11. März 2014

Pflege: Diskrepanz zwischen Bestand und Bedarf

Dorothea Reuß ist seit 2013 ehrenamtliche Seniorenbeauftragte in Erfurt.

Am 18. Februar waren die Mitglieder der Senioren-AG Erfurter LINKEN mit der ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten der Stadt Erfurt, Dorothea Reuß zu einem Treffen verabredet. Sehr seniorenfreundlich war der Treppenaufstieg zu dem Büro allerdings nicht. In Zukunft ließe sich da noch manches besser gestalten, wenn der Stadtverwaltung der politische Willen gegeben ist. Wünschenswert wäre die barrierefreie Erreichbarkeit im Erdgeschoss in allen Gebäuden der Stadtverwaltung.

Arbeitsmäßig haben die Seniorenbeauftragte und ihre Mitarbeiterin schon alle Hände voll mit organisatorischen Aufgaben zu tun. Wir waren positiv angetan, als wir die Verbindung der ehrenamtlichen Seniorenbeauftragten der Stadt Erfurt und dem Ministerium erfuhren. 

Die  Senioren-AG hatte sich mit dem Pflegebericht 2013 der Stadt Erfurt beschäftigt. Die AG kam zu dem Ergebnis, dass es Diskrepanzen zu dem bestehenden und zukünftigen Einrichtungen für die Pflege gibt. Der Bericht diente der Einschätzung der Entwicklung bis 2025. 

Die 21 Pflegehäuser und 24 ambulanten Pflegeunternehmen sind bereits heute voll ausgelastet. Das betrifft ins besondere die Pflegeplatzkapazität und das vorhandene Arbeitsvermögen der Pfleger. Die AG bemängelte auch, dass aus der Analyse nicht hervorging, wie schwer es kranke oder alte Menschen haben, überhaupt eine Pflegestufe zu erhalten. Der Umfang der Pflegestufe 1, ist auch deshalb so groß, weil die Pflegestufe 2 und 3 immer weniger vergeben werden.

Ein weiterer Kritikpunkt war, dass der Pflegebericht  von nicht korrekten  Zahlen ausgeht. Die tatsächliche Zunahme der über 80-jährigen Bürger in Erfurt beträgt um 15.300 und davon sind geschätzt etwa 5.100 pflegebedürftig.  Zukünftig ergibt sich daraus ein stationärer Pflegebedarf von mindestens 700 Pflegeplätzen und die Versorgung von über 1.000 Pflegebedürftigen zu Hause.

Eine vertiefende Sozialraumanalyse könnte hier dafür sorgen, dass die Wohnraumnahe-Pflege effektiver organisiert werden könnte. Unsere Forderung zu einer Koordinierung der Pflege und auch Seniorenbetreuung in möglichst einer Einrichtung oder Anlaufstelle haben wir noch einmal deutlich gemacht, wie auch die Notwendigkeit,  dass die Pflege und die Gestaltung alternativer Wohnformen für Menschen mit Pflegebedarf weiter für alle bezahlbar bleibt.  Die Senioren-AG wird deshalb weiter die enge Zusammenarbeit zur Lösung von Pflege- und Seniorenfragen mit der Stadt suchen.                        

R. H.