9. Oktober 2013

Vor 75 Jahren: „Heim ins Reich“ bis zum bitteren Ende

Mit dieser Fotomontage warnte der bekannte Künstler John Heartfield die deutsche Bevölkerung der ČSR vor dem Hitler-Faschismus. Foto: ass, Gerhard: „Bankrott der Münchener Politik“, in: „illustrierte historische hefte“ Nr. 50, Zentralinstitut für Geschichte und Institut für Allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR (Herausgeber), VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1988



„Aus Leid wurde Glück, Freude und frohe Zuversicht“ schrieb die „Illustrierte des Ostens“ im Oktober 1938 zu einem angesichts einmarschierender Soldaten der Wehrmacht des „Dritten Reiches“ jubelnde und die Rechte zum Nazi-Gruß gestreckt habende Kinder, Männer und trachtentragende Frauen zeigenden Pressebild. Ganze sechs Jahre und sieben Monate danach sollte sich zeigen, welchem Trugbild mehr als drei Millionen deutscher Bürger der am 28. Oktober 1918 ausgerufenen Tschechoslowakischen Republik (Československá Republika – ČSR) erlegen waren, ja, dass sie geradezu den sprichwörtlichen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatten, als die große Mehrzahl von ihnen die Heimat zwangsweise aufgeben musste. Was hatte 91,44 % der Wahlberechtigten bei den in drei Abschnitten (23. und 29. Mai, 12. Juni) durchgeführten Gemeindewahlen 1938 bewogen, für die vom ehemaligen Turnlehrer Konrad Henlein angeführte Sudetendeutsche Partei (SdP), dem Ableger der NSDAP, zu stimmen? Die SdP war schließlich nicht nur eine offen faschistische Partei, sie wirkte als „Fünfte Kolonne“ der (reichs)deutschen Nazi-Partei und betrieb in Hitlers persönlichem Auftrag die Lostrennung der vorwiegend von Bürgerinnen und Bürgern deutscher Nationalität bewohnten Grenzgebiete des tschechischen Landesteils und darüber hinaus die vollständige Zerschlagung der ČSR. Gegründet am 1. Oktober 1933 in Eger (Cheb) als „Sudetendeutsche Heimatfront“ war sie im Mai 1935 zur „Sudetendeutschen Partei“ umgebildet worden, wodurch ihr die Teilnahme an Wahlen ermöglicht wurde. Ihre Vorläufer waren die „Deutsche Nationalpartei“ (DNP) und die „Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei“ (DNSAP), wobei letztere eine getreue Kopie der NSDAP war, zu der unter anderem mit dem „Volkssportverband“ eine an die SA angelehnte Schlägertruppe und der „Nationalsozialistischen Jugend“ ein nach dem Vorbild der HJ aufgestellter Jugendverband gehörten. Beide Parteien lösten sich bis zum 4. Oktober 1933 auf, um dem dann am 7. Oktober erlassenen offiziellen Verbot zuvorzukommen. Insbesondere die Mitglieder und Funktionäre der DNSAP, aber auch solche der nach ihrer Wiederzulassung rasch bedeutungslos gewordenen DNP, fanden sehr schnell bei der SdP Unterschlupf. Mit massiver Unterstützung aus dem „Dritten Reich“ gewann letztere 1935 mit 1.249.530 Wählerinnen und Wählern von allen Parteien die meisten Stimmen und stellte 44 von 300 Mitgliedern des Abgeordnetenhauses sowie 23 im Senat. Mit 68 % Stimmenanteil in den deutschsprachigen Gebieten lief sie den hier bislang vorherrschend gewesenen politischen Kräften – Bund der Landwirte, Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei und Kommunistische Partei der Tschechoslowakei – alsbald den Rang ab. Am 23. März 1938 beendeten zudem alle anderen bürgerlichen deutschen Parteien ihr Dasein und schlossen sich der SdP an. Allerdings waren nicht alle ihrer Mitglieder aus eigenem Antrieb und somit freiwillig eingetreten – sie bediente sich zum einen sehr aggressiver und aufdringlicher Werbemethoden, zum anderen wurde auch solange Druck auf noch abseits Stehende ausgeübt, bis sie sich in die Mitgliederlisten eintragen ließen.

War der Wahlkampf von 1935 vor allem durch den „Verein für das Deutschtum im Ausland“ (VDA) finanziert worden, so flossen alsbald auch reichlich Gelder aus dem Auswärtigen Amt, der „Deutschen Arbeitsfront“ (DAF) und Hermann Görings „Vierjahresplanbehörde“. Das Endziel, die Zerschlagung des tschechoslowakischen Staates, war dabei schon 1933 unmittelbar nach der Machtübergabe an die NSDAP auf die Tagesordnung gesetzt worden. Seitdem wurde in der Propaganda auch nur noch und sehr massiv der vereinzelt schon ab 1902, vor allem aber ab 1920 aufgekommene Begriff „Sudetendeutsche“ für die deutschen Einwohner Böhmens, Mährens und Mährisch-Schlesiens benutzt, obwohl die Sudeten als Gebirgszug nur einen Teil von deren Siedlungsgebiet ausmachten. Das Wort war bewusst gewählt worden, wirkte es doch einprägsamer und zugkräftiger als die früheren und seit der Gründung der ČSR auch nicht mehr erwünschten Bezeichnungen „Deutschböhmen“, „Deutschmährer“ und „Deutschschlesier“. Vor allem aber vermittelte es den Eindruck der Zugehörigkeit zu einer besonderen nationalen Gemeinschaft innerhalb der ČSR, die letztlich Bestandteil der durch das „deutsche Mutterland“ verkörperten „großen deutschen Volksgemeinschaft“ sein sollte. Von da war es im Grunde genommen nicht mehr weit bis zur „Schlussfolgerung“, dass jene gewissermaßen gegen ihren Willen von dieser „Volksgemeinschaft“ getrennte nationale Gemeinschaft in diese „heimkehren“ müsse und das natürlich mitsamt ihren Siedlungsgebieten, nicht etwa durch Auswanderung. Da liegt der Ursprung der Propagandalosung „Wir wollen heim ins Reich!“ sehr nahe. Zunächst langsam und unmerklich, dann immer offener, dreister und massierter wurden deshalb alle Register gezogen, um die europäische Öffentlichkeit auf die widerstandslose Hinnahme der Zerschlagung der Tschechoslowakei einzuschwören. Das Land galt dem faschistischen deutschen Imperialismus als Hindernis bei der angestrebten Verwirklichung seiner Aggressionspläne, setzte es doch allein schon durch seine Existenz Grenzen für die Beherrschung Mitteleuropas und das Vordringen nach Südosteuropa und Kleinasien. Dazu kamen neben den für beutehungrige Konzerne interessanten leistungsfähigen Industrieunternehmen, vor allem für Rüstungsgüter, für die Versorgung der Kriegswirtschaft wichtige Bodenschätze wie Stein- und Braunkohle sowie Eisen-, Blei- und Uranerze. Außerdem war die Tschechoslowakei für den angestrebten Krieg als wichtiger Nahrungsmittellieferant vorgesehen, wofür ebenso wie im Falle Österreichs eiskalt die Vertreibung von mehreren Millionen Einwohnern in Kauf genommen wurde, wie aus einer von Wehrmachtsadjutant Oberst Hoßbach angefertigten Niederschrift über eine Besprechung Hitlers mit dem seinerzeitigen Kriegsminister Generalfeldmarschall Werner von Blomberg, Außenminister Konstantin von Neurath und den Befehlshabern der Teilstreitkräfte am 5. November 1937 hervorgeht: „... Wenn auch die Besiedelung insbesondere der Tschechei keine dünne sei, so könne die Einverleibung der Tschechei und Österreichs den Gewinn von Nahrungsmitteln für 5 bis 6.000.000 Menschen bedeuten unter Zugrundelegung, daß eine zwangsweise Emigration aus der Tschechei von 2, aus Österreich von 1.000.000 Menschen zur Durchführung gelange. Die Angliederung der beiden Staaten an Deutschland bedeute militärpolitisch eine wesentliche Entlastung infolge kürzerer, besserer Grenzziehung, Freiwerdens von Streitkräften für andere Zwecke und der Möglichkeit der Neuaufstellung von Truppen bis in eine Höhe von etwa 12 Divisionen, wobei auf 1.000.000 Einwohner eine neue Division entfalle. ...“ Deutsche Bevölkerung und ungelöste Nationalitätenprobleme waren da nur der erwünschte und somit hochwillkommene Vorwand zur Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Nachbarstaates, um das Ziel möglichst rasch zu erreichen.

