3. Mai 2016

Unbekanntes Detail wirft neue Fragen auf

Von Frank Tempel

 

Thema der 14. Sitzung des  NSU-Untersuchungsausschusses am vergangenen Donnerstag waren noch einmal die Selbstentarnung des NSU-Trios und die ersten Ermittlungen um die Ereignisse rund um den 4. November.  Drei Zeugen wurden gehört, die am 5. November in Eisenach beziehungsweise danach in Zwickau vor Ort waren oder mit Asservaten in diesem Zusammenhang zu tun hatten.


Der Zeuge Dr. Tilmann Halder war als Brandursachenermittler mit nach Eisenach gekommen und wurde im Untersuchungsausschuss vor allem zur Frage des Brandes im Wohnmobil befragt. Er bestätigte die offizielle Darstellung des doppelten Selbstmordes von Mundlos und Böhnhardt. Seiner Meinung nach war es sehr wohl möglich, in den wenigen Sekunden zwischen dem Tod von Böhnhardt und dem Suizid von Mundlos einen so nachhaltigen Brand zu legen. Auch blieben einer Person im Wohnmobil, trotz schneller Brandausbreitung, noch einige Sekunden Handlungsmöglichkeit, so dass Mundlos Zeit gehabt hätte, sich selbst zu erschießen. Offen war auch die Frage, wie es möglich sei, dass bei beiden Opfern trotz des Brandes keine Rußpartikel in der Lunge gefunden wurden. Für Halder waren auch die fehlenden Rußpartikel in der Lunge von Mundlos nicht ungewöhnlich.  Seiner Ansicht nach sei das bei einem Ablauf Sekunden sehr wohl möglich. Der Zeuge Halder schilderte die Ergebnisse seiner Untersuchung und den möglichen Ablauf nachvollziehbar und glaubwürdig. 


Ein weiterer Zeuge war der Krimi-naltechniker des LKA Baden-Württemberg, Manfred Nordgauer. Nordgauer kam am 5. November zusammen mit Halder nach Eisenach. Außerdem war er vom 7.-11. November ebenfalls am Brandhaus in Zwickau anwesend. In Eisenach war Nordgauer mit der Sammlung und Sichtung der Asservate aus dem Wohnmobil befasst. Er konnte sich sofort an die dort in einem Rucksack gefundenen vermeintlichen Bekenner-DVDs des NSU erinnern, habe ihnen aber damals, da er sie für Nazi-Musik-CDs hielt, keine größere Beachtung geschenkt. Vor dem Hintergrund der diversen Waffenfunde und der rasanten Entwicklung am 5. November erscheint das glaubwürdig. Nordgauer schildert seine Eindrücke und Erinnerungen sehr lebendig, so dass man einen Eindruck der ersten Spurensuche bekam. Eine Auswertung der DVD erfolgte aber auch danach in Thüringen nicht, so dass Nordgauer deren Inhalt erst am 11. November in Zwickau bekannt wurde. Ein weiterer Punkt der Befragung war der umstrittene Abtransport des ausgebrannten Wohnmobils. Die Polizei ließ den Wagen samt den Leichen und sämtlichem sonstigen Interieur, aus dem sich der genaue Tat-hergang ableiten ließe, abschleppen, noch bevor ausreichend Spuren gesichert wurden. Später stand das Gefährt dann fast einen Monat ungesichert und unbewacht auf dem Hof der Abschleppfirma, ehe es in eine LKW-Röntgenanlage gebracht worden sei. Aus Sicht des Zeugen Nordgauer zumindest war der umstrittene Abtransport des Wohnmobils auf Anweisung des Einsatzleiters Menzel kein Problem. Durch die abgestürzte Decke des Wohnmobils seien die Spuren „festgebacken“ gewesen. Entgegen den in den Akten zu findenden Hypothesen für den Ablauf im Wohnmobil ging Nordgauer  aber – wie schon Zeugen in der letzten Sitzung – davon aus, dass sich Mundlos im Stehen selbst erschossen habe. Besonders dieser letzte Punkt ist wichtig, weil die angebliche Sitzposition nicht mit der Spurenlage im Wohnmobil in Übereinstimmung zu bringen ist.


In Zwickau war Nordgauer an der Durchsuchung des Brandschutts beteiligt, in dem von einem Polizisten auch die Ceska-Waffe gefunden wurde, die er selbst entgegennahm. Da sie am Vortag im Brandschutt den Ordner mit Zeitungsartikeln zu allen Ceska-Morden gefunden hatten, war sich Nordgauer sofort sicher, hier die Tatwaffe in Händen zu haben. Laut Nordgauer wurde in Zwickau zu jedem Mord eine Tüte mit der entsprechenden Kleidung gefunden, was jedoch beispielhaft nur mit der Jogginghose aus dem Kiesewetter-Mord ausgeführt wurde. Stimmt dieses bisher unbekannte Detail, dann wirft es noch mal ein neues Licht auf den Umgang der Täter mit den Morden und würde auch Fragen an Beate Zschäpe aufwerfen.