13. März 2018

Wir kämpfen nicht für Blumen

Von Christine Schirmer 

 

Unter dem Motto „We don’t fight for flowers“ organisierte das „Thüringer Frauen*kampftagsbündnis“ am Abend des 8. März, dem Internationalen Frauentag, eine Demonstration durch Erfurt. Treffpunkt war die Schillerstraße, von dort aus ging es mit Lautsprecherwagen und einer großen Menge Teilnehmer durch das Erfurter Zentrum und die Brühlervorstadt. Mehrere Redebeiträge verschiedener Teilnehmerinnen rundeten die Veranstaltung ab. Auch die Tatsache, dass ein Gebärdendolmetscher sämtliche Reden übersetzte, konnte die Demo sehr positiv hervorheben.


Die im Vorfeld stark beworbene Veranstaltung zog auch durch ihr vielfältiges Programm zahlreiche Teilnehmer an: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die rechtliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung von Frauen* voranzubringen und kämpfen für ein selbstbestimmtes Leben und das Recht auf körperliche Unversehrtheit, sowie die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen*. Wir nennen uns bewusst Frauen*kampftag, da es unser Anspruch ist, den 8. März zu repolitisieren.“ Dieses Selbstverständnis des Bündnisses wurde untermauert von verschiedenen konkreten Aspekten, die im Verlauf der Demo angesprochen wurden. Im Speziellen wurde die Abschaffung der Paragrafen 218 und 219 gefordert. Diese Paragrafen verbieten sowohl generell Schwangerschaftsabbrüche als auch die Werbung dafür, worunter jedoch auch diverse neutrale Informationsangebote fallen. Wird eine Abtreibung in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft und nach einem Beratungsgespräch vorgenommen, ist dies zwar straffrei, aber dennoch illegal, was in letzter Konsequenz somit auch zu einer Kriminalisierung der betroffenen Person sowie der durchführenden Ärzte führt. Die Debatte über die beiden Paragrafen währt schon viele Jahrzehnte und ist geprägt von politischen, gesellschaftlichen, aber auch moralischen und medizinischen Aspekten. Gerade auf letztere wird in politischen Kontexten immer weniger der Fokus gelegt, was zu einer Emotionalisierung der Thematik führt. Auch die diesjährige Demonstration blieb von dieser Entwicklung nicht verschont.


Die Redebeiträge informierten Teilnehmer wie Passanten über zahlreiche weitere Sachverhalte und Forderungen der feministischen Bewegung und bekundeten ihre Solidarität mit Frauen weltweit. Gerade Themen wie die weibliche Genitalverstümmelung, die in vielen – vor allem afrikanischen –  Ländern aus Gründen der „Tradition“ praktiziert und jährlich etwa drei Millionen Mädchen angetan wird, dürfen nicht tabuisiert oder verschwiegen werden. Neben derartigen Grausamkeiten, unter die auch die Steinigung fällt, von der ebenfalls überwiegend Frauen betroffen sind, wurde auch die #MeToo-Debatte nicht unerwähnt gelassen, die seit Herbst 2017 dazu beiträgt, Fälle von sexueller Belästigung und sexuellen Übergriffen öffentlich zu thematisieren.


Das seit 2014 bestehende Bündnis besteht aus verschiedenen politischen Gruppen und Jugendverbänden, Einzelpersonen, Frauenorganisationen und queeren Vereinen. Bereits im Vorfeld der Demonstration fanden zahlreiche Veranstaltungen wie Filmvorführungen, Workshops und Vorträge statt, die die Vielfalt der Thematik ebenso verdeutlichten wie das immense Interesse daran. Der Eindruck der alles in allem äußerst gut organisierten und sehr positiv verlaufenen Demo wurde dadurch getrübt, dass die Veranstalter vor Beginn dazu aufforderten, die Teilnehmer in zwei Blöcke zu unterteilen. Während „FLTI*-Personen“ („Frauen, Lesben, Trans- & Interpersonen“) vorne laufen sollten, hatten alle anderen sich hinten einzureihen. Dies wurde vage durch den besseren Bezug der Transparente begründet, verdeutlicht jedoch letztendlich nur, dass eine Einteilung und Bewertung von Menschen – selbst jener mit einem gemeinsamen Ziel und Selbstverständnis – auch in noch so sehr auf Gleichberechtigung ausgelegten Kontexten geschieht und diese somit in gewisser Weise ad absurdum führt.