21. April 2015

Das Bekenntnis zum Antifaschismus eint uns alle

„Die Ausrottung des Faschismus“: 70 Jahre nach der Befreiung erneuerten Überlebende der faschistischen Lagerhölle den Schwur von Buchenwald.

Von Uwe Pohlitz

 

Gedenken reicht nicht aus – es muss gehandelt werden! 

 

Das war der Grundtenor der vielen Veranstaltungen  anlässlich des  70. Jahrestages der Befreiung des KZ Buchenwald. Denn wieder ziehen grölende Horden, nicht belehrbarer Rassisten und Faschisten durch Europas Städte. Es brennen Häuser für Asyl suchende Menschen. Synagogen, Kirchen und Moscheen werden geschändet. Der Schoß aus dem das kroch, blieb fruchtbar bis in die Gegenwart. Als die Häftlinge von Buchenwald am 12. April schworen, nicht zu ruhen bis der Faschismus für immer ausgerottet ist, gab es Hoffnungen. Das Grauen war so schrecklich nahe, kein normaler Mensch konnte sich vorstellen, dass diese verbrecherische Ideologie überleben sollte. Der nationalsozialistische Untergrund als bestes Beispiel der Neuzeit, konnte viel zu lange unentdeckt seine faschistische Mordlust ausleben. Völkerhass und nationalistisches Gedankengut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit diesen Gedanken beschäftigten sich die Teilnehmer der Gedenkveranstaltungen an den Orten der unrühmlichen Vergangenheit. Es wurde aber auch an die Kameradschaft, die Solidarität und den Widerstandswillen der Häftlinge erinnert. Über Nationalitäten hinweg entstand bereits vor 70 Jahren die solidarische, europäische Idee.

Die überlebenden Kameraden des Internationalen Lagerkomitees erkannten es als notwendig, den Schwur von Buchenwald aus aktuellem Anlass zu wiederholen. Es waren bewegende Minuten als die mahnenden Worte an die Nachgeborenen gerichtet wurden. Dies war  wohl auch der emotionale Höhepunkt der Veranstaltungen.

Es wurde viel geschrieben und berichtet zu diesem historischen Ereignis. Es wurden auch wieder Versuche unternommen, Geschichte umzudeuten. Die Zeitzeugen, welche den Befreiungstag erlebten, hatten natürlich auch unterschiedliche Wahrnehmungen. Aber es vereint sie alle, das Bekenntnis zur Freiheit und zum Antifaschismus.

Dass, was uns die einstigen Leidensgefährten aus der grauenhaften Zeit zu berichten hatten, sind Zeugenberichte.  Wir, die Ihnen zuhörten, wurden ebenfalls Zeugen und haben die Pflicht, diese Aussagen weiter zu verbreiten.

Das waren auch die Aussagekerne anlässlich der 39. Pflanzaktion des integrativen Projektes „1000 Buchen“ an der Blutstraße zum Lager Buchenwald.

Geistig behinderte Menschen des Lebenshilfe Werkes Weimar/Apolda haben mit dem Bewusstsein, ebenfalls auf der Ausrottungsliste der Nazis gestanden zu haben, diese einmalige Aktion begründet. Wer diese emotional bewegte Stunde erlebte, hat mit Sicherheit innerlich geschworen den neuen Faschismus entschieden zu bekämpfen. Als die Behinderte Martina Rother auf der Blockflöte Vivaldis Frühling erklingen ließ, blieb kaum ein Auge trocken. Trotzdem war es keine Trauerfeier, sondern wurde eine der Zukunft zugewandte Gedenkstunde.

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/zur_sache/detail/browse/6/artikel/das-bekenntnis-zum-antifaschismus-eint-uns-alle/