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Thüringen klagt gegen die Monstertrassen

Foto: Gerd Anacker

Zu Beginn des Jahres sieht es so aus, als würden sich wieder mehr Menschen um die wirklich brennenden Fragen kümmern. Klimakatastrophe, Insektensterben, der endlose Strom des Plastikmülls und die Energiewende sind riesige Herausforderungen, die dringend Antworten bedürfen. Dabei ist aber nicht allein die Politik auf allen Ebenen gefordert, sondern auch jeder einzelne Mensch. 

 

Proteste gegen die Monsterstromtrassen „SuedLink“ und „SuedostLink“ gibt es in Thüringen schon länger. Durch die von Ministerin Birgit Keller angekündigte Klage gegen  „SuedLink“, könnte das den wachsenden überregionalen Bürgerinitiativen gegen die Trassen weiteren Auftrieb geben. Der Trassenirrsinn ist nicht der einzige Umstand, der die Menschen zum zivilgesellschaftlichen Widerstand treibt. Die Demo „Wir haben es satt“ in Berlin, gehört seit einigen Jahren während der „Grünen Woche“ zum festen Terminkalender der wieder erstarkenden Umweltbewegung. Noch relativ neu als Protestform sind die Klimastreiks bzw. „#FridaysforFuture“. Manch älterer Mensch tut sich zwar mit Anglizismen verständlicherweise schwer, aber eine globale Bewegung braucht eine gemeinsame Sprache. Die Schwedin Greta Thunberg, eine 15-jährige Schülerin, hatte als erste die Initiative ergriffen.  Bereits im letzten Sommer initiierte sie den „Schulstreik für das Klima“. Sie reiste zur Klimakonferenz und trug  ihr Anliegen beim Weltwirtschaftsforum in Davos vor. Seit dem hat sich eine globale Bewegung formiert, die in Thüringen angekommen ist.

 

Am 18. Januar gab es auch in Erfurt und Jena Schulstreiks. „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut“, hallte es es lautstark über den Erfurter Anger. 

 

„Generell habe ich das Gefühl, dass gerade die Themen Klima- und Umweltschutz den Gedanken an Solidarität in den Menschen wecken, dass man gemeinsam etwas tun muss“, schätzt Patrick Beier ein, der sich im Bündnis gegen die Monstertrassen in Südthüringen engagiert. (siehe Interview). Durch die vom Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft initiierte Klage gegen den „SuedLink“ sieht er die Bündnisse noch weiter im Aufwind. 

 

„Da die Bundesnetzagentur unsere rechtlich und fachlich fundierten Argumente nicht berüchtigt, bleibt uns keine Wahl, als die Angelegenheit vor Gericht zu klären“,  sagte die Thüringer Ministerin für Infrastruktur und Landwirtschaft, Birgit Keller. Gleichzeitig kämpft die LINKS-Politikerin gegen das Landgrabbing, bei dem Grund und Boden  in Thüringen immer mehr zum Spekulationsobjekt wird.  

 

Ob Prostete gegen die Trassen oder Klimastreiks, es darf jetzt nicht locker gelassen werden, bis sich tatsächlich etwas verändert. Das ist leichter gesagt als getan, aber keineswegs aussichtslos. Schließlich haben zuletzt die Gelbwesten in Frankreich, wenn auch in einem anderen Kontext, gezeigt, dass zivilgesellschaftlicher Protest erfolgreich sein kann. Diese Erkenntnis scheint gerade bei der jungen Generation angekommen zu sein. Von Drohungen konservativer Politiker oder rückwärtsgewandter Schulleitungen lassen  sie sich offenbar nicht einschüchtern. Es geht schließlich um ihre und unser aller Zukunft. Was sind daran gemessen zwei Stunden Unterrichtsausfall? Oder wie es der Erfurter Schulleiter Falko Stolp auf den Punkt bringt:  „Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir“. 

 

Der nächste dezentrale Klimastreik ist für den 8.2., 11:00 Uhr, geplant.

Infos unter: