaftet, kam er nach Verhören, die nicht seine Schuld bewiesen, allein auf Grund seiner familieären und rassischen Herkunft als 21-Jähriger in das Konzentrationslager Buchenwald. Im Block 17 kam er unter die Obhut des Blockältesten Otto Storch, der ihn in seiner Auffassung gegenüber dem Naziregime nur bestärkte. Durch seine klare Haltung und Zuverlässigkeit erwarb er sich das Vertrauen seiner Mithäftlinge, so dass ihn das Illegale Lagerkomitee in den Rettungsplan für gefährdete Lagerfunktionäre einbezog.

 

Gemeinsam mit etwa 21.000 Überlebenden leistete er am 19. April 1945 den Schwur von Buchenwald, der zur Maxime seines Lebens werden sollte. Getreu dem Schwur von Buchenwald: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel“, stellte er sich verschiedenen Aufgaben: So ab Juli 1945 dem Aufbau einer neuen Polizeibehörde in der Stadt Weimar, die frei von Nazis die neu entstehende antifaschistisch-demokratische Ordnung zu schützen vermochte oder ab 1. Oktober 1946 als persönlicher Referent von Ministerialdirektor Dr. Wiese im thüringischen Ministerium für Land- und Forstwirtschaft, als Direktor der Deutschen Handelszentrale in Erfurt und ab September 1960 als Vorstandsmitglied des Konsumbezirksverbandes Erfurt.

 

Ab 15. November 1974 nahm der ehemalige Buchenwaldhäftling als Leiter der pädagogischen Abteilung und stellvertretender Direktor der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte auf dem Ettersberg seine Tätigkeit auf. Gemeinsam mit dem Antifaschisten Rolf Barthel entwickelte er eine neue antifaschistische Gedenkkultur, die noch heute in ihren Grundprinzipien praktiziert wird. Menschen aus dem In- und Ausland vermittelte er eindrucksvoll die Grausamkeiten des Lageralltags und das menschenverachtende System des Nationalsozialismus.

 

Auch weit über das Pensionsalter hinaus war er insbesondere für Jugendliche ein kompetenter und interessanter Zeitzeuge und Gesprächspartner.  Kamerad Ottomar Rothmann hat als sowohl Gründungsmitglied der VVN 1945 als auch des Interessenverbandes VdN 1990 sowie als langjähriger Vorsitzender der Sozialkommission des Landesvorstandes des TVVdN–BdA bleibende Verdienste um unseren Verband erworben. Die Stadt Weimar hat Ottomar Rothmann als einen Vertreter des deutschen antifaschistischen Widerstandes zum Ehrenbürger erklärt. Wir verneigen uns tief vor seiner Lebensleistung und werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

 

Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten

Landesvorstand und Basisgruppe Weimar-Apolda