Spätestens ab 1934 begannen sich deshalb in der Presse des „Dritten Reiches“ Meldungen über „tschechische Greueltaten“, „tschechische Unterdrückung“ und „tschechischen Terror“ gegen die deutschen Bürger des Landes zu häufen. Diese der Wahrheit mindestens sehr wenig gerecht gewordene Propaganda wurde von Jahr zu Jahr verstärkt und erreichte ihren Höhepunkt im Jahre 1938. Systematisch wurde damit nicht nur ein Bild geschaffen, das die ČSR als einen „Hort des Terrors gegen das Deutschtum“ hinstellte, sondern auch das politische Klima im Lande mehr und mehr vergiftet. Ebenso wurde die SdP zu Terrorakten gegen tschechische und jüdische Mitbürger, staatliche Behörden, deutsche Sozialdemokraten und Kommunisten sowie sich vom Faschismus Fernhaltende oder ihn offen Ablehnende ermuntert. Gegenüber der tschechoslowakischen Regierung stellte sie in enger Absprache mit der Reichsleitung der NSDAP immer schärfere Forderungen, die schließlich bis zur Gefährdung der territorialen Integrität der ČSR gingen. Dazu gehörten die strikte Zurückweisung des neuen Minderheiten-Statuts am 24. April sowie all seiner weiteren Fassungen und das eine „NS-Selbstverwaltung“ fordernde Karlsbader Programm. Die Anweisungen dazu hatte Konrad Henlein am 28. März 1938 von Hitler persönlich erhalten, wie der Niederschrift zu jener Besprechung zu entnehmen ist: „Die Tendenz der Anweisung, die der Führer Henlein gegeben hat, geht dahin, daß von Seiten der SDP Forderungen gestellt werden sollten, die für die tschechische Regierung unannehmbar sind.“ Ja, Hitler wollte die SdP-Führung gar die Aufstellung eigener deutscher Einheiten der tschechoslowakischen Streitkräfte mit ausschließlich deutschen Offizieren und deutscher Kommandosprache verlangen lassen, wobei es Henlein allerdings klüger erschien, sich in dieser Hinsicht noch zurückzuhalten. Insgesamt aber waren sich beide freilich völlig einig gewesen: „Henlein hat dem Führer gegenüber seine Auffassung wie folgt zusammengefaßt: Wir müssen also immer so viel fordern, daß wir nicht zufriedengestellt werden können. Diese Auffassung bejahte der Führer.“ Mit dem ab 14. Mai 1938 aufgestellten „Schutzdienst“ schuf sich die SdP ein Instrument, mit dem schwere Zusammenstöße mit der tschechoslowakischen Polizei und Gendarmerie provoziert sowie dem Faschismus entgegentretende Bürger terrorisiert wurden. So verhafteten SdP-Mitglieder am 13. September im Oberwiesenthal gegenüberliegenden Böhmisch Wiesenthal (Český Wiesenthal, ab 1947 Loučná pod Klínovcem) gegen jedes Recht und Gesetz die acht deutschen Mitglieder der Kommunistischen Partei und trieben sie an den teils schweigenden, teils Beifall klatschenden Einwohnern vorbei zum Grenzübergang. Dort zwangen sie den tschechoslowakischen Posten mit Waffengewalt zum Öffnen des Schlagbaums und übergaben die Verhafteten einem bereits an der Grenze wartenden SA-Kommando. Dieses wiederum sorgte für die Verschleppung der acht deutschen Bürger der ČSR ins KZ Dachau. Auslöser dafür wie auch für die am gleichen Tage in Eger (Cheb) und Falkenau an der Eger (Falknov nad Ohří, ab 1948 Sokolov) ausgelösten blutigen Zusammenstöße mit der Gendarmerie war die am Vortag von Hitler auf dem „Reichsparteitag“ der NSDAP gehaltene Rede, in der er mit einem militärischen Eingreifen gedroht und provokatorisch erklärt hatte, „die Sudetendeutschen“ seien weder „wehrlos noch verlassen“. Dass die Beisetzung der dabei getöteten SdP-Anhänger zu einer politischen Propagandaveranstaltung mit maßloser Hetze gegen den tschechoslowakischen Staat gemacht wurde, versteht sich von selbst. Das Aufputschen völlig irrationaler antitschechischer Hassgefühle mit dem Ziel, weitere Gewaltakte auszulösen, gehörte zu den bevorzugten Methoden der SdP. Am 26. September 1938 verbreitete die Presse des „Dritten Reiches“ Greuelnachrichten über angeblich von der tschechoslowakischen Armee im Grenzgebiet gesprengte Brücken und Bahnstrecken. Dazu gesellten sich triumphierende Berichte über einen Putsch der SdP im Bezirk (Landkreis) Asch (Aš), die das gesamte Gebiet mit Waffengewalt unter ihre Kontrolle gebracht und hermetisch abgeriegelt hatte. An die 400 Menschen, vorwiegend tschechische Verwaltungsbeamte und Mitglieder der Kommunistischen Partei, wurden ohne Recht und Gesetz verhaftet, in Lastwagen abtransportiert und über die Grenze verschleppt. Auf dem Rathaus der Stadt wurde die Hakenkreuzfahne aufgezogen, so, als sei das Münchner Diktat vom 29. September längst unterzeichnet und der faschistische Einmarsch bereits abgeschlossen.

Dabei erfolgten die immer schärferen Angriffe gegen den tschechoslowakischen Staat längst schon von zwei Seiten, gewissermaßen in West und Ost: In der Slowakei bediente sich der deutsche Faschismus sowohl der dortigen, als „Karpatendeutsche Partei“ (KdP) entstandenen SdP-Verbände unter dem von Hitler zum „Führer des Karpatendeutschtums“ ernannten Dipl.-Ing. Franz Karmasin als auch der vom katholischen Priester Andrej Hlinka gegründeten klerikal-faschistischen „Slowakischen Volkspartei“ (vollständiger Name: „Hlinkas Slowakische Volkspartei“ - „Hlinkova Slovenská Ľudová Strana“, HSLS). Dabei waren SdP und Hlinka-Partei nicht nur politisch eng verbündet, beide schufen sich auch mit der „Freiwilligen Schutzstaffel“ (FS) und der „Hlinka-Garde“ („Hlinkova Garda“ - HG) an SA und SS angelehnte Terrorinstrumente zur Einschüchterung von Anhängern und Verteidigern des gemeinsamen Staates sowie von Kommunisten, Sozialdemokraten und jüdischen Mitbürgern. Beide faschistische Parteien fanden einen durchaus guten Nährboden vor, zählte doch der nur gering industrialisierte, vorwiegend von Land- und Forstwirtschaft geprägte slowakische Landesteil zu den rückständigsten und von der Prager Regierung noch weitgehend vernachlässigten Gebieten der ČSR. Slowakei und die östlich angrenzende Karpato-Ukraine, auch Karpato-Ruthenien genannt, waren das sprichwörtliche Armenhaus der Republik.

Zu dieser inneren und natürlich von außen nach Kräften geförderten kam die äußere Bedrohung der Tschechoslowakischen Republik: Militärisch hatte sich das „Dritte Reich“ mit der Annexion Österreichs am 12. März 1938 für den geplanten „Fall Grün“ eine äußerst günstige Aufmarschbasis geschaffen, wurde doch der tschechische Landesteil nun von Nordosten, Norden, Westen und Süden bedroht. Der slowakische Separatismus schloss diesen Bedrohungsring im Osten. Verschärft wurde die Einkreisung des Landes durch Gebietsansprüche Polens und des mit dem „Dritten Reich“ verbündeten Ungarn, das unter seinem Diktator Horthy den Anschluss der von einer ungarischen Minderheit bewohnten Südslowakei verlangte. Diese Gebietsforderungen fanden selbstverständlich die wohlwollende Unterstützung des deutschen Faschismus, wobei dieser natürlich stets darauf bedacht war, dass dabei nichts seinen eigenen Interessen zuwiderlief: Zur Abstimmung des gemeinsamen Vorgehens empfing Hitler am 20. September auf dem Obersalzberg den ungarischen Ministerpräsidenten Béla Imrédy von Ómoravicza, Außenminister Kálmán von Kánya und Generalstabschef Ferenc Keresztes-Fischer. Im Anschluss daran folgte das Gespräch mit dem Botschafter der Republik Polen, dessen Land die Abtretung des im nordöstlichen Mährisch-Schlesien gelegenen und von einer polnischen Minderheit bewohnten 1.000 km² großen südlichen Olsa-Gebiets forderte. Am gleichen Tage traf sich Hermann Göring in Alt-Sternberg mit dem ungarischen Diktator Admiral Miklós (Nikolaus) Horthy von Nagybánya. Miklós Kozma von Leveld, bis 1937 Außenminister und zwei Jahre später Regierungskommissar für die annektierte tschechoslowakische Karpato-Ukraine, sollte am 12. April 1939 offen zugeben, dass auch die ungarische Minderheit ausschließlich für schmutzigste Zwecke missbraucht worden war, als er sagte, dass „die Forderungen für die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern nur eine Taktik waren, die die Verwirklichung des strategischen Ziels – der Erneuerung von Großungarn, das das gesamte Karpatenbecken ausfüllt – näher bringen sollte.“ Folgerichtig machten Ungarn und Polen schon am nächsten Tag ihre Gebietsforderungen gegenüber der ČSR geltend und am 21. September 1938 schloss sich der Slowakei mit der Karpato-Ukraine wie bestellt auch der östlichste Landesteil mit dem Verlangen nach Selbständigkeit an. Damit waren endgültig die Weichen hin zur Zerschlagung des Staates umgelegt worden.

