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August 2010

Mit Humor gegen Nazis – Storch Heinar darf weiter produzieren

Das Landgericht Nürnberg wies am 11. August eine Klage der rechtsradikalen Thor-Steinar-Vertriebsfirma Mediatex für ein Verbot der Nazi-Persiflage ab

Seit Dezember 2008 sind vorwiegend im Internet, T-Shirts und andere Kleidungsstücke sowie Tassen oder Regenschirme zu kaufen, die einen etwas tumb dreinschauenden Storch zum Markenzeichen haben. Mal trägt der Storch mit dem Namen Heinar einen Stahlhelm, mal eine Gasmaske mit Nasenbärtchen, mal nennt er sich debiler Rudolf und sitzt in einem Flugzeug, an anderer Stelle steht er stramm in Uniform da und heißt „Benito Storcholini“.
Die Assoziationen sind eindeutig. Bei der Modemarke Storch Heinar handelt es sich um eine Persiflage, die auf satirische Weise mit rechtsextremer Lifestyle und der dahinter stehenden Ideologie umgeht. Und natürlich wollen die Initiatoren der Modemarke auch erreichen, dass mit dem Label des lustigen Storches Menschen öffentlich ihre ablehnende Haltung gegen Rechtsextremismus zum Ausdruck bringen.
Einer der Initiatoren der Modesatire ist der SPD-Landtagsabgeordnete in Mecklenburg-Vorpommern, Mathias Brodkorb, der auch das Internet-Portal „Endstation Rechts“ der Jungsozialisten in der SPD Mecklenburg-Vorpommern verantwortet, eine Informationsplattform gegen Rechtsextremismus. Brodkorb verweist darauf, dass Satire im Bereich des Rechtsextremismus sehr umstritten sei, sie aber die Erfahrung gemacht haben, dass niedrigschwellige, alltagstaugliche und humorvolle Angebote zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus angenommen werden. Für die Initiatoren der Satire gilt, dass Opfer von Rechtsextremismus und Nationalsozialismus nicht in den Blick genommen werden, die Satire bezieht sich immer auf die Täter.
Hier gilt die satirische Mode dem von der Firma Mediatex GmbH mit Sitz in Zeesen (Brandenburg) verantworteten Modelabel Thor Steinar. Nach Darstellung der Autoren der Broschüre „Investigate Thor Steinar“ bewegt sich Thor Steinar „in einer rechtlichen Grauzone … und [entzieht] sich so einer gesellschaftlichen Sanktionierung“. Bewusst werden mehrdeutige Symbole, Bilder und Kennzeichen benutzt, die es Neonazis ermöglichen, sich mit der Marke zu identifizieren und ihren rechtsextremen Lifestyle öffentlich zu präsentieren. Die Mediatex GmbH hat sich nie von Neonazismus-Vorwürfen distanziert.
Die Broschüre verweist darauf, dass durch frühere Recherchen des Antifaschistischen Infoblattes enge Kontakte von Mitarbeitern der Modelabels zur deutschen und europäischen Neonaziszene nachgewiesen wurden. Die Modemarke hat sich in den vergangenen Jahren dermaßen als Aushängeschild der extremen Rechten etabliert, dass das tragen von Thor Steinar-Kleidung in einigen Fußballstadien, so u. a. bei Werder Bremen, den Thüringern Spitzenclubs Carl Zeiss Jena und Rot-Weiss Erfurt oder in öffentlichen Gebäuden, wie dem Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, verboten wurde. Vor den meist in den östlichen Bundesländern befindlichen Thor Steinar-Läden finden immer wieder antifaschistische Proteste statt.
Im Juli trafen sich nun Thor Steinar und Storch Heinar vor Gericht. Die Vertreter der Mediatex GmbH wollten gerichtlich die weitere Verbreitung der parodistischen Marke Storch Heinar unterbinden. Man sah sich in den eigenen Markenrechten verletzt und trug vor, dass die Marke Thor Steinar auch noch „verunglimpft“ werde. Die Richter am Landgericht Nürnberg-Fürth rieten allerdings in der mündlichen Verhandlung bereits, die Klage zurückzuziehen. Am 11. August wurde die Klage schließlich zurückgewiesen. Storch Heinar darf weiter produzieren, der lustige Storch darf weiter auf T-Shirts verkauft und vertrieben werden. Heinar, der sich gleich als größten Modedesigner aller Zeiten (GRÖMAZ) bezeichnete, kommentierte in der ihm eigenen Art den Ausgang des Verfahrens: „Ich habe soeben im Nürnberger Modeverbrecherprozess meinen Gegner vernichtend geschlagen.“
Gleich nach der Urteilsverkündung wurde – ganz in Anlehnung an die Vereinbarung rechtsextremer Parteien – ein „Deutschlandpakt“ mit der „Front Deutscher Äpfel“ (FDÄ) angekündigt. Eine Koalition der Satiriker, die möglicherweise auch in Zukunft Rechtsanwälte beschäftigen wird, aber die Ernsthaftigkeit der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus nicht aus den Augen verliert, sondern sie um eine entlarvende Parodie ergänzt.


Steffen Dittes


 

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