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Es lohnt sich, zu kämpfen

Jacqueline Althaus hat an der Celenus Klinik in Bad Langesalza lange, aber erfolgreich für einen Tarifvertrag gekämpft. Jetzt fühlt sie sich fit, um für DIE LINKE bei der Stadtratswahl in Mühlhausen am 26. Mai zu kandidieren.

Es war ein Paradebeispiel für „Union Busting“, für das systematische Vorgehen gegen Gewerkschaftsrechte: Das Unternehmen Celenus hat Carmen L. und Heike S. – Mitglieder der ver.di-Tarifkommission an der Klinik an der Salza in Bad Langensalza in Thüringen – fristlos gekündigt, weil sie Informationsmaterial zum Streik verteilt haben sollen. Nach einem Gerichtsurteil mussten sie wieder eingestellt werden. 

202 Tage streikten die Beschäftigten der Reha-Klinik für höhere Löhne. Doch, statt zu verhandeln, setzte der Arbeitgeber auf Einschüchterung. Sogar auf Aussperrungen, ein Mittel aus der reaktionären Mottenkiste, wurde zurückgegriffen. Die Celenus Klinik ist Teil des Krankenhauskonzerns Celenus SE, der der Orpea-Gruppe       gehört, einem internationalen Gesundheitskonzern mit über 800 Einrichtungen in zehn europäischen Ländern sowie in China und Brasilien.

Doch von der Macht des Konzerns ließen sich Menschen wie Jaqueline Althaus nicht einschüchtern und boten Celenus mutig die Stirn – mit Erfolg. Nach langem Kampf und viel Solidarität kam im April  eine Tarifvereinbarung zu Stande.

 

 

 

Frau Althaus, sie haben einen langen, aber erfolgreichen Arbeitskampf an der Celenus Klinik in Bad Langensalza hinter sich. Wie haben sie es geschafft, sich trotz vieler Widerstände immer wieder für diesen Kampf zu motivieren?

 

Mit dem Glauben an die Gerechtigkeit. Gerechte Löhne und gerechte   Arbeitsbedingungen müssen im Gesundheitswesen möglich sein. Deswegen habe ich niemals aufgegeben. 30 Jahre nach der Wende sind wir im Osten mit dem Lohnniveau immer noch so weit zurück. Das kann doch nicht sein! Dass es praktisch im gesamten Gesundheitswesen keine gerechten Löhne gibt, ist doch ein Skandal!

 

Welche Rückschläge hat es in dem langen Arbeitskampf gegeben?

 

Wir mussten schon viel einstecken. Die Kündigung von zwei Kolleginnen, die Flugblätter verteilt hatten, waren da sicherlich der absolute Tiefstschlag. Insgesamt hatten wir zwölf Aussperrungen. Das gab es in der Bundesrepublik seit 1988 nicht mehr. Durch meine Aussperrung ging es dann auch ans eigene Portmonee.

 

Welche Solidarität haben sie während des Arbeitskampfes erlebt?

 

Der Mensch ist bunt in seinem Charakter und seinem Empfinden. Wir haben sehr viel Solidarität erlebt, von Patienten, in der ganzen Umgebung und sogar international. Das war sehr wohltuend. Ohne diese Solidarität hätten wir es nicht schaffen können. Es gab natürlich auch ein paar, die Angst um ihren Arbeitsplatz hatten oder auch Patienten, die vor allem auf ihre eigene Kur geschaut haben. Das kann man natürlich verstehen. Dadurch haben sich allerdings die Fronten zum Teil immer weiter verhärtet. Deswegen ist es gar nicht gut, wenn solche Arbeitskämpfe über einen so extrem langen Zeitraum dauern. 

 

Welche Rolle spielten die Gewerkschaften und die Parteien?

 

Da gab es sehr große Unterstützung. Wir hatten immer wieder auch Ministerinnen und Minister der Landesregierung vor Ort, die sich mit uns solidarisiert haben. Wir waren im Kreistag, im Landtag und durften dort unsere Probleme vortragen. Auch dort wurde stets die Solidarität bekräftigt. Das war mehr als wir erwartet haben. Aber ohne das hätten wir den Kampf vielleicht gar nicht durchgehalten.  Manchmal zweifelt man ja auch an sich selbst und fragt sich: Warum tust du dir das eigentlich an? Aber dann hilft einem die Solidarität und man sagt sich: Eine faire Entlohnung muss doch eigentlich selbstverständlich sein. 

 

Seit längerem spricht man in ganz Deutschland von einem Pflegenotstand. Können sie anderen etwas empfehlen, wie sie am Besten in solche Arbeitskämpfe gehen können?

 

Es ist schwierig, das einfach auf andere Häuser zu übertragen. Ich kann allen nur raten, an diesem Thema dran zu bleiben. Es lohnt sich auf jeden Fall, zu kämpfen. Je mehr bereit sind zu kämpfen, umso eher wird es eine Selbstverständlichkeit, das gerechte Löhne für alle gezahlt werden. Gerade unsere Region ist da noch zu bescheiden. Das müssen wir ändern. Den Mut zusammen nehmen und die Ängste beiseite schieben, auch wenn es mal schlimmer kommt als man denkt.  Ja wir haben einen Pflegenotstand, weil kaum noch jemand in der Gesundheitsbranche arbeiten will. Kaum jemand möchte noch eine Ausbildung in einem medizinischen Beruf machen,  weil sie wissen, dass es schlecht bezahlt wird und die Arbeitsverdichtung viel zu groß ist. Die Arbeitgeber müssen doch selbst irgendwann erkennen, dass sie die Leute gut bezahlen müssen, um eine gute Pflege für die Patientinnen und Patienten garantieren zu können. Auch eine Absenkung der Arbeitszeit auf maximal 30 Stunden pro Woche wäre ein wichtiger Schritt. Im Moment glauben die Arbeitgeber noch, sie können auf Mindestlohnbasis agieren. Aber ich glaube, der Tag wird kommen, an dem auch sie begreifen, dass es so nicht weitergehen wird. Ich werde mich jedenfalls damit nicht abfinden. 

 

Steht ihre Kandidatur für den Mühlhäuser Stadtrat auch im Kontext des Arbeitskampfes?

 

Man wächst mit seinen Aufgaben. Nachdem der Arbeitskampf beigelegt wurde habe ich mir gesagt, das kann doch nicht alles gewesen sein. Wenn keiner kämpft, dann hat man schon verloren. Ich denke, gerade durch den Arbeitskampf, bin ich jetzt reif genug auch andere Dinge für meine Stadt, meine Region in dem neuen Stadtrat durchzusetzen. Vorher hätte ich mir eine solche Kandidatur sicher nicht zugetraut. Gerade in der Kommunalpolitik ist es oft nicht leicht, sich mit den vielen unterschiedlichen Positionen auseinanderzusetzen und zu sinnvollen Kompromissen zu kommen.

 

Gibt es derzeit noch wesentliche Punkte die für die Arbeitsplätze dringend verbessert werden müssten?

 

Ich wünsche mir, dass die verhärteten Fronten sich wieder versöhnlich gegenüberstehen, dass das Feindselige beendet wird und wir wieder gut miteinander zusammenarbeiten. Ich möchte, dass wir den jeweils anderen in seiner Position wertschätzen. Oder ganz einfach gesagt: nicht nachtragend sein.                                          

th