4. Juni 2014

Warum das Freihandelsabkommen TTIP die Frauen besonders trifft

Nimmt man die von den Geheimverhandlungen in die Öffentlichkeit gelangten In-     formationen besonders aus Gender-Perspektive unter die Lupe, komme ich als Mitglied  des LINKEN  Frauennetzwerks Thüringen zur Einschätzung: hier werden die Interessen von Frauen besonders gefährdet! Das TTIP zielt nicht nur auf den Austausch von Waren, sondern auch auf Dienstleistungen!  In diesem, in den letzten Jahren enorm angewachsenen Wirtschaftszweig, hat sich die Anzahl der Beschäftigten (zumeist weiblich!) mehr als verdoppelt.

2012 waren 73,7  Prozent aller Erwerbstätigen in diesem Sektor beschäftigt.  Die Konzerne erhoffen sich Milliardengewinne, wenn Länder zu extremer Liberalisierung und Deregulierung des Dienstleistungssektors verpflichtet würden.

Zu diesem Wirtschaftszweig gehören ca. 150 Branchen, wie z. B. der Groß- und Einzelhandel, Banken und Versicherungen, Verkehr und Telekommunikation, Energie- und Wasserversorgung, Müll und Abwasser, Kultur und Tourismus sowie die Medien. Weiterhin gehören dazu: der Sport UND  vor allem der so genannte „Sorge“-Bereich (care), was Gesundheitseinrichtungen, einschließlich Krankenhäuser, Bildungseinrichtungen, Kindergärten sowie sämtliche sozialen Dienste betrifft, beginnend von der Jugend- bis zur Altenhilfe. Hier arbeiten Tag für Tag und zumeist in Schichten  82,7 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Deutschland!

Deshalb gibt es zwei Knackpunkte in den laufenden Verhandlungen:

1. Gesellschaftliche Errungenschaften (Kündigungsschutz, Tarifrechte, Sozialstandards, Mindestlöhne, Mitbestimmung sowie Gesundheitsstandards) sollen zu „nicht-tarifären-Handelshemmnissen“ herabgewürdigt und durch das TTIP  abgeschafft werden. Vor allem wir Frauen, die doppelt und dreifach durch Beruf, Familie und eventuell noch durch die Pflege von Angehörigen, hohen Tagesbelastungen  ausgesetzt sind, wären durch die Abschaffung solcher Standards besonders betroffen!

2. Mit öffentlichen Dienstleistungen kann nur Handel getrieben werden, wenn diese zuvor privatisiert werden. ABER: Wie uns die vergangenen Jahre hier gerade im Osten Deutschlands und anderswo zeigen, gehen diese Privatisierungen zumeist mit Stellenabbau und Arbeitsverdichtung einher, mit Lohndrückerei gerade bei den weiblichen Beschäftigten, mit Stress, prekären Beschäftigungsverhältnissen und fehlenden Sozialleistungen.

 Die Verteidiger des TTIP sprechen von ungeahntem Wachstum und neuen Arbeitsplätzen. Doch das bereits 20 Jahre alte nordamerikanische NAFTA-Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexico widerlegt alle diese Versprechen.

LEIDER nehmen sich junge wie auch ältere Frauen wegen der Mehrfachbelastung nicht die Zeit bzw. haben nicht die Kraft, sich politisch zu informieren und wissen derzeit noch gar nicht, was da auf sie zukommen könnte! Deshalb sehe ich hier eine große Verantwortung, gerade für uns als Genoss*innen und Sympathisant*innen, im Zusammenwirken mit anderen Akteuren vor Ort auf die Gefahren aufmerksam zu machen, unser Wissen weiterzugeben und nach dem Beispiel der diesjährigen Frauen-Demo anlässlich des Internationalen Frauentages in Berlin, auch öffentlich für unsere Rechte zu demonstrieren. 

Christine Dommer 

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/zur_sache/detail/browse/8/artikel/warum-das-freihandelsabkommen-ttip-die-frauen-besonders-trifft/