17. Mai 2016

Eine Pflanze lässt sich nicht verbieten

500 Menschen demonstrierten am 7. Mai in Erfurt beim Global Marijuana March. Fotos: th

Aus Hanf kann alles hergestellt werden

 

Endlich hat der Bundestag in die Cannabis-Prohibition etwas Schwung gebracht. Immerhin Schwerstkranke haben zukünftig Aussicht, eine Genehmigung für den  Hanfanbau zu erhalten. Schließlich hat der Wirkstoff THC, der in den weiblichen Hanfblüten bestimmter Sorten enthalten ist, unzählige medizinische Anwendungsgebiete. Das fängt bei Hühneraugen und Migräne an und reicht über Multiple Sklerose bis hin zur Linderung der Nebenwirkungen vom Chemotherapien. Die meisten Hanfsorten sind aber dafür nicht geeignet. Dafür ist die Faser diese Arten der vielfätigste Rohstoff der Welt. Ob Papier, Baustoffe oder Nahrungsmittel, aus Hanf kann so gut wie alles hergestellt werden.

 

Alkohol und Tabak weit gefährlicher 

 
Dieses Wissen war über Jahrtausende weltweit verbreitet. Doch seit Jahrzehnten wird Hanf nur auf die berauschende Wirkung reduziert. Trotz Verbots gibt es überall Menschen, die statt zum gesellschaftlich akzeptierten Alkohol lieber zum einem Joint greifen, um sich zu entspannen, zu feiern oder ihr Bewusstsein zu erweitern. Cannabiskonsum hat Gefahren, doch die meisten Ärzte wissen, das Alkohol und Tabak weitaus schädlicher sind. 

 

Politische Gründe für das Verbot


Dennoch hält sich bis heute das Ammenmärchen von der Einstiegsdroge. Zeitungen des ultrarechten US-Medientycoons William Randolph Hearst hatte das seit den 50er Jahren behauptet. Vor allem Konzernen wie dem Chemieriesen DuPont war der billige Rohstoff Hanf eine zu starke Konkurrenz für ihr gerade entwickeltes Nylon. Sich mit den politisch-historischen Fragen des Hanfes zu beschäftigen, lohnt sich auch bei Napoleon oder dem 2. Weltkrieg
Wer sich mit Fakten beschäftigt, sieht schnell, wie dumm das Verbot ist. So auch Frank Tempel, LINKER MdB aus Altenburg und ehemaliger Drogenfahnder. Das Verbot ist kontraproduktiv. Es überlastet Polizei und Gerichte, kriminalisiert harmlose Konsumenten und schafft erst den kriminellen Schwarzmarkt mit all seinen Problemen. Die Niederlande oder Neuerdings US-Bundesstaaten wie Colorado beweisen, das eine Legalisierung oder Entkriminalisierung nur Vorteile bringt.

 

Eine Steuer, die Menschen gerne zahlen 


Selbst Goethe soll Hanf einst in Weimar angebaut haben, wie Thomas Schneider von der Grünen Hilfe in Erfurt vor 500 Hanffreunden beim Global Marijuana March kundtat. Erstmals hatte der Deutsche Hanfverband in Erfurt an diesem globalen Aktionstag eine Demo organisiert. Lautstark wurden Parolen wie „Schluss mit Krimi – Cannabis anormal“ oder Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns das Ganja klaut“ durch die Innenstadt gezogen. Verführerisch-süßliche Wolken deuteten darauf hin, dass trotz Repression sich niemand vom Konsum abhalten lässt. Und wo es zu Himmelfahrt überall Schlägereien von Betrunken gab, war die Stimmung bei den Hanffreunden absolut friedlich. 
Wenn eines Tages endlich die Prohibition endet, werden sich Finanzminister und Kämmer über Millionen Steuereinnahmen freuen. Es wäre die erste Steuer, die die Menschen gerne bezahlen.          th