Doch noch bestand Hoffnung, das Unheil abzuwenden, war doch die ČSR nicht allein, zumindest formal: Seit dem 2. Mai 1935 bestand ein Beistandsvertrag zwischen der UdSSR und der Französischen Republik, dem am 16. Mai ein ähnlicher Vertrag zwischen UdSSR und ČSR folgte. Ein zu letzterem abgeschlossenes Zusatzprotokoll bestimmte unter Bezugnahme auf den Vertrag mit Frankreich unter anderem: „Gleichzeitig erkennen die beiden Regierungen an, daß die Verpflichtungen zu gegenseitiger Hilfeleistung nur insoweit zwischen ihnen gelten werden, als dem angegriffenen Teil unter diesen im Vertrag vorgesehenen Bedingungen Hilfe durch Frankreich geleistet wird.“ Damit war sowjetische Hilfe im Falle einer deutsch-faschistischen Aggression nur unter der Voraussetzung möglich, dass Frankreich ebenfalls seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkam: Zum einen gehörte die Französische Republik ebenso wie das Vereinigte Königreich zu den „Geburtshelfern“ der Tschechoslowakischen Republik und damit zu den Garantiemächten für deren Sicherheit und territoriale Unantastbarkeit, zum anderen konnte der faschistischen Aggressionspolitik nur durch ein System der kollektiven Sicherheit wirksam entgegengetreten werden. Außerdem verfügte die ČSR dank umfangreicher und leistungsfähiger Industrie im tschechischen Landesteil über eine gut ausgerüstete und modern bewaffnete Armee mit einer Friedensstärke von 180.000 Mann. Dazu kam ein umfangreiches System von nur schwer zu überwindenden Befestigungsanlagen im Grenzgebiet zum „Dritten Reich“. Die Republik war demzufolge durchaus in der Lage, dem faschistischen Aggressor die Stirn zu bieten. Voraussetzung dafür war freilich, dass sie sich auf ihre Vertragspartner verlassen konnte. Doch wie schon im Falle der Spanischen Republik zogen die Regierungen beider Großmächte eine als „Appeasement“ unrühmlich in die Geschichte eingegangene Politik der Beschwichtigung des und der Verständigung mit dem deutschen Faschismus vor, glaubten sie doch, mittels Zugeständnissen seinen Aggressionsdrang ausschließlich nach Osten und damit gegen die UdSSR lenken zu können. Aus dieser Illusion heraus erwuchs denn auch ihre Bereitschaft, die mit ihnen verbündete ČSR letztendlich zu opfern. Wie sehr das „Dritte Reich“ darauf bauen und somit davon ausgehen konnte, bei hinreichend geschicktem Vorgehen leichtes Spiel zu haben, zeigte ein am 26. August 1938 abgefasster Bericht des Auswärtigen Amtes an Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop, in dem es unter anderem heißt: „II. Das aktuellste Problem der deutschen Politik, das tschechische, kann leicht, muß aber nicht zum Konflikt mit der Entente führen. Weder Frankreich noch England suchen Händel wegen der Tschechei. Beide würden die Tschechei vielleicht sogar sich selbst überlassen, wenn diese ohne direkte äußere Eingriffe und durch innere selbstverschuldete Auflösungserscheinungen ihr verdientes Los erlitte. ... Hierfür wird das z.Z. von England ausgehende Stichwort des Selbstbestimmungsrechts der Sudetendeutschen, das wir bewußt uns bisher nicht zu eigen gemacht haben, langsam aufzugreifen sein. Die internationale Überzeugung, daß diesen Deutschen die Wahl ihrer staatlichen Zugehörigkeit vorenthalten worden sei, wird nützliche Vorarbeit tun, gleichgültig, ob der chemische Auflösungsprozeß des tschechoslowakischen Staatsgebildes doch noch durch mechanisches Zutun gefördert werden kann oder nicht. ...“ Wie sehr die Führung des „Dritten Reiches“ auf jene „Appeasement“-Politik bauen konnte, zeigte sich am 15. September beim von Neville Chamberlain am Vortage eilends angebotenen Besuch auf Hitlers Berghof, wo sich der britische Premierminister mit einer Abtretung der tschechoslowakischen Grenzgebiete einverstanden erklärte. Angesichts dieses dienstbeflissenen Zurückweichens war es Henlein nun ein leichtes, seinen theatralischen Aufruf „Wir wollen heim ins Reich!“ zu verkünden. Als sich die tschechoslowakische Regierung anderntags zum Verbot der SdP aufraffte, flohen viele Mitglieder und Funktionäre über die nahe Grenze, um dort mit umfangreicher deutscher Hilfe eine „Sudetendeutsches Freikorps“ genannte Bürgerkriegstruppe aufzustellen. Nachdem am 18. September fünf deutsche Armeen in ihren Bereitstellungsräumen konzentriert worden waren und die Londoner Ministerkonferenz der Westmächte ein Ultimatum an die ČSR gerichtet hatte, wurde in Moskau angefragt, ob die UdSSR notfalls auch ohne französische Beteiligung Beistand gewähren würde. Die sowjetische Regierung sagte diesen bei Vorliegen eines entsprechenden Hilfeersuchens aus Prag auch zu. Das allerdings kam nicht, vielmehr zog die nach wie vor in Antikommunismus und Antisowjetismus befangene tschechoslowakische Regierung nach maßloser faschistischer Hetze gegen den Vertrag mit Behauptungen wie, die ČSR sei das „Flugzeugmutterschiff Moskaus“, am 21. September die Annahme des Ultimatums vor. Die dadurch ausgelösten Streiks und Protestdemonstrationen in Prag/Praha, Brünn/Brno, Pilsen/Plzeň und anderen Städten führten zum Sturz der Regierung Hodža, an deren Stelle die Regierung Sirový trat. Unterdessen trafen sich Hitler und Chamberlain ein zweites Mal in Bad Godesberg, wobei ersterer nunmehr zusätzliche Forderungen, so nach einem sofortigen Einmarsch, Volksabstimmungen in weiteren Gebieten und Befriedigung der Ansprüche Polens und Ungarns, stellte. Die Regierung der ČSR bäumte sich mit der am 23. September verfügten Mobilmachung der Armee ein letztes Mal auf, konnte dabei jedoch nicht verhindern, dass zahlreiche deutsche Wehrpflichtige der Anordnung nicht Folge leisteten, sondern ins „Dritte Reich“ desertierten. Die daraufhin verfügte teilweise Mobilmachung der britischen und französischen Streitkräfte blieb zudem ein Scheinmanöver. Einzig die illegale KPD appellierte: „Hände weg von der Tschechoslowakei!“ Unbeeindruckt von allen Protesten übergab der britische Militärattaché in Berlin am 24. September die Godesberger Forderungen an die ČSR, in denen nicht mehr und nicht weniger als die Räumung der Grenzgebiete zum „Dritten Reich“ bis zum 1. Oktober verlangt wurde. Deren umgehende Ablehnung veranlasste Chamberlain, direkte Verhandlungen zwischen den Regierungen in Berlin und Prag vorzuschlagen. Hitler wies das nicht nur brüsk zurück, sondern verkürzte die Räumungsfrist gar noch auf den 28. September, 14.00 Uhr, und drohte in seiner Rede im Berliner Sportpalast ganz unverhüllt mit Krieg. Daraufhin kam ihm die britische Regierung mit ihrer Erklärung, die Abtretung sei bereits zugestanden, auch noch entgegen. Sodann mahnte der US-amerikanische Präsident Roosevelt, den Streit friedlich beizulegen, und intervenierte beim italienischen Diktator Benito Mussolini als Hitlers engstem Verbündeten. Chamberlain bat Hitler unterwürfig um Frieden und schickte ein Vermittlungsersuchen nach Rom. Nun ging alles Schlag auf Schlag – am 28. September verständigte sich Mussolini mit Hitler über eine Viermächte-Konferenz, von der die ČSR als Betroffene selbstverständlich ausgeschlossen wurde. Was am nächsten Tag von den nach München geeilten Politikern, dem französischen Präsidenten Edouard Daladier, dem britischen Premierminister Chamberlain, Hitler, Reichsaußenminister von Ribbentrop sowie Mussolini und seinem Außenminister Graf Ciano als „Münchner Abkommen“ ausgehandelt und unterschrieben wurde, war kein Vertrag mit der ČSR, sondern einer über sie, ein Diktat. Es forderte nicht nur die Räumung der Grenzgebiete in mehreren Abschnitten zwischen dem 1. und 10. Oktober, sondern erkannte auch die Ansprüche Polens und Ungarns an. Garantien für die künftigen tschechoslowakischen Grenzen wurden selbstverständlich nicht gegeben, die Führung des „Dritten Reiches“ wollte ja den gesamten Staat zerschlagen. Mitten im Frieden war über einen unabhängigen Staat entschieden worden, so, als sei er der Verlierer eines Krieges gewesen! Die Regierung in Prag zog es vor, sich statt einer vor allem von der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei geforderten Mobilisierung der Volksmassen und eines Hilfeersuchens an die UdSSR dem Diktat zu beugen. Zwar geschah das unter Protest, doch der blieb lediglich formaler Natur. So nahm denn das Verhängnis seinen Lauf – ab 1. Oktober rückte die Wehrmacht in die Grenzgebiete ein, vielerorts bejubelt von einer mit verlogenen nationalistischen, deutschtümelnden, antitschechischen, antisemitischen und antikommunistischen Parolen irregeleiteten Bevölkerung. Ihr auf dem Fuße folgte der künftige Unterdrückungsapparat in Form von SS-Verbänden, Polizei und Gestapo. Derart ermuntert bat die polnische Regierung in Prag gar nicht erst um Verhandlungen, sondern bediente sich gleich selbst, indem sie ihre Panzer am 2. Oktober in den tschechoslowakischen Teil des auch Teschener Land genannte Olsa-Gebietes sowie im November in einige kleinere Gebiete in der nördlichen Slowakei wie die Zips (Spiš) einrücken ließ. Rund eine Million Menschen flohen vor den in Marsch gesetzten Truppen des „Dritten Reiches“ und dem sofort einsetzenden Terror von Henlein-Faschisten, SA, SS und Gestapo in den noch verbliebenen Rest der Tschechoslowakischen Republik, vor allem Bürger tschechischer Nationalität, Angehörige binationaler Familien, deutsche Sozialdemokraten, Kommunisten und parteilose Nazi-Gegner sowie Emigranten. Wer es nicht schaffte, zu entkommen, auch nicht untertauchen konnte, war der Gestapo ausgeliefert, die alsbald in großem Stil Verhaftungen vornahm. Für die Erstellung der dazu nötig gewesenen „Schwarzen Listen“ hatten Mitglieder und Funktionäre der wenig später in die NSDAP eingegliedert werden sollenden SdP ganze Arbeit geleistet. Überdies brachte die neue Grenze als reine Sprach- und Siedlungsgrenze zahlreiche Schwierigkeiten, Umständlichkeiten und Unzuträglichkeiten mit sich, zerschnitt sie doch rücksichtslos sowohl Grundstücke als auch Verkehrswege wie Straßen und Eisenbahnstrecken, die durch deren Verlauf teilweise richtiggehend zerstückelt wurden. So folgte auf einen Abschnitt in der Rest-ČSR oftmals einer im nunmehr zum „Dritten Reich“ gehörenden Gebiet, dann erneut einer in der Rest-ČSR und so weiter. Das machte in den kommenden Wochen Nachverhandlungen und Grenzberichtigungen erforderlich, wobei diese Verlegungen der Grenzlinie natürlich ausschließlich zu Lasten des tschechoslowakischen Reststaates gingen. Mit all dem war die Richtigkeit der nach der Annexion Österreichs in seiner Presseerklärung am 17. März ausgesprochenen Warnung des sowjetischen Außenministers Litwinow „Vor allem aber erwächst hier eine Bedrohung der Tschechoslowakei ...“ bewiesen worden. Die kapitalistischen Hauptmächte USA, Großbritannien, Frankreich hatten sie nicht ernst genommen, mehr noch, sie hatten dem faschistischen Aggressionsdrang mit ihrer Beschwichtigungspolitik freie Hand gelassen und die ČSR sinnlos geopfert. Bereits am 10. Oktober sorgte Hermann Göring für die Einbeziehung der soeben annektierten Gebiete in den Vierjahresplan, am 5. November erfolgte die Übernahme der SdP in die NSDAP. Am 21. November erließ Hitler das Gesetz zur „Wiedervereinigung des Sudetenlands mit dem Reich“, dem sich am 4. Dezember eine „Ergänzungswahl zum Reichstag“ anschloss. Dabei hatte der Begriff „Wiedervereinigung“ weder sachliche noch historische Berechtigung, war doch ein Gebiet annektiert worden, das stets außerhalb der Grenzen des am 18. Januar 1871 gegründeten Deutschen Reiches gelegen hatte. Gesetz und „Ergänzungswahl“ waren ohnehin bloße Äußerlichkeiten, mit denen der Annexion und ihren Folgen eine scheinbare Rechtsgrundlage gegeben werden sollte. Hinter den Kulissen tobte längst der sich noch recht lange hinziehen sollende Kampf um die Aufteilung der Beute: Schon am 6. April hatte der stellvertretende Vorstand der IG Farben, Haefliger, über sein Gespräch mit Staatssekretär Wilhelm Keppler notiert: „Ich benutzte die Gelegenheit – auf ein mir von Herrn Keppler gegebenes Stichwort hin -, um zu sondieren, wie sich die deutschen Behörden zu einer Einflußnahme auf Unternehmungen in der Sudeten-Tschechoslowakei stellen.“ Am 6. Oktober 1939 sollte das Vorstandsmitglied der Chemischen Fabrik von Heyden AG, Strubberg, für eine Vorsprache im Reichswirtschaftsministerium festhalten: „Dr. Jungel führte einleitend aus, daß die Fa. von Heyden große Sorgen wegen ihrer Weiterentwicklung und ihrer Existenz habe, wenn die Aussiger Betriebe, die in Sudetendeutschland gelegen sind, in andere Hände als die der Fa. von Heyden gelangen, insbesondere in die Hände von Großkonzernen wie die IG.“

