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Aus Holz wurde Kunst

Holzkunstwerke für jedermensch statt abgehobener Objekte für die bourgeoise Galerien.

Ein kleines, aber umso feineres Festival gab es Ende Juni und Anfang Juli in Erfurt zu sehen. Die Aktiven des Vereins pro forma um Robert Kolbe hatten bereits im letzten Jahr das frühere Kunstrasengelände auf dem Gebiet einer ehemaligen Berufsschule wiederbelebt. Die mit Axt und Kettensäge vor Ort kreierten Holzkunstwerke sind echte Kunst für jedermensch und keine abgehobenen Objekte für die bourgeoisen Galerien der Reichen und Superreichen.

Ein kleines, aber umso feineres Festival gab es Ende Juni und Anfang Juli in Erfurt zu sehen. Die Aktiven des Vereins pro forma um den Holzbildhauer und Handwerksmeister Robert Kolbe hatten bereits im letzten Jahr das frühere Kunstrasengelände (2010 bis 2015) auf dem Gebiet einer ehemaligen Berufsschule wiederbelebt. Wobei das Holzschnitt-Symposium auch schon Teil des Kunstrasens war. Die mit Axt und Kettensäge vor Ort kreierten Holzkunstwerke sind echte Kunst für jedermensch und keine abgehobenen Objekte für die bourgeoisen Galerien der Reichen und Superreichen. Und mitmachen konnte jeder, der Lust hatte. Wie schon beim Kunstrasen können Ambiente und Atmosphäre voll und ganz überzeugen. Über die insgesamt vier Veranstaltungstage gaben sich verschiedene Bands unterschiedlichs-ter Couleur die Klinke in die Hand. Jetzt müssen sich die Aktiven allerdings erst einmal erholen. Denn solche Projekte erfordern nicht nur kräfteraubendes ehrenamtliches Engagement, sondern auch jede Menge Herzblut. Menschen, die solche Projekte wagen, werden zu oft von der Stadtverwaltung Steine in den Weg gelegt und natürlich geht es auch hier nicht ohne Geld. Schließlich sollen Künstler nicht nur für ein Butterbrot auftreten müssen. Nur, weil Fördergelder, z. B. von der Sparkasse fließen, heißt das aber nicht zwangsläufig, sich den kommerziellen Interessen von Firmen mit PR-Hochglanzauftritten hingeben zu müssen, wie dies andere offensichtlich tun. 

 

Kultur und Geschäftsinteressen

 

Gentrifizierung ist einer von vielen Begriffen mit denen die herrschenden Herrschaften um sich werfen. Ähnlich wie bei anderen Wortneuschöpfungen, zum Beispiel Austerität oder Industrie 4.0, wissen die meisten aber gar nicht, worum es überhaupt geht. In praktisch allen größeren Städten auf der Welt findet der Prozess der Gentrifizierung statt. 

Auch um Erfurt, Jena oder Weimar macht er keinen Bogen. Wie auch in Berlin oder Hamburg ist es ausgerechnet die Kultur- und Sozio-Kultur-Szene, die dieser Entwicklung einen oft ungewollten, bedauerlichen Vorschub leistet. So wichtig eine aktive Kulturszene und kulturelle Vielfalt für die Lebensqualität einer Stadt auch sind, gilt es doch, sich kritisch mit den Auswirkungen auf die Stadtentwicklung auseinanderzusetzen. Wobei man zwischen Akteuren wie dem Alternativen Jugendzentrum, der „Frau Korte“ im Nordbahnhof oder dem WIR-Garten sehr wohl unterscheiden muss. 

Vor allem beim WIR-Garten, der im Jahre 2016 auf einer Erfurter Brachfläche seine Pforten öffnete, kann von Sozio-Kultur keine Rede mehr sein. Ganz im Gegenteil. Ronny Lessau, einer der treibenden Kräfte des Vereins Kulturkessel, der hinter dem Projekt steht, ist rein zufällig der Freund der Tochter der Geschäftsführerin „der Baugesellschaft an der Wachsenburg mbh“, Carola Busse. Die Wachsenburg GmbH wird auf dem Gelände des WIR-Gartens einen 31-geschossigen Luxuswohnturm bauen. Das überaus positive Image des WIR-Gartens wird dabei radikal für die eigenen Profitinteressen ausgenutzt und das Wohnprojekt kurzerhand WIR-Quartier. 

Carola Busse redet zwar gern von Durchmischung, an Sozialwohnungen denkt sie dabei aber keineswegs. Mittlerweile streckt die Wachsenburg Baugruppe ihre Tentakel auch noch Arnstadt aus und schickt auch hier wieder Kulturakteure vor. So wurde im Nachgang der kommerziellen Fête de la Musique ein Zugkonzert nach Arnstadt organisiert, wo an-schließend auf der nächsten Baufläche eine große Party stattfand. Aber auch Erfurt wird nicht vernachlässigt. Ronny Lessau und der PR-Chef der Wachsenburg Baugruppe, Kai Oppel, haben unlängst in der Nordhäuser Straße eine „Kulturtankstelle“ eröffnet. „Ein Raum, 6 Künstler, 30 Tage: Pop-Up-Galerie“, lautet das Motto. Das klingt durchaus interessant, nur leider stellt sich auch hier die Frage: Welche Geschäftsinteressen die Wachsenburg Baugruppe wohl dieses Mal verfolgt?

th