23. August 2016

LINKE will Mindestlaufzeit für Elektrogeräte

Von Ralph Lenkert

 

Geplante Obsoleszenz

 

Kennen Sie das? Wenn der Fernseher dunkel oder der Kühlschrank warm bleibt oder die Waschmaschine viel zu früh aus dem Leben scheidet, dann ist die Reparatur meist teurer als die Neuanschaffung. Die Berge Elektronikschrott werden größer und die Neugeräte benötigen immer mehr Ressourcen. Dabei kommen viele Rohstoffe gerade im IT-Bereich aus Krisenregionen, wo sie unter fragwürdigen ethischen und ökologischen Bedingungen gefördert werden. Kurze Produktzyklen sind für das auf Wirtschaftswachstum und auf Profit basierende System geradezu existen-ziell. Aber sie haben katastrophale Auswirkungen. Verschleiß gibt es überall, und irgendwann gehen Dinge kaputt. Gefühlt passiert das jedoch allzu oft direkt nach Ablauf der Gewährleistungsfrist. Was nach einem Konjunkturprogramm für Technikhersteller klingt, konnte bislang nur indizienhaft bestätigt werden. Die sogenannte geplante Obsoleszenz, also das bewusste Einbauen von Schwachstellen in Produkten, die dazu führen sollen, dass diese vorzeitig kaputt gehen, ist gemäß Kreislaufwirtschaftsgesetz verboten. Leider fehlt es an behördlicher Stringenz, das Gesetz auch durchzusetzen. Immer hätten Behörden den Beweis zu erbringen, dass ein Produkt absichtlich schlecht konstruiert ist. Das dürfte wegen Fragen der Komplexität der Technik auch nur schwer zu leisten sein.

 

Prinzip Mindestnutzungszeiten

 

Eine Möglichkeit, gegen frühzeitigen Ausfall vorzugehen, wäre, Mindestnutzungszeiten einzuführen. Bei Staubsaugern gibt es das schon. Die Verordnungen zur EU-Ökodesignrichtlinie legen fest, dass ein neuer Staubsauger ab kommendem Jahr insgesamt mindestens 500 Arbeitsstunden durchhalten muss. Wer pro Woche zweimal jeweils eine Stunde saugt, sollte das Gerät also 5 Jahre lang nutzen können. Aber bei einer täglichen Nutzung von 2 Stunden könnte das Gerät bereits nach 250 Tagen ausfallen – dies wäre zu früh. Das Prinzip jedoch ist gut und warum solche Mindestnutzungszeiten  nicht in vernünftiger Länge für alle anderen technischen Geräte einführen?

 

LINKEN-Antrag: mindestens fünf Jahre volle Funktionsfähigkeit 


DIE LINKE im Bundestag macht in einem Antrag dazu konkrete Vorschläge: Kühlgeräte und Waschmaschinen sollen mindestens fünf Jahre voll funktionsfähig sein, drei Jahre alle anderen Küchengeräte, ebenso Telekommunikations- und Unterhaltungselektronik sowie IT-Geräte und Mobiltelefone. Die Nutzbarkeit des Gerätes steht dabei im Vordergrund: beispielsweise Lackkratzer oder Verfärbungen, die die Funktionsfähigkeit nicht beeinträchtigen, sollen ausgenommen bleiben. Zusätzlich muss es ein Umdenken im Produktdesign geben. Das Konzept des Fairphones ist dafür beispielgebend: Ein modularer Aufbau, der garantiert, dass Geräte leicht und sogar durch die Nutzer selbst repariert werden kann.

 

Lebensweise bestimmt den Markt mit


Allein das wäre aber ein kleiner, Schritt in Richtung Nachhaltigkeit.  Die Lebensweise der Verbraucherinnen und Verbraucher selbst bestimmen den Markt mit. Gerade bei Mobiltelefonen ist es oft der Wunsch nach einem neuen Gerät, der den Ausschlag zur Neuanschaffung gibt. Mobilfunkbetreiber erzeugen diese Nachfrage auch gezielt, in dem sie Verträge offerieren, nach denen man alle ein bis zwei Jahre zu einem neuen Telefon genötigt wird. Gleichzeitig erzeugen Updates, Support und neue Apps prestigeartige Motive, die Menschen dazu bringen sollen, immer wieder die allerneueste Smartphone-Generation besitzen zu wollen. Deshalb fordern wir, dass Geräte so konzipiert sein müssen, dass „Upgrades“ gut möglich sind. „Digitale Obsoleszenz“ gipfelt in der Einstellung von Herstellersupports für veraltete Software. Das Konzept von Mindestnutzungszeiten schiebt dem einen Riegel vor. 

 

Ökologisch und Sozial: die Ressourcenverbrauchsabgabe


Ohne weitere Regulierung wird es trotzdem lukrativ bleiben, funktionierende Technik durch neue zu ersetzen. Wir schlagen eine Ressourcenverbrauchsabgabe vor. Diese sollte die Inanspruchnahme neuer Ressourcen deutlich verteuern, Sekundärrohstoffe werden bevorteilt. Damit sich das nicht sozial nachteilig auswirkt, soll mit den Einnahmen die kommunal organisierte Kreislaufwirtschaft gefördert werden. So können Abfallgebühren gesenkt werden. Zusätzlich soll ein Fonds geschaffen werden, mit dem Haushalte mit geringem Einkommen unterstützt werden, energieintensive Altgeräte durch neue Sparsame zu ersetzen. Das lohnt sich ökologisch und sozial.

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/zur_sache/detail/browse/2/artikel/linkewill-mindestlaufzeit-fuer-elektrogeraete/