Die Schilderung und Bewertung all der zur Zerschlagung der Tschechoslowakei geführte habenden Schritte bleibt allerdings Stückwerk, wenn der Frage nicht nachgegangen wird, wie es möglich war, dass nicht nur die große Mehrheit der deutschen Bevölkerung, sondern auch viele Angehörige anderer Nationalitäten einen erheblichen und schändlichen Beitrag zur Unterstützung der faschistischen Aggressionspolitik geleistet hatten. Die Gründe dafür liegen sowohl in der Vergangenheit Böhmens, Mährens und Mährisch-Schlesiens als Bestandteile des österreichischen Kaisertums sowie der der Slowakei und der Karpato-Ukraine als Teilen des ungarischen Königreichs als auch in der Entstehungsgeschichte der Tschechoslowakischen Republik selbst. In der Habsburger Vielvölker-Monarchie war die deutsche Bevölkerung die bevorzugte, vor allem aus ihren adligen und großbürgerlichen Kreisen rekrutierten sich Beamtenschaft und Offizierskorps, kamen die nationale Unterdrückung der nichtdeutschen Völker sowie Antislawismus, Antisemitismus und Antiziganismus propagierende und organisierende einflussreiche Ideologen und Politiker wie Georg von Schönerer, Karl Lueger und Karl Hermann Wolf, die übrigens auch auf den jungen Adolf Hitler prägend wirkten, und zwar ganz entscheidend. Der am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordete Erzherzog Franz Ferdinand hatte für den Fall seiner Thronbesteigung sogar schon weitreichende Pläne zur Verschärfung der nationalen Unterdrückung ausarbeiten lassen. Die Praxis des „Teile und herrsche“ galt sowohl in nationaler als auch in sozialer Hinsicht, wurde doch auch versucht, die Arbeiterbewegung zu spalten, indem gerade den deutschen Arbeitern eingeredet wurde, zu den „Bessergestellten“ zu gehören, obwohl die meisten von ihnen unter ebenso elenden Bedingungen wie tschechische, polnische oder slowenische Proletarier leben mussten. In Ungarn waren der Nationalismus der Herrschenden und damit die Unterdrückung der nichtungarischen Völker, darunter bezeichnenderweise auch der deutschen Minderheiten im Deutsch-Westungarn genannten Burgenland, in Siebenbürgen und auf dem Balkan, vor allem seit dem die Schaffung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn zur Folge gehabt habenden „Ausgleich“ von 1867 noch schlimmer, setzte doch von da ab eine Magyarisierungswelle sondergleichen ein. Das betraf unter anderem Verordnungen über den Gebrauch der ungarischen Sprache in Verwaltungen, Schulen und Gerichten sowie den Zwang, Orte in nichtungarischen Sprachgebieten fortan mit ungarischen Namen zu bezeichnen und vieles andere mehr. Die Reaktion darauf bestand nicht nur im Erwachen eines tschechischen und slowakischen Nationalbewusstseins vor allem in der Mitte des 19. Jahrhunderts, gefördert durch das Schaffen bedeutender Musiker wie Bedřich Smetana, Antonín Dvořák und Leoš Janáček sowie Ján Levoslav Bella und Viliam Figuš-Bystrý, Literaten wie Božena Němcová, Anton Bielek und Kristína Royová sowie Politiker und Publizisten wie František Palacký, Václav Bolemír Nebeský, Jan Kollár, Ľudovít Štúr und Martin Hamuljak, sondern teilweise auch einem übersteigerten Nationalismus innewohnenden Gefühlen von Hass und Ablehnung. So wurde nationale Befreiung sowohl in Verkennung als auch Leugnung der bestehenden Klassengegensätze als die Lösung schlechthin angesehen, obwohl damit keineswegs automatisch auch die soziale Befreiung verbunden war. Deutlich wurde das bereits im letztlich von österreichischen Truppen unter dem Befehl von Alfred Fürst von Windischgrätz gewaltsam niedergeschlagenen, vom 12. bis zum 17. Juni angedauert habenden Prager Pfingstaufstand, dem Höhepunkt der Revolution von 1848 in Böhmen: Während auf einer von 3.000 Menschen besuchten Versammlung des Nationalausschusses (Národní výbor) am 11. März bürgerlich-demokratische Intellektuelle ein 14-Punkte-Programm mit revolutionären Forderungen wie Gleichstellung der tschechischen und deutschen Einwohner, Aufhebung der Leibeigenschaft, Entlastung des bäuerlichen Grundbesitzes ohne Entschädigung der Großgrundbesitzer, Einführung einer örtlichen Selbstverwaltung, Presse-, Versammlungs- und Glaubensfreiheit, Schaffung unabhängiger Gerichte sowie Regelungen für die Entlohnung der Arbeiter vorlegten, versuchten liberal-konservative Kräfte diese zu unterlaufen und stattdessen sogenannte nationaltschechische Ziele wie die administrative Vereinigung der drei Kronländer Böhmen, Mähren und Österreichisch-Schlesien (nach dem Ende der österreichisch-ungarischen Monarchie Mährisch-Schlesien genannt) in den Mittelpunkt zu stellen. Adlige Standesvertreter wiederum erhoben in romantischer Schwärmerei für das spätmittelalterliche Königreich Böhmen die Wenzelskrone, mit der bis 1836 auch die österreichischen Kaiser zu böhmischen Königen gekrönt worden waren, zum nationalen Mythos und zum Symbol für die böhmischen Staatsrechte und die Selbständigkeit. Zwecks Untermauerung dieser Forderungen wurde nicht nur tief in der böhmischen Geschichte nach passenden Argumenten gesucht, sondern dazu auch aufsehenerregende Dokumente wie die Königinhofer Handschrift (Rukopis Královédvorský) und die Grünberger Handschrift (Rukopis Zelenohorský) präsentiert, die nach jahrzehntelangem erbittertem Streit schließlich von Wissenschaftlern als aus dem 19. Jahrhundert stammende Fälschungen entlarvt wurden. Mit dem kaiserlichen Zugeständnis, einen Landtag wählen zu dürfen, entstanden neue Gegensätze, nunmehr auch innerhalb von tschechischem Adel und Bürgertum – Mähren und Schlesien wollten sich nicht von Böhmen vereinnahmen lassen. Die deutschen Bürger aller drei Länder wiederum sahen sich zurückgesetzt und bildeten eine „Vereinigung der Deutschen aus Böhmen, Mähren und Schlesien zur Aufrechterhaltung ihrer Nationalität“. Deren Forderungen nach Anschluss des Egerlandes an Bayern und der übrigen Gebiete südlich des Erzgebirgskammes an Sachsen ähnelten auffallend den Festlegungen des späteren Münchner Diktats. Vollends zum Ausbruch kamen die entgegengesetzten Auffassungen zwischen den deutschen und den tschechischen bürgerlich-konservativen Kräften, als mit František Palacký einer der namhaftesten Vertreter des tschechischen Bürgertums seine Teilnahme an der Vorbereitung einer gesamtdeutschen Nationalversammlung in Frankfurt am Main ablehnte. Daraufhin verließen die deutschen Mitglieder den Nationalausschuss und in die Frankfurter Nationalversammlung wurden keine tschechischen Vertreter gewählt. Die folgenden Maßnahmen zur allmählichen rechtlichen Gleichstellung der tschechischen Bevölkerung wie das von Kaiser Franz Joseph I. 1860 erlassene Oktoberdiplom, das Februarpatent von 1861 und die Dezemberverfassung von 1867 blieben Stückwerk, kamen sie doch letztlich über Ansätze nicht hinaus. So durften in den drei Kronländern nicht einmal Zeitungen in tschechischer Sprache erscheinen. Ebenso kam die vom österreichischen Ministerpräsidenten Badeni 1897 erlassene und auf einen Ausgleich abzielende Nationalitätenverordnung nicht zum Tragen, nachdem deutsch-nationalistische Abgeordnete, die um keinen Preis Vorrechte aufgeben wollten, das Parlament der österreichischen Reichshälfte, den Reichsrat, lahmgelegt hatten.

