9. Februar 2016

Elektromobilität: Voranbringen, aber wie?

Eines von nur drei Elektroautos auf der Erfurter Automesse. Mit 40.000 Euro ist dieser Kleinwagen für die Mehrheit nicht erschwinglich. Foto: th

Tiefer, breiter, dümmer

 

So hätte das Motto der Erfurter Automesse, die vom 29. bis 31. Januar in der Landeshauptstadt stattfand, auch lauten können. Elektromobilität, Benzinsparen oder Feinstaub oder gar Alternativen zu massenhaften PKW-Individualverkehr scheinen weder Besucher noch Aussteller zu interessieren. Dabei ist es erklärtes Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen. Das ist so ambitioniert wie fragwürdig. Wirtschaftsminister Gabriel hat jetzt Subventionen von bis zu 5.000 Euro für die Anschaffung eines Elektro-Fahrzeugs ins Spiel gebracht. Selbst das dürfte die Fans von PS-Protzen, glänzenden Felgen und für Normalverdiener unbezahlbarer Sport- und Geländewagem kaum interessieren. Zumal vor allem der männliche Verstand durch den Sexismus, der sich in leicht bekleideten Frauen, die sich vor Luxusautos ablichten lassen, benebelt wird.  

Zwischen Tuning-Wahn und so unnötig wie technisch äußerst schwachen US-Autos immerhin ein kleiner Lichtblick: Erstmals präsentierte sich der Verein Grünewald Motorsport e.V., die am 7. und 8. Mai zum fünften Mal rund um das Sonneberger Reiterlein ein Go-Kart-Rennen für Jedermensch organisieren. In Viererteams geht es sechs Stunden durch die abgesperrte Innenstadt. Mehr als 10.000 Zuschauer werden bei freiem Eintritt erwartet. Die Macher greifen hier  ganz bewusst DDR-Traditionen auf, wo schon in den sechziger Jahren regelmäßig  die damals K-Wagen genannten Go-Karts ihre Wettkämpfe austrugen. Motorsport ist nie umweltfreundlich, die kleinen 9-PS-Karts sind aber für alle, die dem Rausch der Geschwindigkeit fröhnen wollen, die bessere Wahl als die Autobahn. 

 

Nur 200 Elektroautos in Thüringen 

 

Technische Innovationen jenseits neuer SUV und Sportcoupes sucht mensch auf der Messe aber vergebens. Zwischen den schrillen Verkaufsgeplärre von Autohändlern war offenbar kein Platz für Fachgespräche rund um das umstrittene Thema Elektromobilität. Der BMW i3, eines von nur drei Elektroautos auf der Messe, kostet schlappe 40.000 Euro.  Das kling nicht gerade nach der Zukunft des Verkehrs. Auch der LINKE Landtagsabgeordnete Steffen Harzern ist skeptisch: „Seit 2007 beschäftigt sich die Bundesregierung, egal in welcher politischen Zusammensetzung, mit der Förderung der Elektromobilität, die in mehreren Stufen zum Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität führte. Dessen Ziel von einer Million Fahrzeugen bis 2020 auf Deutschlands Straßen scheint meilenweit entfernt, wenn man die aktuellen Zahlen sieht. Seit dem Start im Jahr 2007 mit dem integrierten Energie- und Klimaprogramm der Bundesregierung sind bis zum Jahr 2015 knapp 19.000 Elektro-Fahrzeuge auf Deutschlands Straßen, davon ca. 200 auf Thüringer Straßen, das entspricht ca. 0,02 Prozent der in Thüringen zugelassenen Fahrzeuge. Diese Zahlen sind ernüchternd und unter den gegenwärtigen Rahmenbedingungen ist das Ziel der Bundesregierung reine Utopie. Die Maßnahmen, wie Steuererleichterungen bei der Kfz-Steuer, kostenfreies Parken und Nutzung der Busspur reichen nicht aus, die Elektromobilität zu fördern“. 

