21. Mai 2013

Die strukturelle Macht des Geldes

Wer das Geld hat, hat die Macht! Viele fragen sich, wer in diesem Land der Souverän ist: das Volk oder die Wirtschaftsbosse, wie der frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank Josef Ackermann. Der Schweizer steht wie kaum ein Zweiter für den ausufernden Lobbyismus, nicht nur im Kanzleramt.

Die Geldbesitzer, die Millionäre, Milliardäre und die Banken sind das Problem, daran machen sich alle politischen  Diskussionen fest, aber über das Geld an sich werden kaum Gedanken „verschwendet“! 

Geld war in der Geschichte der Menschheit, in den verschiedenen Kulturen schon fast alles: z. B. Muscheln, Steine, Felle, Rinder, Holzstäbe und vieles andere! Heute haben wir nur noch den Euro, eine Vielfalt von Geldern in einem Land gibt es nicht mehr. 


Geld sollte den Menschen dienen, anstatt Probleme zu verschärfen


Versprochen wurde uns durch die Einführung des Euro, die Lösung fast aller Probleme, aber das Gegenteil ist der Fall. Durch die weitere Zentralisierung des Geldes stehen wir vor grundsätzlichen Problemen, denn ohne ein funktionierendes Geld-Finanzsystem, ohne ein Geld, welches wirklich allen Menschen dient und nicht nur den Geldbesitzern, werden die Probleme nicht gelöst werden. Wenn eine tragende Säule unserer Gesellschaft, wie das Geldsystem falsch konstruiert ist, werden auch alle anderen Schwierigkeiten der Gesellschaft, die damit im Zusammenhang stehen, nicht gelöst werden. Im Gegenteil, denn das alles verschärft sich so nur noch weiter.

Auch die bisherigen Lösungsvorschläge der Partei DIE LINKE, sehen das Problem der „Strukturellen Macht“ des Geldes noch nicht.


500-Euro-Scheine für Schwarzgeld? 


Geld ist aber das bestimmende Element im Kapitalismus. Jeder von uns ist tagtäglich damit befasst und nimmt es in die Hand, zählt nach, was noch davon im Portmonee  oder noch auf den Konten vorhanden ist. Vielleicht ist es ja auch ein 500- Euro-Schein, den man benutzt. 

Das ist allerdings relativ unwahrscheinlich, weil wir in der Regel 20- und 50-Euroscheine benutzen. Aber 630 Millionen 500-Euro-Scheine befinden sich laut EZB dennoch im Umlauf, jedenfalls wurden sie herausgegeben. Die EZB gibt zu, dass sie nicht weiß, wo sich das Bargeld befindet.

2008 hatte die Zentralbank vermutet, dass fast 60 Prozent der 500-Euronoten in Spanien als Schwarzgeld zur Immobilienfinanzierung in Umlauf sind. Heute gibt sie zu, überhaupt nicht zu wissen bzw. kontrollieren zu können, wer die großen Banknoten hat bzw. wofür sie eingesetzt werden. Anlagemöglichkeiten in der Wirtschaft gibt es immer weniger und die Auswirkungen der Finanzspekulationen sind überall sichtbar.

Die allerwenigsten Menschen machen sich Gedanken darüber, was Geld eigentlich ist und warum dies so ist. Man nimmt es so hin, so wie es ist. Es werden sich keine Gedanken darüber gemacht, ob Veränderungen am Geld möglich und sinnvoll sind.

Geld ist eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit. Ohne Geld gäbe es keine arbeitsteilig organisierte Gesellschaft.

Heute haben wir den Euro als einzig legitimiertes staatliches Zahlungsmittel. Laut Gesetz ist man zur Annahme des Eurogeldes verpflichtet, aber nicht zu seiner Weitergabe.

Das bedeutet, dass jeder mit seinem bzw. dem öffentlichen Geld (Geld wird im staatlichen Auftrag hergestellt und herausgebracht), weil es das Einzige gesetzliche Zahlungsmittel ist, machen kann was er will. Obwohl alle Menschen in unserer Gesellschaft auf Geld angewiesen sind. 

Das Geld wird, von den Geldbesitzern, nur gegen Zinsen wieder herausgegeben, obwohl sie eigentlich mehr als genug haben und es gesellschaftspolitisch keinen Sinn macht, immer mehr Reichtum anzuhäufen. 

