27. Februar 2018

Der lange Weg zur Fußball-Arena

Die Südkurve im Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld ist bekannt für tolle Stimmung und farbenfrohe Choreographien. Foto: Horda Azzuro

Von Ralph Lenkert

 

Bewegen wir uns auf die Zielgerade zu? Man könnte es fast meinen oder hoffen. Es war und bleibt ein schwieriger Prozess. Das hat natürlich vielfältige Gründe. Das Paradies ist ein wunderbarer Ort, um Erfolgsgeschichten zu schreiben. Auf Grund seiner Lage hat es aber die eine oder andere Tücke zu bieten. 


Es sind zum einen die vielen verschiedenen Akteure um den FCC, den USV, den LC Jena, die Stadt, das Land, die Betreiber, die Sicherheitsbehörden und nicht zuletzt die Fans und deren Hoffnung auf einen Verbleib in der Südkurve. 

 

"Wir wollen ja kein Erfurt sein" 

 

Zum anderen macht die räumliche Begrenzung durch die Saale und die Oberaue mit ihren Naturschutzgebieten dem Neubau gewaltig zu schaffen. Alles möchte sorgfältig geprüft und geplant werden, das steht außer Frage, wir wollen ja kein Erfurt sein. 
Die Berichtsvorlage zum Beginn des Vergabeverfahrens zur neuen Fußballarena liegt nun vor und wurde vom Jenaer Stadtrat am 18. Januar auch beschlossen. Um dem Wunsch der AnhängerInnen unseres Herzensvereins für den Erhalt der Südkurve zu entsprechen, werden alle Bietenden verpflichtet, für beide Varianten ein Angebot abzugeben. Durch die organisierten Fans wurde die Beratungsfirma Companeer GmbH beauftragt, innovative bauliche Lösungen zu finden, um die Fantrennung so zu realisieren, dass die Bedenken der Sicherheitsbehörden beseitigt werden können. Bisher müssen die Gästefans innerhalb des neuen Stadions den Weg in den Norden finden, ohne dabei mit den einheimischen Fans zu kollidieren, so viel steht fest. Die Unterzeichnung der von den Fans ins Spiel gebrachten Selbstverpflichtung war dafür Voraussetzung. Das Vergabeverfahren läuft aktuell und es wird spannend, wie viele Firmen sich um den Bau bewerben und beide Varianten vorlegen können. 
Nicht wenige ThüringerInnen, die keine Fußballfans sind, stehen dem Projekt skeptisch gegenüber. Das liegt auch an der öffentlichen Wahrnehmung zum Thema Baukosten. Fakt ist, dass bei den 52 Millionen Euro Gesamtinvestitionen beileibe nicht alles dem  Stadionneubau zuzuschreiben ist.

 

Sanierung hat die Stadt verpennt

 

Das geht los bei den Kosten für das Flutlicht. Die 1,1 Millionen Euro für die vorgezogene Flutlichtlösung sind bei genauer Betrachtung noch ein Gewinngeschäft für die Stadt. Es wurden über die Jahre im Haushalt 1,5 Mio. für den Korrosionsschutz der alten Masten eingeplant. Wie wir alle wissen, wurde das Geld leider nie für die „Giraffen“ (Flutlichtmasten), die ehemals höchsten ihrer Art in Europa, genutzt. Dass die neuen Masten jetzt auf den Preis aufgeschlagen werden, ist in doppelter Hinsicht nicht zu verstehen. Die Sanierung hat die Stadt verpennt und im Mietvertrag ist eine Flutlichtmastanlage enthalten. 

 

Seit 2002 wird über Sanierung gesprochen 


Dabei aber so gut wie nichts für dessen Instandhaltung getan. Das Stadion hat mittlerweile einen sehr eigenen  Charme. Sowohl der „Kaninchen Block“ als auch die unzähligen Dixis vermitteln einem eher das Gefühl, auf einem Revival-Festival zu sein als in einer Fußballarena einer modernen Lichtstadt, in der einer der renommiertesten Vereine des Ostens zu Hause war und immer noch ist und in dem 1. Frauen-Bundesliga gespielt wird. Dass die Stromzuleitungen rund um das Areal so veraltet sind, dass die neuen Masten alle mit einem eigenen Generator betrieben werden müssen, es keine brauchbare Zuwegung und Kanalisa- tion gibt, ist wohl aussagekräftig genug, um die aktuelle Situation zu beschreiben. Das benötigte Parkhaus ist für die Stadt und die gegebene Parkplatzsituation unumgänglich und würde am besten auf dem Seidelparkplatz errichtet. Dann könnte man dort endlich ein funktionierendes Park & Ride System etablieren: Was für ein Gewinn für ganz Jena! Im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Verkehr sind seit zwei Jahren 11 Millionen Euro eingestellt, die als Landesfördermittel für die neue Arena vorgesehen sind. 1,4 Millionen Euro Fördermittel gibt das Land als Zuschuss zur neuen Leichtathletikanlage, die dann beste Bedingungen für Leistungs- und Hochschulsport bietet. 26 Millonen Euro und damit der Hauptanteil des Projektes werden durch einen privaten Investor vorfinanziert. Die von der Stadt Jena zu tragenden Kosten werden zum größten Teil für die Erneuerung der umliegenden Infrastruktur verwendet.

 

Beim Schimpfen über jährliche Betriebskosten von 2 Millionen Euro wird einiges vergessen:


1. Das verfallende Ernst-Abbe-Stadion kostet in seinem desolaten Zustand bereits 1 Million Euro pro Jahr und wie bei einem alten Auto explodieren in absehbarer Zeit die Instandhaltungskosten.
2. Für Sicherheit müssen im jetzigen Zustand sowohl Verein als auch Polizei tiefer in die Tasche greifen als im neuen Stadion, und auch diese Kosten explodieren mit dem Verfall der Infrastruktur.
3. Es profitieren von den neuen Bedingungen auch über 500 Kinder und Jugendliche der Nachwuchsmannschaften und Amateursportler von Zeiss, Schott und USV.
4. Es gibt keinen Plan B in der Stadtverwaltung. Sollte man jetzt dieses Projekt stoppen, dann vergehen min-destens vier Jahre, bis eine Sanierung erfolgen kann – dann aber zu 100 Prozent auf Kosten der Stadt Jena.
5. Schon heute spielt der FCC mit einer Sondererlaubnis des DFB in diesem Stadion. Was für eine Blamage und Rufschädigung wäre es für die Stadt als Leuchtturm des Ostens, wenn Jena alle Heimspiele in Halle oder Leipzig oder Zwickau austragen müsste, weil der DFB die Sondererlaubnis für das Jenaer Stadion ablehnt. Ich will dies nicht riskieren! 


Aus mindestens diesen Gründen sollten wir alle hoffen, dass dieses langwierige Großprojekt nun ein glückliches Ende findet, dass das Stadion zu einem Erfolgsprojekt für die Stadt Jena und seine Fußballfans wird.