17. April 2012

Steigende Benzinpreise – heißt das höhere Pendlerpauschale?

Die Zukunft des Verkehrs liegt nicht in der individuellen Massenmotorisierung, sondern bei ÖPNV, Car-Sharing, E-Mobilität und dem guten, alten Fahrrad.

Wer zu Ostern zu den lieben Verwandten unterwegs war und den Pkw nutzte, musste früher oder später an die Tankstelle fahren. Die Spritpreise sind auf Rekordniveau; ein Liter Benzin kostete bis zu 1,70 Euro. Aber ist das wirklich so neu, so schockierend? Seit 40 Jahren wissen wir, dass die globalen Erdölvorräte erschöpft sind. Es werden immer weniger Ölfelder entdeckt und der Verbrauch steigt unaufhaltsam. Es hätte uns doch klar sein müssen, dass es so nicht weiter gehen konnte. Und was haben wir im Westen gemacht? Wir haben einfach noch mehr Autos gebaut, die noch mehr Treibstoff verbrauchen. 

Die Tatsache, dass die Benzinpreise steigen, führt uns eines deutlich vor Augen: Der Klimawandel und Peak Oil sind real. Sie treten ein. Wir müssen jetzt umsteuern. Anstatt eine Anhebung der Pendlerpauschale zu fordern, sollten Alternativen diskutiert werden. Die Pendlerpauschale ist ein Relikt aus einer Zeit, da man in Vorstadtsiedlungen Reihenhäuser kaufte und als Arbeitnehmer täglich in die 30 km weit entfernte Stadt seinem gut bezahlten Job nachging. Heute aber müssen wir uns Gedanken machen, wie wir Mobilität und die Versorgung mit Energie im Allgemeinen so organisieren, dass alle Menschen daran teilhaben können und nicht von vornherein ausgeschlossen sind. Klar sind viele Menschen auf das Auto angewiesen. Was aber ist mit denen, die bereits in der Nähe ihres Arbeitsortes wohnen und vielleicht höhere Mieten zu zahlen haben? Wie kommen diejenigen, die trotz Arbeit auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sind zu einer Unterstützung bei den Energiepreisen? Der individuelle motorisierte Verkehr ist, auf die globalen Zustände bezogen, ein teurer Luxus. Ist es zu verantworten, dass der letzte Regenwald abgeholzt wird, damit wir grünen Bio-Sprit tanken können? 

Die steigenden Energiepreise sind vor allem auch ein soziales Problem. Kollektive Verkehrssysteme bieten da gute Lösungen. Dennoch wurden allein in Thüringen seit 1990 etwa 500km Gleise stillgelegt und Nahverkehrsverbindungen gekappt. Jede Gemeinde hat eine schöne Umgehungsstraße bekommen aber die Bahn verkauft ihre Bahnhöfe an Private. Die Diskussion um die Pendlerpauschale ist ein schönes, wiederkehrendes Thema, bei dem sich die politischen Konkurrenzen mit Erhöhungsvorschlägen überbieten. Muss aber nicht unser Verkehrskonzept generell überdacht werden? Die Benzinpreise werden auch weiter steigen und selbst die von den Grünen einst geforderten fünf  Mark werden gewiss noch übertroffen. Da fragt man sich, was die bundesdeutsche Politik überhaupt mit der Ökosteuer gemacht hat? Die Gelder wurden für alles Mögliche ausgegeben, aber nicht für die Umsetzung alternativer Verkehrskonzepte. Aber genau darauf kommt es an. Nicht die Erhöhung der Pendlerpauschale ist angezeigt, sondern eine gezielte Lenkung des Verkehrs. Weg von der Straße, hin auf die Schiene. Vor allem im Güterbereich kappt man weiterhin Gleisanschlüsse und der Anschluss mittlerer Betriebe an das Bahnnetz ist mit so großen Hürden verbunden, dass viele Unternehmen dies gar nicht erst erwägen. Wo, wenn nicht in Europa, gibt es die wirtschaftlichen und finanziellen Möglichkeiten, moderne, auf den Klimawandel abgestimmte Verkehrskonzepte umzusetzen? 

Hierin liegt die eigentliche Chance. Treten wir den Beweis an, dass mit einer klug durchdachten Verkehrspolitik Mobilität für alle zu bezahlbaren Preisen machbar ist, der Klimawandel und alle damit einhergehenden Folgen lösen sich nicht von selbst. 

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/thema/detail/browse/8/artikel/steigende-benzinpreise-heisst-das-hoehere-pendlerpauschale/