26. März 2014

Ein Urgestein wird 75

Helmut Kropf kämpft nicht nur mit der Feder als Mitstreiter der UNZ, sondern auch auf der Straße. Foto: th

In Thüringen am 30. März 1939 geboren zu sein, hieß im Krieg aufzuwachsen. Als Helmut gerade sechs Jahre alt war, kam die Front in seine Stadt. Im April 1945 erreichte die US-Armee die Saale. Große Kämpfe gab es nicht mehr, andere Kriegskinder mussten Ärgeres erleben. Aber Krieg und die Entbehrungen der Nachkriegszeit blieben prägende Eindrücke. 

Später wurde Helmut Bauarbeiter. Dann ein Studium zum Bauingenieur. Aber dabei blieb es nicht. Die Betriebszeitung des Bau- und Montagekombinates Erfurt suchte einen Redakteur. Helmut übernahm diese Aufgabe und absolvierte „nebenbei“ ein Journalistik-Studium. Viele Jahre, bis 1990 war er dann Chefredakteur des BMK-Echo, der Betriebszeitung des Bau- und Montagekombinates Erfurt. 

Sein Engagement bei den Sommerfilmtagen auf der Erfurter IGA brachte ihm viele Begegnungen mit in- und ausländischen Künstlern. Bei so einem Anlass traf er auch wieder mit einem Mann aus den USA zusammen – 1975 war der Sänger und Schauspieler Dean Reed zu Gast in Erfurt. 

Mit einem anderen Amerikaner hatte Helmut ein Erlebnis der besonderen Art. Der US-Schauspieler Telly Savalas wurde in den 1970er Jahren weltberühmt als glatzköpfiger Polizist Kojak, der in Manhattan Kriminalfälle löste. Helmut Kropf druckte sein Bild für einen Scherz in seine Betriebszeitung. Das rief die Wachsamkeit einiger Genossen auf den Plan: Der Fernsehstar der NATO-Welt in der Zeitung eines sozialistischen Kombinates. Dürfen die denn das? Zeigt sich da nicht ideologische Aufweichung schlimmsten Grades? Flugs wurde der Chefredakteur einbestellt zur oberen Parteileitung zwecks Klärung des Sachverhaltes. 

Wie in allen hierarchischen Strukturen gab es auch innerhalb der SED eine Standardreaktion für die in die Kritik Geratenen. Den Fehler bekennen und Besserung geloben. Aber Helmut fragte sich: Warum eigentlich? Wo steht bei Marx geschrieben, dass ein populärer Schauspieler aus den USA zwangsläufig Symbol für die Negativseiten des USA-Imperialismus sein muss? 

Also nutzte er seine Kenntnisse der Filmbranche. Suchte alle positiven Berichte über Savalas aus Publikationen der DDR zusammen und legte vor, was über den bürgerrechtlich engagierten US-Bürger, der als Soldat der Anti-Hitler-Koalition gekämpft hatte, hierzulande aktenkundig war. Und siehe da: Sachliche Information hilft gegen ideologische Eiferer. Vernunft kann sich durchsetzen, auch in SED-Parteileitungen. Der Chefredakteur mit dem Kojak-Bild blieb im Amt. 

Dann ging es mit SED und DDR zu Ende und ehemals ganz stramme Super-Kommunisten verließen in Scharen die Partei. Helmut Kropf blieb, baute mit einigen Mitstreitern die UNZ auf und brachte sie durch die stürmischen Zeiten anfangs der 1990er Jahre. Das war alles andere als einfach. Es gab viele völlig neue Herausforderungen. Aber manche Aufgaben für Sozialisten blieben immer die gleichen. Der West-Ost-Konflikt war zu Ende, aber der Frieden war weiter in Gefahr. Schon 1991 wurde der Golfkrieg losgetreten. 

Und der Wahrheit gegen viele Lügen zur Geltung verhelfen, das blieb das tägliche Brot des Genossen Helmut Kropf. Nach 1990 kamen einige Dinge über den Staatssozialismus und die DDR ans Licht, die auf unschönen Tatsachen beruhten. Aber es gab auch eine Flut von Lügen, Verdrehungen, Halbwahrheiten. Das eine vom anderen zu trennen war mit den Mitteln einer kleinen Zeitung wie der UNZ oftmals nicht einfach. 

Aber in diesem Punkt war und ist Helmut unermüdlich. Den Dingen auf den Grund gehen und sie richtig stellen ist sein Motto. Dabei scheute er sich nicht, sogenannte „heiße Eisen“ oder „igitt-Themen“ anzupacken. Ob nun eine Aktentrickser-Behörde behauptete, sie würde die Akten des MfS offen legen oder ideologische Eiferer meinten, nur bei der Grenzsicherung der DDR wären Todesopfer zu beklagen gewesen. Die UNZ belegte, dass die Wahrheit anders aussieht.

Auch heute, im verdienten Ruhestand, meldet Helmut sich zu Wort und ist in mehreren Zeitungen mit Leserbriefen präsent, wenn es Unwahrheiten zu korrigieren gilt.

Friedrich Thiemann

Quelle: http://www.unz.de/nc/aktuell/thema/detail/browse/4/artikel/ein-urgestein-wird-75/