1. Juni 2011

Ein Verein wider der Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist keine spezifische Erscheinungsform bestimmter Epochen, sondern seit Jahrhunderten existent. Sie betrifft alle Gesellschaftsschichten, jedes Alter, jede Konfession und jede Nationalität. Am häufigsten betroffen sind Frauen  in ihrer Familie und im allernächsten Umfeld. Körperliche Übergriffe, sexuelle Gewalt durch ihren Partner erfährt jede vierte Frau ein- oder mehrmalig. Frauen in Trennungssituationen sind extrem gefährdet. Das Risiko getötet zu werden steigt um das Fünffache. Bei häuslicher Gewalt sind natürlich auch die Kinder immer Mitbetroffene. Das kindliche Miterleben von Gewalt ist ein erheblicher Risikofaktor für das spätere Erwachsenenleben. Die Dunkelziffer im Spektrum häuslicher Gewalt ist enorm hoch. Gewalt als zentrales Gesundheitsrisiko für Frauen verursacht natürlich auch hohe gesellschaftliche Folgekosten. Häusliche Gewalt ist kein privater „Familienstreit“, sondern bedeutet sehr oft schwere und lang anhaltende Gewalttaten. Die dem Opfer dabei zugefügten psychischen, physischen, sexuellen und sozialen Schäden hinterlassen nicht selten bleibende Traumatisierung. Der Verein „Hilfe für Frauen in Not e. V.“ Gera nimmt sich dieser Problematik seit 20 Jahren an. Dieser Verein ist keine Institution schlechthin, sondern ein Netzwerk! Die drei  Hauptabteilungen, die Interventionsstelle GeSa, die Frauenberatungsstelle sowie das Frauenhaus Gera sind Anlaufstellen für bedrängte Frauen. Unter der Leitung der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen Uta Kühnhold (Leiterin des Frauenhauses Gera), Katrin Engel und Kathrin Nordhaus (Vorstand)  wird in mannigfaltiger, subtiler und einfühlsamer  Weise  versucht, den betroffenen Frauen Würde, Sicherheit, Ruhe sowie seelisches und körperliches Gleichgewicht wiederzugeben.

Zur  Bewältigung dieser schweren Aufgaben stehen ihnen  noch 20 ehrenamtliche Helferinnen und zwei ehrenamtliche Helfer zur Seite. „Im Verein Hilfe für Frauen in Not e.V.“ werden bedrängte und gequälte Frauen nicht einfach zeitweise „untergebracht“ oder mit vagen Versprechungen „abgespeist“. Vielfältige Angebote stehen zur Verfügung:  Gefährdungsanalyse, Sicherheitspläne, Beratung zum Gewaltschutzgesetz, psychosoziale Beratungsgespräche zur Verarbeitung der erlebten Gewalt, Begleitung und Unterstützung bei Klärung behördlicher Angelegenheiten, Klärung materieller Absicherung und die gemeinsame Erarbeitung einer künftigen Lebensperspektive. Darüber hinaus  können Beratungen über Möglichkeiten der Unterbrechung häuslicher Gewalt, über zivil- und strafrechtliche Schutzmöglichkeiten bei häuslicher Gewalt, aber auch über eventuelle Aufrechterhaltung der Beziehung bei häuslicher Gewalt wahrgenommen werden. 

Die Wanderausstellung des Vereins „Glück gehabt“ gewann im März den erstmals vergebenen Frauenpreis der Thüringer LINKEN anlässlich des 100. Internationalen Frauentages. In der Ausstellung werden u. a. persönliche Erfahrungen von Frauen und Kindern, die von häuslicher Gewalt betroffen sind bzw. waren, präsentiert. Die Präsentation ist flexibel einsetzbar und ebenso einfach aufzubauen. Es können sowohl einzelne als auch alle Ausstellungsgegenstände ausgeliehen und genutzt werden. Interessenten können sich an Dorit Karbstein (Telefon: 0365 – 200549) wenden.


Foto und Text:

Reiner von Zglinicki

www.interventionsstelle-gesa.de