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„Advent, Advent, die Erde brennt!“

Die letzte Erfurter Fridays for Future-Demo dieses Jahrzehnts

 
 
 
 
Von Christine Schirmer

 

Ein „Licht in der Dunkelheit“

 

Den einen oder anderen dürfte der Abend des 20.12.2019 an die „Erfurt leuchtet“-Demo vor etwa einem Jahr erinnert haben. Doch dieses Mal war es Fridays for Future Erfurt, die dazu aufforderten, bei Anbruch der Dunkelheit mit Kerzen und anderen Lichtquellen auf die Klimakrise aufmerksam zu machen. Ein „Licht in der Dunkelheit“ sollte der Demozug damit darstellen, was natürlich sinnbildlich für die schon weit vorangeschrittene Problematik des Klimawandels steht, zugleich jedoch auch für die nun bereits seit einem Jahr stattfindenden Demos der Gruppe, die „Licht ins Dunkel der Klimadebatte gebracht“ haben. Anders als die bisherigen Freitagsdemonstrationen fand diese erst nachmittags statt und verwies damit bereits auf ihre Besonderheit: Es handelte sich um die letzte Klima-Demo dieses Jahrzehnts in Erfurt.

 

Die Klimakrise ist zu weit fortgeschritten

 

Dem Aufruf folgten zwar weitaus weniger Menschen als einigen vorherigen, dennoch versammelte sich um 16.00 Uhr eine beachtliche Anzahl von Teilnehmern auf dem Willy-Brandt-Platz, um dann gemeinsam und von Musik begleitet durch die Innenstadt zu ziehen. Weniger die Lichterketten, Kerzen und Taschenlampen waren es, die die Aufmerksamkeit der Passanten hierbei erregte. Viel mehr erreichten die lautstarken Redebeiträge, die sich beispielsweise neben dem Domplatz auch auf das Konsumverhalten der Weihnachtsmarktbesucher bezog. Es wurde zugleich jedoch auch mehrfach auf die Verantwortung der Politik verwiesen und betont, dass vonseiten der Veranstalter keine Verurteilung derjenigen stattfindet, die etwa mit dem Auto zur Arbeit fahren und ihren Alltag nicht in jeder Hinsicht umweltfreundlich gestalten (können). Hiermit wurde ein wichtiger Aspekt angesprochen: Die Klimakrise ist zu weit fortgeschritten, um mit kleinen Schritten eine große Veränderung herbeiführen zu können. Zwar entbindet diese Erkenntnis nicht die einzelnen Individuen von ihrer Verantwortung, dafür macht sie aber deutlich, dass alle Menschen gleichermaßen von der Thematik betroffen sind und es wenig Sinn macht, die Schuld der einen oder anderen Gruppe zuzuweisen.

 

Sozial und international

 

„Sozial“ war das eine Stichwort, „international“ das andere: Das hauptsächliche Thema der heutigen Veranstaltung war, passend zum Internationalen Regenwald-Aktionstag am 20. Dezember, die Abholzung des Regenwalds. Im Rahmen der Redebeiträge wurden sowohl Demonstranten als auch Passanten über die drastischen Folgen der Zerstörung informiert. Pro Jahr werden ca. 160.000 Quadratkilometer tropischer Regenwald abgeholzt, die Umwandlung von Waldflächen in Plantagen, die Ausbeutung von Bodenschätzen oder auch Brandrodung führen zu einer massiven Gefährdung des Ökosystems und zur Dezimierung der dortigen Tier- und Pflanzenwelt. So wurde wieder einmal deutlich, dass sich die Friday for Future-Bewegung als länderübergreifend und interdisziplinär begreift.

 

Jetzt erst recht!

 

Der Sprecher Marvin Volk fasst prägnant zusammen: „Wir haben dieses Jahr vieles erlebt: Das lasche Klimaschutzgesetz in Deutschland, die schwierigen Landtagswahlen in Thüringen, jetzt das Versagen der Weltklimakonferenz.“ Auch die gerade erst erfolgte Ablehnung zweier für den Klimaschutz und die Klimagerechtigkeit wichtiger Anträge im Erfurter Stadtrat verstärkt die Frustration der Aktivisten. Die Konsequenz, die die Organisation daraus zieht: Jetzt erst recht!