11. März 2014

Schreibschrift lernen – ja oder nein?

Seit einiger Zeit wird in den Leserbriefspalten eine Diskussion über die Notwendigkeit des Erlernens der Schreibschrift geführt.

Hintergrund sind dabei die verschiedenen Wege in der Grundschule, die zum Schreiben lernen führen. Hier treffen die Erfahrungen der Erwachsenen („Weil man es selbst anders gelernt hat, kann man es sich nicht vorstellen.“) auf aktuelle Lernmethoden, wie Schreiben lernen über die Druckschrift aufeinander.

Laut „Thüringer Lehrplan für die Grundschule und die Förderschule mit dem Bildungsgang der Grundschule“ für das Fach Deutsch (veröffentlicht 2010) wird für die Klassenstufe 4 unter dem Stichwort Sachkompetenz Schreiben formuliert, dass der Schüler mit einer gut lesbaren individuellen Handschrift formklar, flüssig und in angemessenen Schreibtempo Texte übersichtlich gestalten kann.

Ich kenne ganz wenige Menschen, die durch die Aneinanderreihung von Druckbuchstaben flüssig schreiben können. Für mich geht die Formulierung im Lehrplan eindeutig in Richtung Schreibschrift.

Doch warum erst Druckbuchstaben schreiben? Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass es die unterschiedlichsten Wege gibt, um das Schreiben zu lernen.

Da das Lesen lernen über Druckbuchstaben erfolgt und die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler vor allem von Druckbuchstaben umgeben ist (Zeitungen, Handy-Display, u.a.), bietet sich das Schreiben lernen über Druckbuchstaben an. Hinzu kommt noch, dass sich Druckbuchstaben leichter lernen lassen.

Andere Wege des Schreiben Lernens sind die Anlauttabelle bzw. die überbetonte Pilotsprache der Lehrer – also Schreiben lernen nach Gehör.

Auf Dauer halte ich das Schreiben lernen nach Gehör für die Beherrschung der Rechtschreibung als ungeeignet. Denn es gibt nur wenige Worte, die man genau so schreiben kann, wie man sie hört. Hinzu kommt noch, dass eine falsch gelernte Schreibweise  dann mit einem erheblichen Zeitaufwand korrigiert werden muss, so dass die Ausbildung anderer Kompetenzen zu kurz kommt.

Eine flüssige Handschrift halte ich für richtig und wichtig. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ich einmal Geschriebenes besser behalte, als das nur Gelesene. Aus der neurologischen Forschung weiß man, dass der mechanische Vorgang des Abschreibens für das Merken ähnlich funktioniert, wie das Bilden einer Eselsbrücke. Wer also mit der Hand schreibt, ist im Vorteil. Selbst die Bedienung der  Tastatur am Computer kann dies nicht ersetzen.

Es gibt also viele gute Gründe eine lesbare individuelle Handschrift zu beherrschen, mit der man Texte flüssig und in einem angemessenen Schreibtempo gestalten kann. Also,  ein klares ja für das Erlernen der Schreibschrift. 

 

Dirk Möller