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100 Jahre Frauenwahlrecht – ein ausbaufähiger Erfolg

Am 12. November 1918, vor genau 100 Jahren, wurde mit der Proklamation einer großen Wahlrechtsreform auch das Wahlrecht für Frauen ermöglicht. Erstmalig konnten sie als Wählerinnen und Gewählte von ihrem Stimmrecht zur verfassungsgebenden Nationalversammlung am 19.1.1919 Gebrauch machen. Heute ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Frauenstimmen zählen.

 

 

 

 

Von Gudrun Lukin und Torsten Wolf

 

Nicht selbstverständlich ist jedoch nach wie vor ihre Repräsentanz in Wahlfunktionen, auch nicht in Jena. Seit 1929 gab es keinen weiblichen Oberbürgermeister in unserer Stadt, auch deshalb, weil kaum Parteien – eine Ausnahme war die PDS/DIE LINKE ­–  eine Frau kandidieren ließen. Selbst Dezernentinnen gab es bislang nur im einstelligen Bereich. Ein Zufall?

 

Zur Wahl der neuen Beigeordneten schlug wiederum nur die Fraktion DIE LINKE im Stadtrat 2 kompetente Frauen vor, die ehemalige Bürgermeisterin von Kahla, Claudia Nissen, und die Landtagsabgeordnete und Stadträtin Katharina König. Ergebnisse: erneut 3 Männer. Auch im Stadtrat ist das Verhältnis Frau/Mann verbesserungsbedürftig: 15 Frauen zu 32 Männern.  Die FDP hat keine weibliche Stadträtin.

 

Bei den Grünen ist das Verhältnis Frauen/Männer 1:4, bei der SPD 2:8, CDU 4:7, Bürger für Jena 1:4, LINKE 6:5, Fraktionslose 1:1, FDP 0:3. Aber auch für die Landes- und Bundespolitik gab es nur wenige Kandidatinnen. Zur letzten Bundestagswahl trat im Wahlkreis 191 nur eine Frau an, die Bürgerkandidatin Marion Schneider. Für den Landtag 2014 standen als Direktkandidaten in den beiden Jenaer Wahlkreisen nur 3 Frauen, jedoch 10 Männer auf dem Wahlzettel.

 

Deshalb wäre es gut, noch mehr als bisher Frauen für Kommunal-, Landes- und Bundespolitik zu gewinnen. Dafür sollten wir alle werben, aber auch die Möglichkeiten dafür schaffen. Das fängt mit interessanten Projekten, familienfreundlichen Arbeits- und Sitzungszeiten, der Bereitschaft, Frauen mehr Verantwortung zu übertragen und Unterstützung an und hört auch bei Lohngerechtigkeit nicht auf.

Damit könnten wir diesen Tag zum Anlass nehmen, noch etwas mehr als bisher zu tun.