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„Wir kämpfen nicht für Blumen“

Klatschen, Schreien, Pfeifen – mit dieser ohrenbetäubenden Melange demonstrierten am 8. März 500 Menschen anlässlich des Frauenkampftages in Erfurt. In diesem Jahr machten die Demonstrierenden unter dem Motto „We dont´t fight for Flowers“ auf die fortbestehende Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufmerksam. Im Zentrum der Kundgebungen stand vor allem der Diskurs um die Paragraphen 218 und 219a des Strafgesetzbuches

 

Deren Abschaffung wurde nachdrücklich mit Parolen wie „Abtreibung ist Frauenrecht“ und „Kein Gott, kein Staat, kein Vaterland! Abtreibung in Frauenhand“ gefordert.

Die Debatte um die umstrittenen Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch fanden im Februar diesen Jahres ihren Höhepunkt, als der Bundestag dem Koalitionskompromiss zum sogenannten Werbeverbot für Abtreibungen zustimmte. Damit dürfen Ärzte, Krankenhäuser und weitere Einrichtungen – etwa im Internet – angeben, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornehmen. Für weitere Informationen müssen sie allerdings auch künftig auf offizielle Stellen verweisen.

Kritiker*innen sehen in der Entscheidung weder Verbesserung noch Fortschritt und plädieren weiterhin für die Abschaffung des Paragraphen 219. Zudem steht auch die ersatzlose Streichung des Paragraphen 218 StGB, also der Rechtswidrigkeit des Schwangerschaftsabbruchs, zur Debatte. Neben der Forderung nach mehr Selbstbestimmung lag der Focus auf prekären Arbeitsbedingungen von Frauen, medial aufgebauschten Sexismus und stereotypen Rollendenken. Den Höhepunkt der Demonstration markierte der „global scream“, ein 100 Sekunden langer Aufschrei aller Beteiligten.

Im Vorfeld der Demonstration fand um 13:00 Uhr am Anger bereits der Frauenstreik statt. Da der politische Streik, also das Niederlegen der Arbeit, um politische Forderungen zu stellen verboten ist, richtete sich der Aufruf in Erfurt allerdings nicht an Frauen in der Erwerbsarbeit, sondern an jene, die unbezahlte Sorgearbeiten verrichten, wie Hausarbeiten, Erziehung oder private Pflege. Der Streik war Teil einer bundesweiten Aktion. In anderen großen Städten streikten die Frauen ebenfalls. So etwa in Berlin, wo der Internationale Frauentag auch erstmals zum gesetzlichen Feiertag ernannt wurde.

Vorbild der Aktion war der Frauenstreik in Spanien , der im vergangenen Jahr mehrere Millionen Frauen auf die Straße brachte. Auch in Deutschland war der Frauenstreik schon einmal populär: 1994 versammelten sich bundesweit Frauen, um mit Slogans wie „Nicht arbeiten, nicht einkaufen, nicht höflich lächeln“, ihre eigene Form der Verweigerung kund zu tun.

 

Judith Huber