Die tschechische Nationalbewegung war bereits ab 1874 mehreren Spaltungen unterworfen, konnte doch das einzige sie einende Element, die Forderung nach Schaffung eines eigenen Nationalstaates, die vorhandenen Klassen- und damit Interessengegensätze nicht überbrücken. Während Adel und konservatives Bürgertum nach einer Ausweitung ihrer Vorrechte strebten, stellten sich liberal gesinnte Teile des Bürgertums, Intellektuelle, Kleinbürger und Arbeiter gegen dieses Ansinnen und verknüpften nationale mit sozialen und antiklerikalen Forderungen. So trennte sich diese Bewegung alsbald in die Adel und Großbürgertum vertretende, als Alttschechen bezeichnete Nationalpartei (Národní strana) und die in der Freisinnigen Nationalpartei (Národní strana svobodomyslná) zusammengeschlossenen Jungtschechen. Letztere nahm zeitweilig einen großen Aufschwung, verlor jedoch zu Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmend an Bedeutung, zumal auch sie nicht in der Lage war, unterschiedliche Interessen zu überbrücken. So fand die sich entwickelnde Arbeiterbewegung ihre konsequenteste Interessenvertreterin in der Tschechischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, wogegen auf dem Lande die vor allem von der katholischen Kirche beeinflusste Christlich-Soziale Partei an Einfluss gewann. Insgesamt aber gab es keine politische Kraft, die bereit und fähig war, nationale Gegensätze zwischen deutschen und tschechischen Bürgerinnen und Bürgern zu überwinden oder wenigstens hintenan zu stellen. Deutlich wurde das schon daran, dass nicht einmal die Arbeiterbewegung über eine gemeinsame Partei verfügte, sondern ebenfalls nach Nationalitäten getrennt war. Das Wirken der Tschechischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Česká dělnická strana sociálně demokratická) unter dem Dach der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Österreichs (SDAP) endete bereits 1897 und war somit nur vorübergehender Natur. Auseinandersetzungen über eine nationalistische oder internationalistische Ausrichtung führten im gleichen Jahr zur Abspaltung der Tschechischen National-Sozialen Partei (Česká strana národně sociální). Ein tschechischer Nationalstaat, ganz gleich, ob innerhalb oder außerhalb Österreich-Ungarns geschaffen, musste dadurch zwangsläufig mit einem schweren Geburtsfehler behaftet sein, der seine dauerhafte Existenz gefährden konnte. Solange nicht die Erkenntnis an Durchsetzungskraft gewann, dass nur ein Nationalitätenstaat im Interesse der deutschen und der tschechischen wie auch Bürgerinnen und Bürger weiterer Nationalitäten liegen konnte, musste die Idee vom Nationalstaat für die Zukunft Konflikte nach sich ziehen, die sich ab 1933 der deutsche Faschismus nicht nur schlechthin zu Nutze machen, sondern auch nach Kräften anheizen sollte, um dessen schnellstmögliche Zerstörung zu bewirken.

Starken Auftrieb erhielt diese Nationalstaatsidee zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch das Wirken des Philosophen Tomáš Garrigue Masaryk, eines Wissenschaftlers, der im übrigen 1886 den Beweis dafür erbracht hatte, dass es sich bei jenen angeblich historischen und tschechische Unabhängigkeitsbestrebungen untermauernden Dokumenten „Königinhofer Handschrift“ und „Grünberger Handschrift“ um Fälschungen handelte. Dem wütenden Aufschrei extrem nationalistischer Kreise begegnete er mit dem Argument, dass die Errichtung eines modernen Nationalstaates weder auf Fälschungen beruhen könne noch solche nötig habe. Dabei war sich Masaryk über seine eigene Volkszugehörigkeit offenbar selbst nicht im klaren oder aber wählte sie nach gewissermaßen konjunkturellen Gesichtspunkten: Seine Mutter ordnete er einmal der deutschen Bevölkerung zu, dann wieder den Hannaken (Hanáci) genannten und eine stark mit deutschen Wörtern durchsetzte tschechische Mundart sprechenden Bewohnern der mährischen Landschaft Hanna und zum dritten der Gruppe der sich Mährer nennenden und nach ihrer Auffassung als lediglich die tschechische Sprache benutzendes eigenes Volk verstehenden Bewohner Mährens. Masaryk selbst bezeichnete sich ebenfalls zeitweilig als Mährer, dann wieder, vermutlich wegen seines slowakischen Vaters, als Slowake und schließlich erklärte er sich der tschechischen Bevölkerung zugehörig. Offenbar war eine klare Zuordnung zu einer Nationalität nicht immer möglich oder eine Frage subjektiver Auffassung, so manches Mal hing sie wohl aber auch davon ab, wo gerade die meisten persönlichen Vorteile zu erlangen waren. Zumindest war das bei solchen Personen möglich, die beispielsweise die deutsche und die tschechische Sprache gleichermaßen gut beherrschten. Eindeutig ist bei Masaryk aber, dass er den zweiten Familiennamen Garrigue nach der Eheschließung mit der US-amerikanischen Staatsbürgerin Charlotte Garrigue annahm. Politisch zunächst der Freisinnigen Nationalpartei (Jungtschechen) zugehörig, trennte er sich 1893 wegen erheblicher Meinungsverschiedenheiten von dieser und gründete 1900 die sogenannte Realistische Partei, die er bis 1914 im Reichsrat vertrat. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs begann er konkrete Pläne für die Schaffung eines von Österreich losgelösten unabhängigen Nationalstaates zu verfolgen, arbeitete dazu konspirativ von den Niederlanden, Italien und der Schweiz aus. Er koordinierte das Wirken von im Lande bestehenden tschechischen Untergrundorganisationen und von Exilgruppen in Russland, Frankreich, Großbritannien und den USA. Ziel war mittlerweile nicht lediglich die Schaffung eines tschechischen, sondern die am 14. November 1915 vom Tschechischen Aktionskomitee im Ausland (französisch Comité d'action tchèque à l'étranger) verkündete Gründung eines tschechoslowakischen Nationalstaates. Im Februar 1916 konstituierte sich das Komitee zum Tschechischen Nationalrat unter Vorsitz Masaryks, zudem wurde mit Unterstützung der Mächte der Entente eine eigene Armee, die Tschechische Legion, aufgestellt. Sein politisches Programm veröffentlichte Masaryk in der Schrift „Das neue Europa. Der slawische Standpunkt.“ Frankreich erkannte den Nationalrat bereits am 29. Juni 1918 als Vorstufe zu einer künftigen Regierung an, Großbritannien folgte am 9. August, die USA am 3. September. Am 14. Oktober bildete Masaryks engster Mitarbeiter Edvard Beneš in Paris den Nationalrat zur provisorischen Regierung um, am 18. Oktober erfolgte mit der Washingtoner Deklaration die Ausrufung eines unabhängigen tschechoslowakischen Staates. Er sollte eine parlamentarische Republik mit garantierten politischen Grundrechten, allgemeinem Wahlrecht, Trennung von Staat und Kirche, Gleichberechtigung der Frau und Schutz der nationalen Minderheiten sein. Ebenso waren soziale Reformen wie die Enteignung des Großgrundbesitzes und die Abschaffung der Vorrechte des Adels vorgesehen. Der im Zuge von militärischer Niederlage, Zusammenbruch des Völkergefängnisses und Sturz der Habsburger Monarchie von der österreichisch-ungarischen Regierung am 28. Oktober 1918 unterzeichnete Waffenstillstand gilt schließlich und endlich als die Geburt des tschechoslowakischen Staates. Am 14. November wählte die Tschechoslowakische Nationalversammlung Tomáš Garrigue Masaryk zum ersten Präsidenten, am 21. Dezember kehrte er aus dem Exil zurück.

