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Kann das weg?

Sind Wahlplakate noch zeitgemäß? Findet heute alles digital statt oder brauchen gerade die Parteien das gedruckte Plakat an jedem freien Pfahl? Eine Debatte über Ressourcen, Demokratie und Medien.

 

 

Pro

200 Plakate pro Wahlkreis und Partei reichen 

Von Johannes Häfke

Dass das Wahlplakat aus den Wahlkämpfen nicht völlig verschwinden wird, ist klar. Wir brauchen es, um Bürger*innen auf die einfachste Weise anzusprechen, die es gibt. Das Wahlplakat kennt keine Hemmnisse und spricht jede*n an, die/der angesprochen sein möchte. In den vergangenen Wahlkämpfen, insbesondere beim Landtagswahlkampf 2019, haben es die Parteien aber dann doch ein wenig übertrieben. An den Laternenmasten des Freistaates stapelten sich die politischen Konkurrenzaussagen so übereinander, dass nicht nur viele Wahlkämpfer*innen ungläubig mit dem Kopf schüttelten. Auch viele Bürger*innen fühlten sich von der Plakatflut gestört. Das äußerte sich bei Gesprächen an Infoständen und auch in den sozialen Medien. Wer glaubt, dass viel auch viel helfe, irrt sich. Es führt zu Verdruss, nicht nur bei den Menschen, die uns wählen sollen, sondern auch bei denen, die losfahren, um hunderte und tausende Plakate an Masten zu binden, sie in Stand zu halten und nach ein paar Wochen wieder einzusammeln. Lassen wir also auch in Wahlkampfzeiten die Vernunft walten und uns in den Gemeinden dafür einsetzen, dass alle Parteien und Wähler*innenbündnisse eine Maximalzahl an Plakaten aufhängen dürfen. Über die Zahl können und sollten wir diskutieren. Aber im Jahr 2020, in der aktuellen politischen Situation, mit allen Herausforderungen in allen gesellschaftlichen Schichten, einfach so weiterzumachen wie bisher, kann unserem Anspruch an den sozial-ökologischen Umbau nicht gerecht werden. Dafür können wir freilich nicht in Gänze auf Plakate verzichten. Aber die Dosis macht das Gift, und so sollten wir doch wenigstens in kleinem Maße auf den Klimawandel, die Zerstörung der Umwelt und die sinnlose Verschwendung natürlicher Ressourcen reagieren. So kann jede*r  dazu beitragen, Anträge an Kreis- und Stadtverbände zu stellen, Ratsfraktionen aufzufordern, mit allen demokratischen Parteien für eine Einschränkung der Plakatierung zu kämpfen. Ich werde das tun. Ich glaube, dass 200 Plakate pro Partei und Landtagswahlkreis reichen müssen. Das führt aus meiner Sicht auch dazu, dass genau abgewogen wird, wo ein Plakat gehängt wird. Mit Sicherheit nicht nach der Maxime des vergangenen Wahlkampfes: „Hängt Plakate, wo noch Platz ist.“ 

 

Kontra

Plakate sind das demokratischste Werbemittel

von Steffen Dittes 

 

Die Plakatierung zu Wahlkämpfen ist für Parteien immer eine große Herausforderung. Sie benötigt das Engagement und die Tatkraft vieler Genoss_innen. Wenn insbesondere in den Städten an den Laternenpfählen ein parteipolitisches Wirrwarr präsentiert wird, hinterfragen unsere Mitglieder zunehmend auch Sinnhaftigkeit und Verhältnismäßigkeit der vielen Plakate. Auch die ökologische Dimension spielt dabei eine Rolle. Plakate sind das Aushängeschild unsere Partei und prägen unser Image: Als Erstes über die vielfätige Inhalte, aber auch wenn mit nur einem Plakat in einem kleinen Dorf um jede einzelne Stimme werben. Oft wird vergessen, dass das Plakat das demokratischste unter den Wahlkampfmitteln ist. Es braucht keinen Fernseher, auch kein Handy oder Computer, wie für TV-Spot oder für die Werbung im Internet und den sozialen Medien. Es braucht nicht die Bereitschaft, sich als erstes auf den langen Text eines Wahlprogramms einzulassen. Es existiert auch keine Hürde, die es zu überwinden gilt, wenn wir an einem Infostand stehen. Die Kommunikation und Information findet über das Wahlplakat zu jeder Zeit überall im öffentlichen Raum statt. Alle können dabei frei entscheiden, ob sie dieses zunächst einseitige Kommunikationsangebot lediglich wahr- und aufnehmen und anschließend mit uns als Partei in die Diskussion kommen wollen. Ich werbe für das Plakat und dafür, es als demokratischste Form des Werbemittels zu verstehen. Die ökologischen Fragen, die in der Debatte deutlich werden, müssen wir beim Wahlkampf natürlich trotzdem beachten. Zur Landtagswahl 2019 haben wir in Thüringen als Landesverband bereits bei den Werbemitteln auf Nachhaltigkeit geachtet, bewusst auf Plastik verzichtet und wir werden dies im kommenden Wahljahr wiederum beachten. DIE LINKE redet nicht nur über Klima- und Umweltschutz, sie lässt sich bei ihren Entscheidungen auch davon leiten.