22. August 2017

25 Jahre Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen: hohe Ziele, bodenständiges Handeln

Das Buch „Rosa Remix“, aus dem diese Zeichnung von Kate Evans stammt, gibt es unter: www.rosalux-nyc.org zum kostenlosen Download als PDF.

Es war wahrlich ein steiniger Weg, den die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) Thüringen im letzten Vierteljahrhundert gegangen ist. Hoch auf dem Jenenser Landgrafen wurde 1992 das Thüringer Forum für Bildung und Wissenschaft e.V. gegründet. Hoch waren auch die Ziele, eher bodenständig das Handeln, wie es der Vorsitzende, Christian Engelhardt, bei einer Festveranstaltung im Jenaer Parkcafé am 17. August formulierte. Wie auch bei der ihr nahestehenden Partei, der PDS, musste damals vieles erst erlernt und noch mehr improvisiert werden. Den erfolgreichen Weg hatte damals wohl ebenso niemand vorausgeahnt wie die Tatsache, dass DIE LINKE heute den Ministerpräsidenten stellt.

Im Gegenteil, denn die Unterstützung der Stiftung mit Fördermitteln des Landes, die in anderen Ost-Bundesländern absolut selbstverständlich war, wurde in Thüringen lange Zeit verweigert. Politiker wie der damalige Finanzminister Andreas Trautvetter (CDU) setzten sich in ihrem blindwütigen Antikommunismus über jedes Recht hinweg. Erst eine Klage schaffte hier nach Jahren der Diskriminierung Gerechtigkeit.

Trotz der schweren Gründerjahre, in denen selbst das Zahlen von Honoraren für die Referenten eine echte Herausforderung war, hat die Stiftung mittlerweile ein enormes Tätigkeitsfeld. Mit Vortragsveranstaltungen, Tagungen, Podiumsdiskussionen, Ausstellungen, Exkursionen, Publikationen und vielen weiteren Projekten können wichtige linke Akzente in der Thüringer politischen Bildungslandschaft gesetzt werden. Vieles spielt sich im Dreieck Erfurt-Weimar-Jena ab, aber auch in der Fläche schafft es die Stiftung, dank vieler Kooperationspartner wie dem Hermsdorfer Gespräch, dem Suhler Gesprächskreis Alternativ oder dem Geraer Gespräch, bis in die letzten Winkel des Freistaates.

Genauso vielfältig sieht das inhaltliche Spektrum der Stiftung aus. Neben der Aufarbeitung der Geschichte, insbesondere die der DDR, ist jedes linke oder emanzipatorische Thema, von der Kommunalpolitik bis hin zu weltpolitischen Konflikten und internationalen Organisationen, willkommen. Und es müssen nicht nur die großen Namen sein. Auch kleine Initiativen ohne große Strukturen fördert die Thüringer Stiftung ganz in Sinne von Rosa Luxemburg gerne. Das unterscheidet sie auch von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, die zwar deutlich mehr Geld, aber kaum Herz zu haben scheint. Ein großes Herz kann man dem Vorstand und auch den Mitarbeitern der Stiftung auf jeden Fall attestieren.

Bald steht jedoch personell ein größerer Umbruch an, denn die langjährige Geschäftsführerin Dr. Vera Haney und der Regionalmitarbeiter im Erfurter Büro, Bernd Löffler, werden sich bald in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden. Aber solche Umbrüche sind für die Stiftung ja nichts Neues.

Bei der Jenaer Festveranstaltung, zu der neben dem aktuellen Vorsitzenden Christian Engelhardt, auch die Ehemaligen Prof. Dr. Manfred Weißbecker, Prof. Dr. Ludwig Elm und Dr. Steffen Kachel kamen, wurde nicht nur die Fähigkeit gelobt, mit solchen Umbrüchen fertig zu werden, sondern auch die Fähigkeit zur Modernisierung.

Der Beleg dafür lag auf dem Tisch, in Form eines über 100 Seiten starken Buches mit dem Titel „Rosa Remix“, herausgegeben vom New Yorker Büro der Stiftung. Neben verschiedenen Texten zu Rosa aus Sicht des 21. Jahrhunderts enthält es auch eine bemerkenswerte Comic-Biografie der US-Künstlerin Kate Evans. Den vielen Glückwünschen zum 25-jährigen schließt sich auch die UNZ an, denn ganz im Sinne von Rosa-Luxemburg sind auch wir der Ansicht: „Das einzige Gewaltmittel, das zum Sieg führen wird, ist die politische Aufklärung im alltäglichen Kampf.“