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Aktuell
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1997 riss eine gigantische Spekulationswelle Südostasien in die Krise. Der Chefredakteur von Le Monde diplomatique, Ignacio Ramonet, publizierte daraufhin im Dezember 1997 einen Aufruf zur Kontrolle der Finanzmärkte. Mit der darauf folgenden Flut von Reaktionen hatte er nicht gerechnet. Viele Briefeschreiber forderten, dass etwas geschehen muss, weil die Politik nicht handelt und Artikel allein nicht die Welt verbessern. Am 3. Juni 1998 gründete sich deshalb Attac (association pour une taxation des transactions financières pour l'aide aux citoyens) Frankreich und am 22. Januar 2000 kamen in Frankfurt am Main Vertreter von rund 50 NGOs und etwa 80 Einzelpersonen zusammen, um nach französischem Vorbild, auch in Deutschland Attac zu gründen. Zehn Jahre später hat sich Attac längst zu einer festen politischen Größe in Deutschland entwickelt. Mittlerweile gehören rund 22.000 Mitglieder Attac an. Der Gründungsslogan „Entwaffnet die Finanzmärkte“ bekam mit Anbruch der weltweiten Wirtschaftskrise im Herbst 2008 enorme Aktualität. Spätestens mit der Eskalation der Finanzkrise im Herbst 2008 steht fest, dass Attac Recht hat. Auf einmal sprechen auch bis dato neoliberale Hardliner von der Notwendigkeit, die Finanzmärkte zu regulieren. Leider folgten bisher den Worten keine Taten. In Thüringen hatte sich auch schnell das Attac-Fieber ausgebreitet. Es gab und gibt in Erfurt, Jena, Weimar, Gera, Saalfeld, Ilmenau und Sondershausen Ortsgruppen von Attac. Der Initialpunkt der politischen Aktivitäten von Attac in Thüringen, war sicherlich das Sozialforum 2005 Erfurt. Viele Veranstaltungen organisierten die Attac-Regionalgruppen dort. Es gab und gibt immer wieder auf Bundes- und Landesebene, auch eine Zusammenarbeit zwischen Attac und der Partei DIE LINKE, ob nun zum Vertrag von Lissabon oder zur Neugestaltung der internationalen Finanzmärkte. Mittlerweile haben sich Attac bereits 90.000 Menschen in 50 Ländern angeschlossen, die sich als Teil einer globalen Bewegung verstehen. Exemplarisch für die Vielschichtigkeit von Attac, über alle Parteigrenzen hinweg ,ist die Mitgliedschaft des früheren CDU-Generalsekretärs, Heiner Geißler. In Deutschland bildet Attac ein breites gesellschaftliches Bündnis, das von den Gewerkschaften ver.di und GEW über den Umweltverband BUND oder die katholische Friedensorganisation Pax Christi bis hin zu kapitalismuskritischen Gruppen reicht. Die Mitglieder und die Aktiven von Attac setzen sich ein, für ihre Überzeugung, dass die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen, die Förderung von Selbstbestimmung und Demokratie und der Schutz der Umwelt die vorrangigen Ziele von Politik und Wirtschaft sein sollten. Dennoch leidet auch Attac in gewisser Weise darunter, dass viele Regierungen ihre Ziele übernommen haben, denn dadurch werden leider die eigenen Aktionen weniger stark wahrgenommen. Auf ein richtig großes und neues Leitthema haben sich die Globalisierungskritiker noch nicht einigen können. Würde der Soziologe Pierre Bourdieu, einer der bekanntesten Mitbegründer in Frankreich, noch leben, würde er wahrscheinlich vorschlagen, die Schaffung eines gemeinsamen europäischen Sozialstaates zur Bekämpfung des Neoliberalismus als eine Kernaufgabe zu begreifen. Attac setzt sich für eine ökologische, solidarische und friedliche Weltwirtschaftsordnung ein. Der gigantische Reichtum dieser Welt muss gerecht verteilt werden. Wie im konkreten Fall das umgesetzt werden soll und kann, darüber gibt es auch bei Attac unterschiedliche Meinungen. Norbert Schneider
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