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40 Jahre in den Wogen des Zeitgeschehens

ALICE END MEDIADESIGN

Ulf Annel, Andreas Pflug, Björn Sauer, Julia Maronde, Beatrice Thron und Dominic Wand feierten 40 Jahre Arche-Kabarett mit der Nerly Big Band im Schauspielhaus.

Eine Frage kann Ulf Annel, Urgestein des Erfurter Kabaretts, nicht mehr hören: die nach der DDR. Schließlich existiert „die Arche“ bereits seit 40 Jahren und schippert somit die meiste Zeit in der BRD durch die Wogen des Zeitgeschehens. 

Trotzdem durften in der langen Nacht des Kabaretts auch die Super-8-Filme vom „Oberhauptdarsteller“ Andreas Pflug über die legendären Aufritte an der Trasse in der Sowjetunion ebensowenig fehlen wie die Neueröffnungsrede „einer dicken Frau in Lila“. Gemeint war natürlich die einstige. SED-Oberbürgermeisterin Rosemarie Seibert. 

In den 40 Jahren hat sich viel verändert. Manche sind von uns gegangen, andere ihren ganz eigenen Weg – beispielsweise zu den „Mitbewerbern“ ins „Lachgeschoss“. Da sind Darsteller wie Beatrice Thron, Andreas Pflug oder die lebende Puffbohnenlegende Ulf Annel schon fast Konstanten. 

Politiker-Bashing ist auf die Dauer zu einfach und deshalb versuchen die Künstlerinnen und Künstler neben den Mächtigen auch stets die einfachen Menschen zu persiflieren. Vielfalt ist überhaupt Trumpf. Vom Tucholsky-Abend über Ringelnatz bis zu Loriot und Heinz Erhardt erstrecken sich die Programme im Waidspeicher. Schade, dass der MDR davon nie so richtig Notiz nimmt. Im TV gab es nur einmal, 1991, einen stark gekürzten Auszug aus einem Programm zu sehen. 

Mag der Fokus oft auf den Alltagsstationen liegen, kommt auch die regionale Politik nicht zur kurz. Daran erinnert in der Jubiläumsnacht der Aufritt eines Immobilienhais, der aus der Arche Luxuswohnungen mit Tiefgarage, Schwimmbad und Domblick machen will. Treffender kann man den Mietenwahnsinn in Erfurt kaum auf den Punkt bringen. 

Anders als bei den bundesweit bekannten Kabarett-Größen wird in der Arche das gesprochene Wort stets musikalisch untermalt. Unterhaltsam und trotzdem gesellschaftskritisch ist es, wenn sich Beatrice Thron im Lederoutfit mit ihrem SUV auf dem „Highway to Hell“ befindet. Zum Abschluss des Jubiläumswochenendes wirkte diese Darbietung besonders eindrucksvoll. Erstmals trat das Arche-Ensemble im Erfurter Schauspielhaus gemeinsam mit der Nerly Big Band auf. 

Das wollte sich auch Bodo Ramelow nicht entgehen lassen. Der Ministerpräsident betonte, dass er sich gerne von Ulf Annel durch den Kakao ziehen lasse. Die Staatskanzlei und die LINKE Fraktion im Thüringer Landtag unterstützten den Abend wie auch zahlreiche andere Sponsoren. Gut so, denn Erfurt braucht unbedingt ein solches Kabarett als Bereicherung seiner Kulturszene. 

Da kann man nur hoffen, dass Ulf Annels Wunsch, man müsse ihn mit den Füßen voraus aus der Arche tragen, Wirklichkeit wird. Und vor allem, dass das mindestens noch 40 Jahre dauert. Bereits am 5. Oktober wird das neueste Programm „Seid NETZ zu einander“ Premiere feiern. Bis Ende des Jahres sind noch weitere Höhepunkte in der Planung. Den Spielplan gibt es unter: www.kabarett-diearche.de

Thomas Holzmann