Nicht auf revolutionär-demokratischer Grundlage als Ausdruck des Volkswillens und ohne Beteiligung, ja, unter Ausschluss der nichttschechischen Nationalitäten durch Proklamation von oben und mit Hilfe der Hauptmächte der Entente geschaffen, musste es der neue Staat mindestens schwer haben, von allen seinen Bewohnern angenommen zu werden. Er war letztlich das Ergebnis eines Bündnisses von tschechischem Großbürgertum und nach Unabhängigkeit von Ungarn strebendem slowakischen Gutsbesitzertum. Ausschließlich deren Interessen entsprachen auch die in den mit der Republik Österreich am 10. September 1919 im Pariser Vorort Saint-Germain-en-Laye und mit Ungarn am 4. Juni 1920 in Trianon abgeschlossenen Friedensverträgen festgelegten Grenzen: Die tschechische Bourgoisie beanspruchte Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien in den jeweiligen historischen Grenzen, also einschließlich der deutschen und polnischen Siedlungsgebiete, das slowakische Gutsbesitzertum den bislang Ober-Ungarn genannten Landesteil bis zur Donau und damit auch ungarisches Siedlungsgebiet. Dabei ging es weniger um historische und folglich mehr oder weniger ideelle Bezüge, sondern in erster Linie um mit deren Hilfe allenfalls äußerlich legitimierte wirtschaftliche Interessen: Beispielsweise befanden sich die meisten der bedeutenden Industrieunternehmen und die wichtigsten Lagerstätten von Bodenschätzen des tschechischen Landesteils in den Grenzgebieten. Deren Abtrennung hätte den gewachsenen Wirtschaftsorganismus zerstört, vor allem aber die vorhandenen Möglichkeiten zur Profitmaximierung stark eingeschränkt. Alle Pläne zum Verbleib der deutsch besiedelten Grenzgebiete bei Österreich waren allein schon deshalb zum Scheitern verurteilt. Zudem ließen sie sich auch wegen der geografischen Lage praktisch nicht verwirklichen, befand sich doch in einem solchen Falle tschechoslowakisches Staatsgebiet zwischen dem österreichischen Kernland und den deutschen Siedlungsgebieten in Böhmerwald, südlichem Erzgebirge, westlichem Riesengebirge und Altvatergebirge. Gleiches traf auf Forderungen nach deren Anschluss an die Weimarer Republik zu: Ein solcher wäre wohl von der geografischen Lage her möglich und sinnvoll gewesen, allein, diese Lösung widersprach sowohl den Interessen der tschechischen Bourgoisie als auch denen der Entente, sollte doch eine Stärkung der den Krieg verloren habenden (reichs)deutschen Konkurrenz unter allen Umständen vermieden werden. So nutzte die im Zuge des Waffenstillstands gemeinsam mit Truppen der Entente ins Land gekommene tschechoslowakische Armee die Gunst der Stunde und marschierte innerhalb von drei Wochen in die von den ohnehin in Auflösung befindlichen österreichisch-ungarischen Streitkräften entblößten Grenzgebiete ein. Am 4. März 1919, dem Tag des Zusammentretens der Nationalversammlung für Deutsch-Österreich in Wien, veranstaltete Protestkundgebungen wurden mit Waffengewalt aufgelöst, dazu vorhandene Quellen sprechen von 54 Todesopfern und zahlreichen Verletzten. Andererseits ist ebenso bekannt, dass sich deutsche und tschechische Bourgoisie verhältnismäßig rasch miteinander verständigten, um befürchtete revolutionäre Umwälzungen von vornherein in Keime zu ersticken. Ähnlich entwickelte sich die Lage in der bedeutendsten slowakischen Stadt Pressburg (slowakisch Prešporok, ab 16. März 1919 Bratislava, ungarisch Pozsony), deren multiethnische Bevölkerung entweder bei Ungarn bleiben oder aber die Umwandlung in ein eigenständiges Staatswesen („Freie Stadt“) erreichen wollte. Auch hier entschieden die Hauptmächte der Entente über die Eingliederung in den neuen tschechoslowakischen Staat. Dem Einmarsch von Tschechischer Legion und Truppen der Entente folgende Proteste wurden am 12. Februar 1919 gewaltsam niedergeschlagen, die vorhandenen Quellen sprechen von acht getöteten und 11 verletzten Demonstranten.

Die bislang zu Ungarn gehört habende Karpato-Ukraine (tschechisch Podkarpatská Rus) als östlichster Landesteil wiederum war von den Hauptmächten der Entente ebenfalls gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit dem neuen tschechoslowakischen Staat zugeschlagen worden. Ungarn hatte noch am 26. Dezember 1918 eine Autonomie für das Gebiet bewilligt gehabt, die im März 1919 durch die Räterepublik sogar eine wesentlich Erweiterung erfuhr. Ein großer Teil der slawischsprachigen Bevölkerung hatte sich jedoch bereits im November 1918 für einen Beitritt zur Ukraine ausgesprochen, was natürlich den Interessen der Oberschicht wie auch denen der Entente zuwiderlief. So verfügte letztere gemäß einer zwischen dem Amerikanischen Nationalrat der Russinen1 und Masaryk getroffenen Vereinbarung im Vertrag von Saint-Germain-en-Laye vom 10. September 1919 die Angliederung an die Tschechoslowakei, für die das wirtschaftlich äußerst rückständige Gebiet vor allem von strategischem Interesse war. Auch hier wurde die von der Regierung zugesagte Autonomie bis 1938 nicht gewährt, das Parlament nie einberufen und der Gouverneur stets vom Präsidenten ernannt. Weiteren Unmut rief die Festlegung der Grenze zur Slowakei hervor, wodurch rund 150.000 Angehörige der russinischen Bevölkerung auf deren Gebiet verbleiben mussten. Die während der Zugehörigkeit zur ČSR allenfalls in Ansätzen überwundene wirtschaftliche Rückständigkeit bewirkte sowohl hohe Wahlerfolge nationalistischer als auch der Kommunistischen Partei, die durchweg auf einen Stimmenanteil von 25 % kam, und ebenso Bestrebungen nach einem Anschluss an die Ukrainische SSR.

Deshalb konnte es nicht verwundern, dass der neue Staat der auf solche Art zu seinen Bürgerinnen und Bürgern gemachten nichttschechischen Bevölkerung zumindest im ersten Jahrzehnt seines Bestehens eher als ihr fremd bleibendes Kunstprodukt denn als Identifikationsobjekt galt. Das traf auch auf den Großteil der slowakischen Bevölkerung zu, sollte doch die versprochene Autonomie nahezu 20 Jahre lang nur auf dem Papier bleiben. Insgesamt lebten im neuen, 140.000 km² umfassenden Vielvölkerstaat mit 14,7 Millionen Einwohnern 7 Millionen tschechische, etwa 3,5 Millionen deutsche, 2,4 Millionen slowakische, 0,7 Millionen ungarische und 0,2 Millionen polnische Bürgerinnen und Bürger. Dazu kamen etwa 0,3 Millionen Angehörige anderer nationaler Minderheiten, vor allem ukrainischer (bzw. russinischer) und rumänischer Nationalität. Die deutsche Bevölkerung umfasste also gut 50 % der tschechischen und übertraf den Anteil der slowakischen um nahezu ein Drittel, galt aber ebenso wenig als Staatsvolk wie die übrigen nationalen Minderheiten. Die in West-Ost-Richtung verlaufende Längenausdehnung des Staates betrug etwa 900 km, die Breite in Nord-Süd-Richtung lag zwischen 276 und 84 km. Im Kriegsfalle wären gut 3.000 km Grenze zu verteidigen gewesen. Erschwerend zu dieser ungünstigen strategischen Ausgangslage kam, das rund ein Drittel der Bevölkerung auf Grund des der ethnischen Zusammensetzung widersprechenden Nationalstaatsprinzips kaum Interesse an einer Landesverteidigung hatte.