 

Für die Mehrheit viel zu teuer

 

Was kann die Politik überhaupt tun, um Elektromobilität voran zu bringen? „Leider hat  die vorherige Landesregierung die Entwicklung verschlafen und zu spät auf die Förderung der Elektromobilität in Thüringen gesetzt. Das zeigt sich auch darin, dass das Thema im Januarplenum das erste Mal überhaupt seit Bestehen des Landtages auf der Tagesordnung einer Plenarsitzung stand“, sagt Steffen Harzer.  Ziel des Koalitionsantrages sei es, zuerst die Rahmenbedingungen für Thüringen festzulegen und zu definieren. Dazu gehören die Vorbildwirkung bei der Neuanschaffung von Fahrzeugen durch die Landesverwaltung, eine standardisierte und ausreichende Ladeinfrastruktur, die Förderung von Elektromobilität im ÖPNV und zur wirksamen Vermeidung von CO2-Ausstoß auch die Beladung der Fahrzeuge mit Strom aus erneuerbaren Energien. Diese notwendigen Kapazitäten tragen dann dazu bei, die von der LINKEN angestrebte regionale und dezentrale Produktion sowie den Verbrauch von erneuerbarem Strom zu fördern.

Denn bisher ist Elektromobilität für viele noch zu teuer, zudem schrecken ungenügende Ladeinfrastruktur und zu geringe Reichweite – gerade auch in Zeiten niedriger Benzin- und Dieselpreise – zusätzlich ab. Daher ist es notwendig eine verstärkte Förderung der Elektromobilität auf Bundes- als auch auf Landesebene zu erreichen. Dazu zählt ein angekündigtes, aber noch nicht umgesetztes, Bundesprogramm zur Förderung der Anschaffung von Elektrofahrzeugen für Privatpersonen. Aber nicht nur das, es bedarf auch weiterer Anstrengungen beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, der technologischen Entwicklung von Batterien und auch der verstärkten Nutzung von Elektromobilität im öffentlichen und kommunalen Bereich. Wenn im öffentlichen Raum mehr Elektrofahrzeuge unterwegs sind, ist das auch eine Werbemaßnahme für den schonenden Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen als auch für die Nutzung im privaten Bereich.“

 

LINKE Verkehrsexpertin:  „Kaufprämie macht Elektroautos nicht sinnvoller“

 

Abgesehen von den politischen Fragen, ist keineswegs sicher, ob Elektro-Fahrzeuge überhaupt eine sinnvolle, zukunftsfähig Lösung der Verkehrsprobleme sind. Für Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag ist das eher nicht Fall:  „Eine Kaufprämie macht Elektroautos nicht sinnvoller. Wer eine soziale und ökologische Zukunft der Mobilität im Blick hat, der kann nicht das Ziel verfolgen, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bringen" Der Grund: „Mittlerweile sollte allen klar sein, dass die aktuellen Elektroauto-Modelle nur einen geringen ökologischen Vorteil gegenüber den sparsamen Verbrennungsvarianten haben. Wir brauchen ein generelles 'Downsizing' was Gewicht und Leistung der Autos betrifft und keine Förderung von elektrischen Autos“, erklärt Sabine Ledig. 

Für die Mobilität der Zukunft brauche es die Elektrifizierung aller Bahngleise und ein massives Ausbauprogramm für den ÖPNV – inklusive Straßenbahnbau und Förderung von Pilotprojekten zu Elektro- und Trolleybussen (Oberleitungsbusse). Das Ziel eines ÖPNV-Ausbaus sollte sein, im Jahr 2020 eine Million Autos weniger auf der Straße zu haben. 

„Das Gerede von Zukunftsfähigkeit der Autoindustrie ist verlogen: Der Kuschelkurs mit der Autoindustrie hat wegen fehlender Kontrollen gerade zur größten Autokrise geführt. Ein neues gigantisches Förderprogramm ohne nennenswerten Nutzen macht in dieser Logik weiter.“

 

Thomas Holzmann