10. Februar 2015

Friedliche Projekte sind werbemäßig völlig unterrepräsentiert

Erfurt will Stadt des Friedens sein, doch während der OB Kriegsschiffe mit dem Namen der Landeshauptstadt einweiht und Heereslogistikzentrum an neuen Kriegen gearbeitet wird, wirbt die Bundeswehr an Straßenbahnen für das Kriegshandwerk. Widerstand – wie bei dieser Aktion vor der Löberfeldkaserne im Janauar 2013 – gibt es erfreulicherweise zum Glück auch. Foto: th

 

von Ute Hinkeldein,

Thüringer Friedenskoordination

 

Ohne Frage, die Bundeswehr ist nötig zur Verteidigung des Landes. Mit den zahlreichen Ausländereinsätzen schießt sie aber über das Ziel hinaus. Allerdings steht sie in der Bündnispflicht gegenüber der NATO. Das heißt auch, dass die Deutsche Regierung nicht die Souveränität der Entscheidung besitzt. Rechtlich umstritten, startet die Truppe aktuell in den Nordirak, weitere Waffenlieferungen an die Kurden folgen, Die Türkei hat Raketenabwehrstaffeln der Bundeswehr  bekommen. Die Kriege kosten natürlich auch Geld. Allein der 11-jährige Afghanistankrieg kostete über 400 Millionen Euro dem Steuerzahler. Das sind Gelder, die dringend für die Förderung von Wirtschaft, Soziales und Kultur benötigt werden. Die Einsparungen in diesem Bereich sind den Unternehmen und Bürgern seit Jahren schmerzlich bewusst.

Wir sind für Gleichbehandlung von Militär und Friedensarbeit. Riesige Werbung im Bahnhof und an Straßenbahnen für das Militär sind ebenfalls aus Steuermitteln bezahlt.

 

Wo ist die Friedensbroschüre der Stadt Erfurt?

 

Wo erfährt der Bürger oder der Tourist, dass Erfurt den Titel „Stadt des Friedens“ trägt? Wer hat gehört, dass OB Andreas Bausewein „Mayors of Peace“ ist?  Wer weiß, wo die Friedenslinde steht und wo sich die Orte des Friedens in der Stadt befinden? Die Thüringer Friedenskoordination hat schon vor einiger Zeit eine Stadtführung zu Friedens- und Gedenkorten herausgegeben und für Interessierte dazu zusätzlich eine CD.  Aber diese friedlichen Projekte sind werbemäßig völlig unterrepräsentiert, weil die Friedensarbeiter selbst bezahlen müssten, im Gegensatz zur Bundeswehr, die Werbung bezahlt bekommt über die Steuer. Es wäre an der Zeit, dass die Stadt endlich eine Broschüre zu ihrem Friedensanliegen herausgibt, wir besitzen die nötigen Informationen dazu.

 

Bundeswehr-Offiziere werben mit lustigen Geländespielen

 

Die Bundeswehrwerbung sollte wahrheitsgemäß sein, denn Krieg ist kein fröhliches Abenteuer. Als 1978 in der damaligen DDR der Wehrkundeunterricht eingeführt wurde, haben Erfurter Christen mit den Friedensgebeten in der Lorenzkirche begonnen und 37 Jahre durchgehalten.

Nun ziehen erneut Jugendoffiziere in die Schulen und werben mit lustigen Geländespielen Kinder für künftige Wehreinsätze. Wo bleiben die Informationen darüber, dass Soldaten aus den weltweiten Kriegen auch seelisch und körperlich geschädigt zurückkehren können oder gar sterben? Das darf nicht ausgeblendet werden! Die Bundeswehr ist auf den Erfurter Messen, im Arbeitsamt, auf Berufsbörsen und im eigenen Karrierezentrum präsent, da sind weitere große Werbeflächen an Objekten in der Stadt nicht angezeigt, auch nicht aus Kostengründen.  Da ich selbst aus der Werbebranche komme, habe ich mit Erstaunen gehört, dass nur eine Werbefirma in Erfurt für die Stadtwerbung zuständig ist. Wo bleibt denn da der Wettbewerb?

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/zur_sache/detail/browse/6/artikel/friedliche-projekte-sind-werbemaessig-voellig-unterrepraesentiert/