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Bis zum 18. März umsonst gearbeitet

Was sich wie ein reißerischer Spruch anhört, entspricht – leider – der Wahrheit: Bis zum 18. März, dem offiziellen Equal Pay Day in Deutschland, arbeiteten die Frauen hierzulande praktisch umsonst. Dieser Berechnung liegt die sogenannte Gender Pay Gap zugrunde, also die Differenz zwischen dem durchschnittlichen Stundenlohn von Männern zu demjenigen von Frauen bei gleicher Arbeit.

 

 

Von Christine Schirmer

 

Der Equal Pay Day, kurz EPD genannt, wurde bereits 1966 in den USA ins Leben gerufen, um auf die Problematik aufmerksam zu machen, mittlerweile finden alljährlich in 23 europäischen Ländern Aktionen und Veranstaltungen rund um den EPD statt. Das Thema ist sowohl in der Politik als auch in den Medien sehr präsent, dennoch werden nur selten Lösungswege aufgezeigt oder Vorschläge für Veränderungen unterbreitet. So eignet sich der EPD, um auf zwar etwas plakative, aber dafür umso eindrücklichere Art und Weise zu verdeutlichen, wie sich dieses Problem im Alltag auswirkt.

 

Seit 2008 findet der EPD in Deutschland offiziell an dem Tag statt, bis zu welchem Frauen statistisch betrachtet umsonst arbeiten. Die Ziele der Aktionen betreffen insbesondere die Information der Gesellschaft über das Thema, aber auch die Mobilisierung von Aktionspartnern und die Umsetzung des Planes der Bundesregierung, die Lohnunterschiede langfristig zu senken. Überall gab es am 18. März Aktionen, die zum Teil bundesweit Aufmerksamkeit erregten, beispielsweise das „Frauenticket“ der Berliner Verkehrsbetriebe: Frauen bezahlten an jenem Tag 21 Prozent weniger als sonst für ein Ticket ihrer Wahl. 

 

Die Demonstration in Erfurt fand jedoch leider nicht sehr viel Anklang, was möglicherweise an der nachmittäglichen Uhrzeit oder aber auch daran lag, dass sie im Vorfeld kaum beworben wurde. Das Frauen Zentrum Erfurt (FZE) veranstaltete einen „Frauenpolitischen Rundgang“ durch die Stadt, der am Fischmarkt endete. Dort wurden die Passanten über die Problematik aufgeklärt und es kam zu zahlreichen informativen Gesprächen. Die sehr vielfältige Arbeit des FZE bezieht sich jedoch nicht nur auf die Gender Pay Gap, sondern auch auf zahlreiche andere Bereiche. So werden beispielsweise Frauenkurse zu verschiedenen Themen angeboten, aber auch Interkulturalität ist eine wesentliche Komponente.

 

Kritiker des EPD suchen die Schuld für die Einkommenslücke weniger im System oder in den allgegenwärtigen Machtverhältnissen als vielmehr in der Überlegung, dass Frauen häufiger wenig lukrative Berufe wählen würden, in Teilzeit arbeiten oder aufgrund ihrer zeitgleichen Mutterschaft weniger Überstunden machen. Solange selbst Frauen diese Ansicht vertreten, liegt eine Anpassung der Löhne vermutlich in weiter Ferne.