8. März 2016

Von Vernetzung zur Kooperation

Interessante Vorschläge zum Thema Essen bietet das Inkota-Netzwerk. Unter www.inkota.de kann sich jeder über Möglichkeiten zum Aktiv werden informieren.

Bio, Vegan oder Regional, sind Begriffe rund um einen Hype beim Thema Ernährung. Doch, mit einem Hype ist das so eine Sache, denn so schnell wie sie anfangen, werden sie von Konzernen missbraucht und verschwinden in der Versenkung. Essen muss jeder Mensch. Auf das, was auf dem Teller landet, genauer zu achten, ist da eine gute Gelegenheit, mit Alltagsentscheidungen etwas Politisches zu bewegen. Auch, weil so mancher in diesem Bereich engagierte Mensch hofft, dass hinter dem momentan Hype mehr steckt, organisiert das Netzwerk Inkota deutschlandweit „politische Suppentöpfe“. Am 27. Februar war man in der Offenen Arbeit in Erfurt zu Gast, um die verschiedenen Akteure vom Landwirt über die Verkaufsstelle bis zum politisch Aktiven an einen Tisch zu bringen. Das Inkota-Netzwerk gibt es bemerkenswerterweise schon seit DDR-Zeiten, wo sie sich für eine nachhaltige Landwirtschaft und gesunde Ernährung stark machten. 

Akteure so bunt wie ein Obstteller 

„Die gehören doch gar nicht hier her“ grummelte ein Vertreter vom Aktionskreis bäuerliche Landwirtschaft, als „Tofu“, für die „Küffa“ und das Food Project der „l50“, seine Ideen vorstellte, Natürlich geht es hier nicht um Landwirtschaft per se, aber das Thema Lebensmittelverschwendung gehört sehr wohl zu einem „Politischen Suppentopf“. Die „Küffa“, die Küche für fast alle (nur Nazis sind ausgeschlossen), kennen manche noch als „Volksküche“, die auf Druck antideutscher Kräfte umbenannt wurde. Dort sammeln Aktive möglichst einfache, günstige Lebensmittel und kochen gemeinsam. In Erfurt tun das die Aktiven des „Veto“. Wie auch beim Food Project sammlen sie Lebensmittel, die von Partnern kostenlos abgegeben werden oder „Containern“, wobei weggeworfene Lebensmittel aus Supermarktmülltonnen geholt werden. Letzteres ist in Erfurt leider kaum noch möglich und auch sonst mangelt es an Helfern, die Autos oder Lastenräder zur Verfügung stellen. Leider hat nicht jeder begriffen, dass man nur so viel nehmen sollte,dass es auch für andere reicht. Mehr Vernunft und Solidarität, ob Einheimischer oder Flüchtling, ist hier offenbar gefragt. Andere Akteure, die sozial und kulturell nicht primär als links zu definieren sind, versuchen ebenfalls ins gleiche Solidaritäts-Horn zu blasen.

Raus aus dem Pseudo-Markt

Solidarität spielt bei der SSolidarischen Landwirtschaft (SolaWi) nicht nur dem Namen nach eine große Rolle. „Dem Kapitalismus die Spitze nehmen und die Bauern aus dem Pseudomarkt herauslösen“, so umschrieb ein Vertreter das Ziel der solidarischen Landwirtschaft Erfurt. Im Gegensatz zu anderen Regionen steht sie in Erfurt  noch am Anfang. Bis 2017 soll es die ersten Produkte zu kaufen geben. Die SolaWi bietet Landwirten eine Vorfinanzierung und erhält im Gegenzug ein Mitspracherecht, was angebaut wird. So soll nicht nur auf die Felder kommen, was kurzfristig am meisten Gewinn verspricht, sondern was auch der Natur zu Gute kommt. Seit 2005 entwickelt sich auf Schloss Tonndorf eine Wohn- Arbeits,- und Lebensgemeinschaft. Solche Projekte wollen Orte auf dem Land wiederbeleben. Perspektivisch soll Schloss Tonndorf, dass viele wegen des guten Honigs kennen, ein Ort der Begegnung, Bildung und Vernetzung werden. 

Bäuerliche Landwirtschaft 

Vor allem als Interessenvertretung jenseits des Bauernverbandes versteht sich die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL). Viele Kleinbauern sehen in der Thüringer Politik nur eine „große Koalition“, die alles für die Großen tut. Flächen sind als kleine Landwirte kaum zu bekommen, denn vom Land Thüringen bis zur Kirche wird fast ausschließlich an große Agrargenossenschaften verpachtet. Wenn einer der 160 Mitglieder der ABL sich an lokale Politiker wendet, fühlen die sich in Sachen Flächenvergabe oft nicht zuständig. So lässt sich der wachsende Bedarf an regional erzeugten Lebensmitteln nicht stillen. Denn, mit ausufernden Monokulturen wie Raps, können kleine Läden ihr Angebot nicht aufstocken. 

LandMarkt Erfurt eG

Ein solcher Laden, in dem das, was alternative Landwirte in Thüringen anbauen, angeboten wird, ist der LandMarkt in der Magdeburger Allee 25. Vor drei Jahren wurde er als Genossenschaft gegründet. Für nur 50 Euro kann jeder Genossenschafter werden. Ein Modell, bei dem für zehn Euro Monatsbeitrag ein Rabatt von 10 Prozent für jeden Einkauf angeboten wird, lockt  Kunden an. Catering gehört ebenso zum Angebot. Offensichtlich macht die Arbeit Spaß, sonst würden sie in dieser hart umkämpften Branche nicht planen, einen zweiten Laden zu eröffnen. Ein Problem können sie aber alleine nicht lösen: Im Winter gibt es kein regionales Gemüse. Selbst der Gutshof Hauteroda schafft das noch nicht. 

Konzernen etwas entgegensetzen

Wenn es auch Winter Gemüse aus der Region geben soll, lässt sich das nur durch mehr Zusammenarbeit bewerkstelligen. „Vernetzung reicht nicht. Wir brauchen Kooperation“, warf ein Teilnehmer des politischen Suppentopfes ein. Wenn sich bei Thema Ernährung etwas bewegen soll, braucht es solidarische Kooperation vom Erzeuger bis zum Endverbraucher. Die Chancen dafür stehen gut. Denn, es gibt noch weit mehr Akteure als hier vorgestellt werden können. Dass Interesse wächst und Organisationen wie Inkota helfen bei der praktischen Umsetzung. So wird Konzernen wie Nestlé oder Monsanto etwas Effektives entgegengesetzt.Thomas Holzmann