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It's about bloody time

Schottland führt als erstes Land der Welt kostenlose Menstruationsprodukte in öffentlichen Gebäuden ein. Stefanie Horlitz, Mitarbeiterin im offenen Jugendbüro RedRoXX, will zivilgesellschaftlichen Druck aufbauen, um auf eine Umsetzung des schottischen Vorbilds auch in Deutschland und weltweit hinzuwirken.

 

Auch 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts sind Benachteiligungen aufgrund des Geschlechts eine alltägliche Erfahrung. Als erstes Land der Welt hat Schottland im November 2020 einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der einen kleinen, aber dennoch wichtigen Schritt in Richtung Gleichberechtigung gehen wird. Viele Frauen können sich Hygieneartikel kaum oder gar nicht leisten und sind damit neben ihrer prekären Lebenssituation auch sozialem Druck ausgesetzt. Schottland stellt sich der Periodenarmut und führt kostenlose Hygieneprodukte  in öffentlichen Gebäuden ein.

In Deutschland galten Produkte dieser Art bis vor kurzem als Luxusgüter. Die Senkung der Besteuerung von 19 auf 7 Prozent ist im Gegensatz zum schottischen Beschluss die Abschwächung eines Unrechts, nicht aber ein positiver Schritt in Richtung Gleichberechtigung. 

Das fließende Blut aus der Vulva ist auch heute noch ein schambesetzes Thema. Die Sichtbarkeit der Menstruationsprodukte rückt die Existenz des natürlichen Blutens in das Bewusstsein der Gesellschaft.

Der Umgang unserer Gesellschaft mit der Menstruation ist Ausdruck einer kulturellen und sozialen Benachteiligung. Das monatliche Abstoßen der Gebärmutterschleimhaut, ein natürlicher Prozess im Frauenkörper, wird als abstoßend gesehen, während männliche Körperausscheidungen – etwa der Samenerguss – als normal, als natürlich belegt sind. Ja, Männer bekommen keine äquivalenten Produkte bezahlt, nicht, weil es ihnen verwehrt wird, sondern, weil es kein männliches Äquivalent zur Menstruation gibt. Gleichberechtigung heißt auch, geschlechterspezifische Bedürfnisse abzufangen. Schließlich argumentiert auch niemand, dass Frauentoiletten im Sinne der Gleichstellung Pissoirs brauchen.

Diese Ungleichbehandlung zu bekämpfen ist ein wichtiges Anliegen. Mindestens genauso wichtig ist aber, dass Gesundheitsversorgung und ein wichtiger Teil dieser, die Hygiene, ein Menschenrecht ist. Gemeinsam mit der Gleichberechtigung tangiert die Frage des freien Zugangs zu Menstruationsprodukten also gleich zwei Grundsätze einer am Menschen und seiner Würde ausgerichteten Politik.

Wir müssen uns zusammenschließen und zivilgesellschaftlichen Druck aufbauen, um auf eine parlamentarische Umsetzung des schottischen Vorbilds auch in Deutschland (und weltweit) hinzuwirken.

Ungleichbehandlung ist ein strukturelles Problem und mit der Einführung des kostenfreien Zugangs zu Hygieneprodukten ist es nicht getan. Die Einführung von barrierefreiem Zugang zu Menstruationsprodukten ist dennoch ein erster Schritt, für den es sich zu kämpfen lohnt.

 

Foto: Marsyas CC BY-SA 2.5