Zwar galt das tschechoslowakische Nationalitätenrecht als eines der liberalsten in Europa und es gab durchaus bedeutende Entfaltungsmöglichkeiten für die nichttschechischen Bürgerinnen und Bürger – eigene Schulen, Verlage, Druckereien und Zeitungen, eigene Parteien, Abgeordnete, Vereine und vieles andere mehr, doch gelang der vorwiegend tschechischen Führung in Prag keine ausreichende Integration: Wohl vertrat Präsident Masaryk einen liberalen und demokratischen Humanismus, er konnte sich jedoch letztendlich nicht gegen extrem nationalistische Kräfte in seiner Fünf-Parteien-Regierung durchsetzen. Damit wurde die einstige deutsch-bürgerliche und adlige Vorherrschaft lediglich durch eine bürgerlich-tschechische abgelöst. So blieb es bei Tschechisch als für das ganze Land geltender Amtssprache sowie der Einführung tschechischer Ortsnamen auch in nicht tschechisch besiedelten Gebieten. Dazu kam in diesen die bevorzugte Einstellung tschechischer Beamter in den Staatsdienst und ebenso wurde die Ansiedlung von Bürgerinnen und Bürgern tschechischer Nationalität stark gefördert, wozu auch die Enteignung von Grund und Boden sowie die Errichtung und bevorzugte Unterstützung von Schulen und kulturellen Einrichtungen gehörten. Beeinträchtigt wurde das Verhältnis zur deutschen Bevölkerung von Anfang an durch den genannten liberalen Auffassungen widersprechende Äußerungen von Präsident Masaryk während der Friedensverhandlungen in Saint-Germain-en-Laye: „(...) unsere geschichtlichen Grenzen stimmen mit den ethnographischen Grenzen ziemlich überein. Nur die Nord- und Westränder des böhmischen Vierecks haben infolge der starken Einwanderung während des letzten Jahrhunderts eine deutsche Mehrheit. Für diese Landesfremden (franz. „étrangers“) wird man vielleicht einen gewissen modus vivendi schaffen, und wenn sie sich als loyale Bürger erweisen, ist es sogar möglich, dass ihnen unser Parlament (…) irgendeine Autonomie zugesteht. Im übrigen bin ich davon überzeugt, dass eine sehr rasche Entgermanisierung dieser Gebiete vor sich gehen wird.“ (Le Matin, Paris, 10. Januar 1919). Abgesehen davon, dass die deutsche Besiedlung bereits vor Jahrhunderten erfolgt war und es sich nicht um „Landesfremde“ handelte, musste der Begriff „Entgermanisierung“ Ängste und Befürchtungen wecken, die sich alsbald die faschistischen Parteien auf beiden Seiten der Grenze zunutze machten. Folglich war die Haltung der Betroffenen zwiespältig, sie reichte von offener Ablehnung und Verweigerung, wie sie die Deutsche National-Partei über mehrere Jahre und ohne Erfolg praktizierte, bis zur die Tatsachen anerkennenden Bereitschaft zur Mitarbeit. Einer ihrer einflussreichsten Befürworter war der Vorsitzende der Deutschen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (DSAP), Ludwig Czech. So wirkte er im Rahmen einer breiten Regierungskoalition ab 1929 als Minister für Sozialfürsorge, 1934 als Minister für öffentliche Arbeiten und von 1935 bis 1938 als Gesundheitsminister. Verdient machte er sich vor allem um die Ausgabe von im Volksmund „Czechkarten“ genannten Lebensmittelmarken für gewerkschaftlich nicht organisierte Arbeitslose, mit denen in der Zeit der Weltwirtschaftskrise schlimmste Not gelindert wurde, auch in deutschen Arbeiterfamilien. Einzige Partei, die entschieden für die Gleichberechtigung aller Nationalitäten eintrat und sich deshalb von vornherein multiethnisch organisierte, blieb die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei. In der DSAP dagegen gewannen in den 1930er Jahren vor allem von Wenzel Jaksch repräsentierte deutsch-nationalistische Kräfte die Oberhand, die antikommunistisch und antisowjetisch ausgerichtet waren. Mit der abenteuerlichen These von der Notwendigkeit, die Sozialdemokratie von einer Klassenpartei in eine „Volkspartei“ umzuwandeln, und der Propagierung eines gegen die UdSSR gerichteten „abendländischen Sozialismus“ begab sich dieser in gefährliche Nähe zur SdP, was diese umgehend mit lobenden Worten ihres führenden Funktionärs Josef Pfitzner honorierte. Unter anderem erklärte er, dass „sich ein Kreis junger Sozialdemokraten, geführt von den nicht dem Judentum entstammenden Vertrauensmännern Wenzel Jaksch und Emil Franzel, plötzlich um die Bedeutung des deutschen Volkstums und die Beziehung des deutschen Arbeiters zu diesem wie in der Zeit Seligers zu kümmern begann und dabei Ansichten vertrat, die von denen des Nationalsozialismus gar nicht so weit abstanden.“ Jaksch gelang es nicht nur, Ludwig Czech 1938 vom Parteivorsitz zu verdrängen, er begrüßte ebenso wie Karl Renner in Österreich die Annexion der Grenzgebiete durch das „Dritte Reich“ und bot der SdP sogar seine Mitarbeit an. Bei solcher Haltung konnte es nicht verwundern, dass er im Kriege sowohl den Eintritt deutscher Bürger der ČSR in die alliierten Streitkräfte ablehnte und die von Edvard Beneš angebotene Mitarbeit in der Exilregierung ausschlug, als auch zu einem der führenden Funktionäre der Sudetendeutschen Landsmannschaft und damit des staatlich geförderten Revanchismus in der BRD wurde. In deren Leitung befand er sich in trautem Verein mit ehemaligen Funktionären der SdP bzw. NSDAP wie Walter Brand, Walter Becher, Josef Domabyl, Franz Holler, Franz Karmasin, Leo Schubert und Hans Schütz sowie Mitgliedern der SS wie Paul Illing, einst persönlicher Führer und Dolmetscher Heinrich Himmlers bei der Besetzung der Rest-ČSR 1939.

Die Darlegung der schweren Geburtsfehler der ČSR und die widersprüchliche Nationalitätenpolitik ihrer Staatsführung wäre unvollständig, würde dabei nicht auf die infolge der von 1929 bis 1932 angedauert habenden Weltwirtschaftskrise entstandenen großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme eingegangen. Millionenfache Arbeitslosigkeit, Lohnabbau und steigende Lebenshaltungskosten bewirkten bei weiten Teilen der Bevölkerung Armut, Verzweiflung und Verbitterung. Das betraf natürlich alle Nationalitäten, am stärksten jedoch die Bewohnerinnen und Bewohner der hochindustrialisierten Landesteile in Böhmen, Mähren und Mährisch-Schlesien und zu diesen gehörten bekanntlich die deutschen Siedlungsgebiete. Unter derartigen Bedingungen hatte es gerade der Faschismus mit seinen niedrigste Instinkte ansprechenden und kritisches Nachdenken ausschaltenden Parolen leicht, an Boden zu gewinnen.

Entgegen der ab etwa 1950 in der BRD von ehemaligen Parteifunktionären verbreiteten und von Wissenschaftlern längst widerlegten „Henlein-Legende“ war weder die Politik der SdP noch die ihrer Vorgängerinnen auf die Zurückdrängung jedweden bürgerlichen Nationalismus zugunsten der Entwicklung eines gedeihlichen Zusammenlebens aller Nationalitäten, sondern unter Ausnutzung der genannten schweren Geburtsfehler des neuen Staates von Anfang an auf dessen Zerstörung gerichtet. Alle gegenteiligen Behauptungen wurden sowohl durch Akten, Reden und Schriften über die Ziele der Partei einschließlich der Vorläuferinnen DNP und DNSAP und ihr enges Zusamenwirken mit der NSDAP schon lange vor dem 30. Januar 1933 entkräftet. Konrad Henlein selbst war nie, wie gelegentlich behauptet, Demokrat gewesen, dem etwa an einer Unterstützung der Integrationspolitik des Sozialdemokraten Ludwig Czech gelegen gewesen wäre. Falsch ist ebenso die Darstellung, er habe als nach der Annexion der Grenzgebiete am 9. Oktober 1938 zum Reichskommissar und SS-Gruppenführer, am 15. April 1939 schließlich zum Gauleiter (nach anderen Quellen: 30. Oktober 1938) und Reichsstatthalter (nach anderen Quellen: 1. Mai 1939) im neugebildeten Gau Sudetenland und am 18. März 1939 zum Chef der Zivilverwaltung im „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ sowie am 21. Juni 1943 zum SS-Obergruppenführer Ernannter kaum Macht und Einfluss besessen. Er war im Gegenteil nicht nur führender Kopf bei der Zerschlagung der ČSR gewesen, er lud ebenso durch sein herausragendes Mitwirken bei der Entrechtung, Verfolgung und schließlichen Vernichtung jüdischer Mitbürger, der sogenannten Arisierung und natürlich der brutalen Verfolgung und Unterdrückung jedweden antifaschistischen Widerstandes schwere Schuld auf sich. Das innerhalb der Nazi-Führung üblich gewesene Gerangel um Einfluss und Macht, der sprichwörtliche Kampf um die Futterkrippe zwischen einheimischen und aus dem „Altreich“ in die annektierten Gebiete „abgeordneten“ Parteifunktionären und Staatsbeamten sowie gelegentliche Meinungsverschiedenheiten taktischer Natur ändern daran nichts. Bei Hitler galten gerade Konrad Henlein und sein langjähriger Stellvertreter in der SdP, SS-Gruppenführer Karl Hermann Frank, als unverzichtbare „Spezialisten zur Bekämpfung des Tschechentums“, weshalb er ihnen auch seine persönliche Förderung angedeihen ließ. 

Dass Hitler in seiner Rede im Berliner Sportpalast am 26. September 1938 gelogen hatte, um die Weltöffentlichkeit zu täuschen, sollte sich gleich nach Abschluss des Einmarschs in die tschechoslowakischen Grenzgebiet zeigen. Hatte er an jenem Tage noch ausgerufen:

„Ich habe nur weniges zu erklären: ich bin Herrn Chamberlain dankbar für alle seine Bemühungen. Ich habe ihm versichert, daß das deutsche Volk nichts anderes will als Frieden; allein, ich habe ihm auch erklärt, daß ich nicht hinter die Grenzen unserer Geduld zurückgehen kann. Ich habe ihm weiter versichert und wiederhole es hier, daß es - wenn dieses Problem gelöst ist — für Deutschland in Europa kein territoriales Problem mehr gibt! Und ich habe ihm weiter versichert, daß in dem Augenblick, in dem die Tschechoslowakei ihre Probleme löst, das heißt, in dem die Tschechen mit ihren anderen Minderheiten sich auseinandergesetzt haben, und zwar friedlich und nicht durch Unterdrückung, daß ich dann am tschechischen Staat nicht mehr interessiert bin. Und das wird ihm garantiert! Wir wollen gar keine Tschechen!“, so hatte er dabei wohlweislich unterschlagen, was in der schon am 24. Juni 1937 erlassenen „Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehrmacht“ festgehalten worden war: „2.) Aufgabe der deutschen Wehrmacht ist es, ihre Vorbereitungen so zu treffen, daß die Masse aller Kräfte schnell, überraschend und mit stärkster Wucht in die Tschechoslowakei einbrechen kann und daß im Westen nur ein Mindestmaß von Kräften als Rückendeckung für diese Angriffsoperation vorgesehen wird.“ Am 30. Mai 1938 ließ Hitler in einer diesbezüglichen Korrektur niederschreiben: „Es ist mein unabänderlicher Entschluß, die Tschechoslowakei in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen.“ Folgerichtig erging am 21. Oktober die Weisung des Oberkommandos der Wehrmacht zur „Erledigung der Rest-Tschechei“ und zur Annexion des seit 1923 zu Litauen gehörenden Memelgebietes. So schlossen sich umgehend die nächsten Schläge an: Nachdem Ungarn alle tschechoslowakischen Angebote zu einer einvernehmlichen Regelung von Streitfragen abgelehnt hatte, wurden Hitlers Reichsaußenminister von Ribbentrop und Mussolinis Außenminister Graf Ciano als Schiedsrichter angerufen. Zu wessen Gunsten sie entscheiden würden, konnte man sich schon vorher an den fünf Fingern abzählen: Mit dem am 2. November 1938 von ihnen in Wien gefällten Schiedsspruch wurde die ČSR zur Abtretung eines 10.390 km² großen Landstreifens im Süden der Slowakei zuzüglich 1.537 km² in der Karpato-Ukraine, insgesamt also 11.927 km², mit rund einer Million Einwohnern vorwiegend ungarischer Nationalität an Horthy-Ungarn gezwungen. Dessen führende Politiker machten kein Hehl daraus, dass dies nur der Anfang sein sollte, um im Rahmen der angestrebten Revision des Friedensdiktats von Trianon die gesamte Slowakei wiederzuerlangen. Zwischen dem 5. und dem 10. November rückten ungarische Truppen in das Gebiet ein, an der Spitze in Admiralsuniform und mit theatralischer Geste der auf einem Schimmel reitende Diktator Horthy. Rund 30.000 Bürgerinnen und Bürger tschechischer und slowakischer Nationalität sahen sich zum sofortigen Verlassen der Heimat gezwungen. Der anfänglich jubelnden Mehrheit der ungarischen Einwohner bemächtigten sich freilich sehr schnell Enttäuschung und Ernüchterung, als sie das bisherige bürgerlich-parlamentarische System mit einem bestimmten Mindestmaß an Rechten und Freiheiten durch eine brutale Diktatur abgelöst sah und ihr zudem die wirtschaftliche Rückständigkeit Horthy-Ungarns bewusst wurde. So machten alsbals Losungen wie „Mindent vissza!“ („Alles zurück [in die Tschechoslowakei]!“), „Minden drága, vissza Prága!“ („Alles ist teuer, [wir wollen zu] Prag zurück!“) und „Nem ezeket a magyarokat vártuk!“ („Auf dieses Ungarn haben wir nicht gewartet!“) die Runde. Slowakische Schulen und kulturelle Einrichtungen wurden geschlossen, Beamte entlassen, gegen den öffentlichen Gebrauch der slowakischen Sprache gewaltsam vorgegangen, sogar im Gottesdienst, slowakischen und jüdischen Gewerbetreibenden die Erlaubnis entzogen sowie 100.000 tschechische und slowakische Einwohnerinnen und Einwohner vertrieben. Derweil wurde fieberhaft an der endgültigen Zerstückelung der ČSR gewirkt, wofür als nächste Schritte die Abtrennung von Slowakei und Karpato-Ukraine vorgesehen waren: Am 5. Oktober gestand die tschechoslowakische Regierung der Karpato-Ukraine eine von Andrej Brodij (tschechische Schreibweise Bródy) geleitete autonome Verwaltung zu, am 7. Oktober folgte die der Slowakei unter Ministerpräsident Jozef Tiso. Mit der Berufung dieses prominenten Faschisten wurde der Bock zum Gärtner gemacht, war er doch eine der Schlüsselfiguren bei der Abtrennung der Slowakei und deren Umwandlung in einen Vasallenstaat des „Dritten Reiches“. Am 16. Oktober traf sich Hermann Göring mit den Spitzenpolitikern der Hlinka-Partei Ferdinand Ďurčanský und Alexander Mach sowie Henleins Stellvertreter für die Slowakei, Franz Karmasin. Drei Tage später erhielten Jozef Tiso und Franz Karmasin sowie für die Karpato-Ukraine Innenminister Edmund Stepanowitsch Batschinski (tschechische Schreibweise Bačinský) von Hitler persönlich die nächsten Weisungen. Presse und Rundfunk liefen beim Hetzfeldzug gegen die Rest-ČSR zu neuer Hochform auf und verbreiteten unablässig Meldungen über die angebliche Unterdrückung und Terrorisierung der dort noch lebenden deutschen Bevölkerung. Am 21. Januar 1939 forderte Hitler von Außenminister Chvalkovský die völlige Unterwerfung des verbliebenen Staatsgebietes, wogegen die tschechoslowakische Regierung ein letztes Mal aufbegehrte, indem sie den slowakischen Ministerpräsidenten Jozef Tiso am 10. März wegen der immer offenkundiger werdenden separatistischen Politik absetzte. Schon am nächsten Tag traf Hitler die Entscheidung zur endgültigen Zerschlagung der Rest-ČSR und entsandte Wilhelm Keppler, Arthur Seyß-Inquart und seinen „Anschlußexperten“ Josef Bürckel sowie einige Generale der Wehrmacht zur Organisierung des Abfalls von Prag nach Bratislava. Am 13. März fanden sich Jozef Tiso und Ferdinand Ďurčanský bei Hitler ein, um die bereits fertige Proklamation zur Ausrufung eines „unabhängigen“ slowakischen Staates entgegenzunehmen. Kaum 24 Stunden danach wurde der Abfall verkündet, dem ebenso zügig der Schlussakt folgte: In der Nacht des 15. März zwang Hitler dem tschechoslowakischen Staatspräsidenten Emil Hácha unter massiven Drohungen einen Protektoratsvertrag auf und ließ die Wehrmacht in die Restgebiete Böhmens und Mährens einmarschieren – von Anhängern des Faschismus mit Begeisterung, von der großen Mehrheit der tschechischen Bevölkerung mit Verbitterung, Wut und Hass empfangen. Nach diesen Ereignissen sah auch die Karpato-Ukraine keinen anderen Weg mehr, als am gleichen Tage unter Awgustyn Woloschyn ihre Unabhängigkeit zu erklären. Die freilich kam gar nicht erst zum Tragen, marschierten doch umgehend ungarische Truppen ein und besetzten gegen zum Teil erheblichen militärischen Widerstand der Bevölkerung das Land. Mit der Annexion der letzten 12.000 km² mit 622.000 Einwohnern, von denen lediglich 6 % Ungarisch als Mutterprache angegeben hatten, war die Tschechoslowakische Republik endgültig zerschlagen worden. Für sechs lange und schwere Jahre stöhnte das Land unter der Knute des deutschen, ungarischen und slowakischen Faschismus.


H.-J. Weise


Quellen:

  1. autoatlas ČSSR, herausgegeben für DDR (LKG Leipzig), Geodetický a kartografický podnik v Praze, ohne Jahresangabe

  2. Bauer, Werner: „Franzl und Jana“, Kinderbuchverlag, Berlin 1961

  3. Ben-Gavriêl, Moscheh Ya'akov (eigentlich Eugen Hoeflich): „Das Haus in der Karpfengasse“, Verlag Volk und Welt, Berlin 1968

  4. Bergschicker, Heinz: „Deutsche Chronik 1933 – 1945“ (Untertitel: „Ein Zeitbild der faschistischen Diktatur“), 1. Auflage, Verlag der Nation, Berlin 1981

  5. Gespräche mit Paula Bilay (früher Josefsthal/Josefův Důl), Antonia Ethner (früher Teplitz/Teplice), Willi Ganka (früher Eger/Cheb), Waldtraud Ritterova (Sadov bei Karlovy Vary, bis 1948 Sodau, Kreis Karlsbad), Emil Schimm (früher Böhmisch Wiesenthal/Český Wiesenthal)

  6. Hahn, Hans Henning: „Sudetendeutsche“ (Untertitel „Wo ist ihre Heimat?“), in: „Spiegel Special“, Nr. 2/2002 vom 01.06.2002

  7. Hass, Gerhard: „Bankrott der Münchener Politik“, in: „illustrierte historische hefte“ Nr. 50, Zentralinstitut für Geschichte und Institut für Allgemeine Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR (Herausgeber), VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1988

  8. Heynowski, Walter und Scheumann, Gerhard: „Der Präsident im Exil“, „Der Mann ohne Vergangenheit“ und „Die Schlacht am Killesberg“, Buch zu den gleichnamigen Dokumentarfilmen des Fernsehens der DDR

  9. http://www.bohemistik.de/henleinlegende.pdf

  10. www.ns-archiv.de/krieg/1938/tschechoslowakei/wollen-k...

  11. Internet-Lexikon WIKIPEDIA

  12. „Karmasin“ (Untertitel: „Macht des Schicksals“), in: „DER SPIEGEL“ 21/1966 vom 16.05.1966

  13. „Magisches Dreieck“, ohne Namensnennung, Reihe „Zeitgeschichte“, in: „DER SPIEGEL“ 20/1995

  14. Nationalrat der Nationalen Front des demokratischen Deutschland (Herausgeber): „Geht es um Deutschland?“ (Untertitel: „Eine Dokumentation über den Revanchismus in der Bundesrepublik“), Berlin 1966

  15. Rücker, Günther (Buch und Regie): „Hilde, das Dienstmädchen“, DEFA-Film von 1986

  16. Stoecker, Helmut und Rüher, Adolf (Herausgeber): „Handbuch der Verträge 1871 – 1964“, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1968

  17. Tausk, Walter: „Breslauer Tagebuch 1933 – 1940“, herausgegeben von Ryszard Kincel, 1. Auflage, Rütten & Loening, Berlin 1975

  18. Uslar, Thilo von: „Der 'ehrenwerte' Karmasin“ (Untertitel: „Die Geschichte eines Staatssekretärs aus Hitlers Diensten“), in: „DIE ZEIT“ vom 24. Juni 1966



1Russinen ist die Selbstbezeichnung der slawischsprachigen Bevölkerung der heute Transkarpatien genannten Karpato-Ukraine, da sie sich als eigene Nationalität versteht. Unter Wissenschaftlern ist jedoch nach wie vor ungeklärt, ob es sich tatsächlich um eine eigene Ethnie handelt. In der Ukraine wird das ohnehin entschieden bestritten, dort gelten die Russinen ausschließlich als Ukrainer.

 

 

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/thema/detail/browse/5/artikel/vor-75-jahren-heim-ins-reich-bis-zum-bitteren-ende/