Wenn die Geldbesitzer keine ausreichenden Anlagemöglichkeiten mehr haben, ziehen sie ihr Geld aus der Region bzw. dem Land ab oder gehen zum „Geldstreik“ über und warten, bis die Renditeerwartungen wieder besser werden.

Aber was ist Geld? Wieso können die Geldbesitzer dies tun, haben sie besondere unerkannte Fähigkeiten oder besitzt das Geld besondere „Fähigkeiten“?

Laut Definition ist Geld ein Äquivalent zur Preisbildung/Findung als ein Tauschmittel und ein Wertaufbewahrungsmittel. Das heißt, über das Geld habe ich in Zukunft Anspruch aus den Leistungen und Waren des Bruttosozialproduktes der Zukunft. 

Da aber der Euro das einzige offizielle Zahlungsmittel ist, mutet es eigentlich sehr merkwürdig an, den Geldfluss in unserer Gesellschaft dem Zufall bzw. dem Willen der Geldbesitzer zu überlassen.

Wenn Geld einen Annahmezwang unterliegt, muss es als öffentliches Gut auch einen Weitergabezwang unterliegen.

Geld ist das einzige Medium in unserer Gesellschaft, welches eine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel für die Zukunft hat (Inflation ausgenommen). Alle anderen Güter der Gesellschaft unterliegen einem stetigen Wertverfall bzw. einem Angebotszwang. Die Funktion als Wertaufbewahrungsmittel, verleiht dem Geld quasi eine Ewigkeitsfunktion und die ist die unerkannte strukturelle Macht, welche dem Geld inne liegt und dadurch den Geldbesitzern ermöglicht, die Bedingungen der Gesellschaft zu diktieren, wie sei das Geld der Gesellschaft zu Verfügung stellen.

Mit der Beseitigung der strukturellen Macht, würde zwar das Geld seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel verlieren, aber in einer Gesellschaft, in der es praktisch keinen Mangel mehr geben muss, wird  Geld als Wertaufbewahrungsmittel gar nicht mehr benötigt. Die Abschaffung dieser Funktion des Geldes hätte auch noch weitere prinzipielle Auswirkungen auf unsere Gesellschaft.


Geld mit Benutzungsgebühr


Schon J. M. Keynes sprach von der Notwendigkeit und Möglichkeit, „Den sanften Tod der Rentiers zu ermöglichen – mit der Einführung eines Geldes mit Benutzungsgebühr.“

Praktisch würde dies bedeuten, dass es für Bargeld und für Sichteinlagen auf Konten, Negativzinsen geben wird. Nur für längerfristige Geldanlagen in Wirtschaftsinvestitionen, gibt es Renditen von etwas über Null. Die leistungslosen Einkommen aus dem Geldbereich können so verschwinden.

Wobei die Probleme der Boden- und Immobilienspekulation, nur mit einer Bodenreform bzw. einer Reform der Grundsteuer zu lösen wären, denn in dem Bereich werden die höchsten Profite erzielt. Man sieht es ja gerade besonders deutlich an den steigenden Mieten in Jena und in Erfurt.

Damit würden die Zinseinnahmen der Geldbesitzer in Deutschland in Höhe von ca. 480 Milliarden Euro wegfallen, welche die Kreditbelastung der Wirtschaft, der öffentlichen Hand und aller anderen Privatpersonen, nicht weiter ansteigen lassen würden. Die Millionäre und Milliardäre würden durch Geldgeschäfte nicht reicher werden. Sie müssten dann das eigentliche öffentliche Gut Geld allen Nutzern kostenlos zur Verfügung stellen.

Das würde auch bedeuten, dass 480 Milliarden Euro des Bruttosozialproduktes nicht produziert werden müssen. Gleichzeitig würden die Preise sich um diese Summe verringern. Die Menschen bräuchten dann nicht mehr so viel zu arbeiten, weil die Arbeitszeit zur Produktion der 480 Milliarden Euro nicht mehr benötigt würde.

Mit dem Ende der Macht des strukturellen Geldes, würde der Kapitalismus völlig anders aussehen. Es wären keine Geldspekulationen, kein Schwarzgeld, keine Bestechungen, kein grauer Kapitalmarkt u. a. mehr möglich, also Dinge, die mit dem Geld als Wertaufbewahrungsmittel heute möglich sind. Es gäbe keinen Finanzkapitalismus mehr.


Norbert Schneider