21. Januar 2015

Energiewende vor Ort: Erfurts Energiegenossenschaft

Die Photovoltaik-Anlage auf der Benary-Berufsschule war 2012 eines der ersten Projekt der Erfurter Energiegenossenschaft.

von Angelika Höfer

 

Man kommt nicht an ihnen vorbei – die Schlagwörter der Energiewende des 21. Jahrhunderts: EEG-Umlage, Elektromobilität, Energieeffizienz, Emissionen, erneuerbare Energiequellen, fossile Energieträger, Niedrigenergiehaus etc. Seit den ersten Ölkrisen der 1970er Jahre und zeitgleichen Erkenntnis von den Grenzen des Wachstum werden die von fossilen Energieträgern – Abhängigkeit und Umweltverschmutzung – immer deutlicher. Das breite Spektrum der Energiewende führt zur erweiterten Energieeinsparung bei Strom und Wärme, vor allem durch viele technische Innovationen, aber auch durch Novellierungen von Verordnungen und Gesetzen. Durch immer mehr ausgeprägtes Umweltbewusstsein wird an vielen Stellen versucht, über die Energiewende dem  Raubbau an der Natur entgegenzuwirken. Doch Gesetze und Sonntagsreden allein reichen nicht: Die Energiewende muss vor Ort umgesetzt werden. Dazu leisten die Energiegenossenschaften auch in Thüringen bereits einen wichtigen Beitrag. 

 

EEG-Novelle macht Genossenschaften das Leben schwer

 

In den vergangen Jahren sind mehr als 700 Genossenschaften gegründet wurden. Die erste Erfurter Energie Genossenschaft (e3g) ist eine davon. Mitglieder sind Erfurter Bürger und Unternehmen die sich zusammengeschlossen haben, um als Genossenschaft in Photovoltaik-  und andere Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien im Raum Erfurt zu investieren. Die Steigerung der Energieeffizienz ist dabei von primärer Bedeutung. Das ist möglich durch das Gesetz zum Vorrang erneuerbarer Energien (EEG), das die Abnahme und Vergütung des regenerativen Stroms durch örtliche Netzbetreiber sichert. Durch die diesjährige EEG-Novelle wird es den Bürgern, Kommunen, Genossenschaften und anderen Akteuren der  Energiewende erschwert, in Zukunft in nachhaltige Energierzeugungssysteme zu investieren. 

 

Dank Genossenschaften: Energiewende als nachhaltige Anlage

 

Die Genossenschaft möchte im Raum Erfurt darauf aufmerksam machen, dass Bürger und Unternehmen selbst handeln müssen, um Klimaziele zu erreichen und dabei sogar durch Investitionen profitieren können. Bei der Gründung 2011 wurde von Renditen von bis zu vier Prozent gesprochen. Im Jahr 2014 konnten sogar höhere Renditen bei vielen Projekten erzielt werden. Das zu Anfang befürchtete Problem fehlender Geldgeber, war dagegen nur in der Startphase zu spüren. Im Gegenteil: Zeitweise gab es sogar einen Mangel an entsprechenden Projekten, nicht aber an Kapital! Vor allem die politische Unterstützung der Genossenschaft könnte besser sein. Das zeigte sich schon bei dem bei der Gründung der e3g erklärten Ziel, sich vermehrt auf Denkmalgeschütze Objekte zu konzentrieren. 

 

Das Prinzip Genossenschaft

 

Die eigentlichen Investitionskosten für die Planung, Kauf und Montage der Photovoltaik-Anlage werden durch die Mitglieder getragen. Mitglied kann jeder ab einem Beitrag von 500 Euro werden. Der produzierte Strom der Anlagen wird von der SWE Netz GmbH und der Thüringer Netzagentur abgenommen. Änderungen im EEG bewirken jetzt, dass die neuen Anlagen durch Direktvermarktung gehandelt werden. Weiteres Kapital kommt von der Genossenschaft ausgewählten Bank. Alle Projekte, die von der Genossenschaft in Auftrag gegeben werden, nutzen die  Facharbeiter und Produkte aus der Region.

Bisherige erfolgreiche Projekte können auf der Homepage www.erfurter-energie.de verfolgt werden. Zu den markantesten gehören das Dach auf dem Garten- und Friedhofsamt in Erfurt und zahlreiche Erfurter Schulen. Aktuelles Projekt ist die Polizeidirektion Süd an der Kranichfelderstraße. Jederzeit freuet sich die e3G über neue Investoren. Der jungen und dynamischen Energiegenossenschaft kann man weiterhin nur viel Erfolg wünschen, denn die Energiewende wird nicht durch Politikerreden Realität, sondern von Menschen umgesetzt.